Direkt zum Inhalt
Zum Ende des Inhalts
Zur Service-Navigation
Zur Suche
Zur Hauptnavigation
Zur Anmeldung/Registrierung
Homepage > Aktivitäten > Nachhaltigkeit > Bauen, Wohnen und Nachhaltigkeit > Mein Haus, mein Planet und ich! > Wissenschaftliche Hintergründe
| Autor/inn/en: | |
| Publikation: | 13.1.2012 |
| Lernstufe: | 3 |
| Herkunft: | La main à la pâte, Paris |
Zur Wissenschaft gehören Fakten wie Backsteine zum Hausbau, aber eine Anhäufung von Fakten ist genauso wenig Wissenschaft, wie ein Haufen Backsteine ein Haus ist.
Die Öffentlichkeit hat mittlerweile mehr oder weniger begriffen, welche Probleme der Klimawandel mit sich bringt. Eine andere Herausforderung ist vielleicht weniger ins Bewusstsein gedrungen: das Bevölkerungswachstum.
Jeden Tag wächst die Weltbevölkerung um fast 230 000 Menschen, jedes Jahr um etwa 83 Millionen – also ca. um die Anzahl der Einwohner Deutschlands [2]. Ungefähr im Oktober 2011 wurde der siebenmilliardste Mensch geboren. 2050 wird die Erde wahrscheinlich 9 Milliarden Bewohner zählen. Vor allem in Afrika (+ 150%) und allgemein in den Entwicklungsländern ist das Bevölkerungswachstum gegenwärtig enorm.
Die wirtschaftliche Entwicklung lässt die Zunahme von "konsumorientierten Mittelschichten" erwarten. Der Bedarf an Nahrungsmitteln, der Druck auf den Abbau natürlicher Ressourcen, besonders des Süßwassers und der fossilen Brennstoffe, werden zunehmen – und folglich werden sich die vorherrschenden Vorstellungen von Bauen, Wohnen und Stadt zweifelsohne ändern müssen. Es wird in Zukunft immer mehr um einen sparsamen Energieverbrauch, um den Schutz der Wasserreserven, und um die Rückgewinnung von Rohstoffen aus Abfall gehen.
Will man die Auswirkungen des Hausbaus auf die Umwelt verringern, muss man, wie wir sehen werden, vor allem auf die Wahl der Baumaterialien achten: Nicht alle sind geeignet – ganz im Gegenteil!
Beton ist bei weitem der in Europa am häufigsten verwendete Baustoff. Das ist noch nicht allzu lange der Fall. Seine allgemeine Verbreitung datiert aus der Nachkriegszeit, als unzählige Wohnungen neu errichtet werden mussten, und das möglichst billig. Beton ist der ideale Baustoff: Die Rohstoffe sind billig, Herstellung und Verarbeitung bedürfen keiner besonderen Fachkenntnisse.
Seine mechanische Festigkeit ist groß und die Art der Verwendung sehr flexibel. Man kann Beton gießen, und ihn damit in die gewünschte Form bringen, oder bereits vorgefertigte Betonblöcke zum Bauen verwenden.
Ökologisch gesehen ist Beton jedoch kein guter Baustoff:
Angesichts des enormen Betonverbrauchs weltweit – über eine Tonne Beton pro Kopf und Jahr [4] – und in Erwartung einer weiteren Steigerung (heute kommt auf jeden Chinesen nur ein Drittel des Verbrauchs eines Europäers), scheint die Suche nach Alternativen zwingend. Die Kohlendioxidbilanz von Zement muss verbessert werden, als Zuschlagstoff kann zum Beispiel wiederaufbereitetes Granulat eingesetzt werden. Oder man setzt gleich geeignetere Baustoffe ein: In den westlichen Ländern erleben Holzhäuser und Lehmbauten seit etwa zwanzig Jahren eine Renaissance, nachdem sie ein Jahrhundert lang im Neubau keine Rolle gespielt hatten.
Ungebrannter Lehm ist einer der am häufigsten verwendeten Baustoffe, und das seit 10 000 Jahren. Ob Monumentalbauten (Alhambra, die Chinesische Mauer, ...), Kultstätten, individuelle oder kollektive Wohnbauten – die Lehmbauweise ist auf allen Erdteilen vertreten. Auch heute noch lebt ein Drittel der Weltbevölkerung in Lehmhäusern.
Abb. 1: Lehmige Erde für Stampflehm (Pisé-Bauweise)
"Beton" ist eine allgemeine Bezeichnung für einen Baustoff, der aus körnigem Material (Sand, Kies, ...) und einem Bindemittel (Zement, Ton, Wasser, ...) besteht. Lehm, ein Gemisch aus Sand, Schluff und Ton (Lehm kann auch Steine und Kies in geringen Mengen enthalten), ist so etwas wie ein natürlicher Beton, in dem der Ton die Rolle des "Zements" spielt. Es handelt sich um einen sehr kompakten Baustoff, denn seine kleinen und kleinsten Körner füllen jeden Zwischenraum. Der Zusammenhalt wird nicht nur durch Kontakt und Reibung unter den Körnern sondern auch durch Kapillarkräfte gewährleistet: Wasser bildet "Brücken" zwischen den Körnern und dient auf diese Weise als Kleber. Kapillarkräfte sind besonders wirksam in kleinsten Bereichen, daher ist Ton, der aus winzigen Körnchen besteht, so wichtig. Darüber hinaus sind die Tonteilchen elektrisch geladen, was ihre Klebekraft noch erhöht: Zu den Kapillarkräften und der Reibung treten elektrostatische Kräfte hinzu.
Abb. 2: Von links nach rechts: Steine (ø 20–200 mm), Kies (ø 2–20 mm), Sand (ø 0,006–2 mm), Schluff (ø 0,002–0,006 mm), Ton (< 0,002 mm)
Zur Herstellung von Lehmziegeln aus ungebranntem Lehm benötigt man lediglich eine rechteckige Form aus Holz und Lehm, der möglichst frei von Steinen sein sollte. Lehm lässt sich leicht von Hand bearbeiten. Nach ein paar Tagen sind die Ziegel trocken und können mit Tonerde, die als Mörtel dient, vermauert werden. Das schnelle und preiswerte Verfahren eignet sich für jede Art von Architektur: Mauern, Säulen, Gewölbe, Kuppeln, ...
Abb. 3: Schibam ist eine zum Weltkulturerbe der UNESCO gehörende Stadt im Jemen. Sämtliche Häuser, die meisten mehrstöckig, sind aus Lehmziegeln gebaut. Die ältesten Gebäude stammen aus dem 16. Jahrhundert. (Quelle: Jialiang Gao/Wikimedia Commons)
Die in vielen Gegenden Europas verbreitete Strohlehm-Bauweise besteht darin, ein Fachwerk (aus Holz) mit einer Mischung aus Stroh und Lehm zu füllen.
Abb. 4: Gasthaus im mittelalterlichen Stadtzentrum von Vitré, Bretagne, Frankreich
(Foto und ©: David Wilgenbus)
Bei der Stampflehm-Bauweise wird steiniger Lehm in dünnen Schichten in eine Schalung eingebracht und jede Schicht mit einem Stampfer oder einem Pressluftrüttler festgestampft. Bei diesem Verfahren muss das Mauerwerk nicht erst trocknen, man kann die Schalung sofort abnehmen, wenn alles festgestampft ist: Die Mauer steht!
Das ästhetisch sehr ansprechende Ergebnis mit den charakteristischen waagerechten Streifen wird von Architekten heutzutage wieder sehr geschätzt (insbesondere für den Innenausbau).
Abb. 5: Haus in Stampflehmbauweise (Foto und ©: Antoine Narcy)
Lehm ist in Mitteleuropa fast überall vorhanden [5], er muss weder hergestellt noch umgewandelt und in der Regel auch nicht weit transportiert werden. Außerdem ist er zu 100% wiederverwendbar (Lehm wird wieder zu Lehm). Die Ökobilanz dieser Bauweise ist also sehr gut.
Wände aus Lehm (insbesondere solche aus Stampflehm) haben ein hohes Wärmespeichervermögen, so dass hohe Temperaturschwankungen abgeschwächt werden. Lehmbauweisen eignen sich daher besonders für Bauten in heißen Klimazonen.
Das Baumaterial "atmet" – die gute Durchlässigkeit für Wasserdampf verhindert Kondensation. In kalten Klimazonen müssen Lehmmauern zusätzlich gedämmt werden, zum Beispiel mit Stroh.
Es gibt hochwertige Backsteine, deren Hohlstruktur eine sehr gute Wärmedämmung aufweist. Genau wie Lehm sind Backsteine gute Wärmespeicher, und sie sind durchlässig für Wasserdampf. Einziger Nachteil: der Energieverbrauch im Brennofen. Allerdings ist die Kohlendioxidbilanz längst nicht so negativ wie die der Zementherstellung!
Abb. 6: Lochziegel (Quelle: Wikimedia Commons)
In den USA und Skandinavien ist der Anteil der Holzhäuser im Allgemeinen sehr hoch. In Deutschland lag der Marktanteil von Holzhäusern bei Neubauten 2007 bei ca. 14%, in der Schweiz bei 18% (2005) und in Österreich für Mehrfamilienhäuser bei 13% und für Einfamilienhäuser bei 32% (Neubauvorhaben, 2008) [6].
Die Holzbaubranche ist angesichts der guten Eigenschaften des Materials im Begriff kräftig zu wachsen:
Abb. 7: Entwicklung der Waldfläche in Deutschland (bis 2000 nur Westdeutschland [blaue Kurve], ab 1991 West- und Ostdeutschland zusammen [rote Kurve]) [7]
Abb. 7b und 7c: Entwicklung der Waldfläche in Österreich [8] und der Waldfläche in der Schweiz [9]
Massivholzhäuser (aus Rundhölzern, Holzbohlen oder Holzblöcken) sind teuer und eher in Gegenden wie den Alpen oder Skandinavien anzutreffen, wo das nötige Fachwissen vorhanden ist. Als Holzhaus werden aber auch alle Häuser bezeichnet, deren Gerüst in Holzskelett-, Holztafel- oder Holzrahmenbauweise gebaut wurde. Das von den Fachwerkhäusern übernommene Prinzip besteht darin, aus (nicht allzu dicken) Holzbalken ein tragendes Skelett zu errichten, das einem Gitter gleicht, dessen Zwischenräume mit einem wärmedämmenden Material (wie zum Beispiel Stroh, Holzfaserplatten, Zellulose oder Hanffasern) gefüllt werden. Darüber kommt Putz oder eine Verkleidung.
Holzbauweisen dieser Art sind ideal für Fertighäuser. Die einzelnen Elemente werden vorgefertigt und per Baukastensystem nach Wunsch zusammengesetzt – die Gestaltungsfreiheit ist groß und die Baukosten relativ niedrig. Holzhäuser zeichnen sich durch eine sehr gute Wärmedämmung und eine gute Feuchtigkeitsregulierung aus. Je nach Klima und Fassadenausrichtung verwendet man ein entsprechendes Füllmaterial, das im Winter vor Kälte schützt und im Sommer vor Wärme. Das erreicht man zum Beispiel durch Füllung mit Strohlehm oder Hanfbeton.
Abb. 8: Holzskelettbau (Quelle: Vermont Timber Works Inc./Wikimedia Commons)
"Energie" kommt aus dem Altgriechischen (ἐνέργεια / enérgeia) und setzt sich zusammen aus ἐν / en = "in" und ἔργον / érgon = "Arbeit". Energie ist das, was man braucht – was man hineinstecken muss –, um irgendetwas zu verändern: es zu erwärmen, zu verschieben, zu zerbrechen, aufzulösen usw.
Energie wird in Joules (J) gemessen. Ein Joule ist die Energie, die man braucht, um etwa einen kleinen Apfel bzw. eine Tafel Schokolade (100 g) einen Meter hoch zu heben. Das ist nicht viel. Unser Körper verbraucht zum Beispiel jeden Tag ungefähr 10 Millionen Joule (das entspricht ca. 2400 Kilokalorien). Wir entnehmen diese Energie unserer Nahrung, halten damit unsere Körpertemperatur auf ca. 37°C, bewegen uns, essen, trinken und verdauen, denken nach und so weiter und so fort.
Da das Joule eine relativ "kleine" Einheit ist, wird ihm oft eine andere, im täglichen Gebrauch praktischere, vorgezogen: die Kilowattstunde (kWh), die 3 600 000 J entspricht. Unser Körper verbraucht täglich ungefähr 3 kWh. Ein herkömmliches Haus mit 100 m2 Wohnfläche verbraucht in der gleichen Zeit ungefähr das Zehnfache.
Energie kann in verschiedenen Formen auftreten: als mechanische Energie, elektrische Energie, Kernenergie usw. Die Wärme – oder besser: die innere Energie – ist nur eine Erscheinungsform unter anderen. Man kann sie sich veranschaulichen mit dem Bild von den Teilchen (Atomen und Molekülen), aus denen zum Beispiel ein Körper oder die Umgebungsluft besteht: Je höher die Temperatur des Körpers/der Luft, desto stärker schwingen oder bewegen sich die Teilchen. Die Temperatur ist also ein Maß für die Teilchenbewegung, und umgekehrt.
Abb. 9: Die verschiedenen Arten der Wärmeübertragung
Als Wärme bezeichnet man die Übertragung von Energie von einem Körper zu einem anderen. Wärmeübertragung kann auf unterschiedliche Weise geschehen:
In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich angesichts der Erderwärmung und ihrer ökologischen, gesundheitlichen und sozialen Risiken ein Bewusstseinswandel angebahnt (siehe das Projekt "Das Klima, mein Planet und ich!"). Es wird heute kaum noch angezweifelt, dass diese Erwärmung hauptsächlich von uns Menschen verursacht wird und insbesondere auf unseren Verbrauch von fossilen Energieträgern (Erdöl, Kohle, Gas) zurückzuführen ist. Die Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen ist zu einem weltweiten Anliegen geworden. Zahlreiche Länder haben sich dazu verpflichtet, den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2050 zu verringern, und zwar in allen Bereichen: Transport und Verkehr, Bauen und Wohnen, Industrie, Energiewirtschaft, Landwirtschaft usw.
Zur Verringerung der Treibhausgasemissionen sind dreierlei Arten von Maßnahmen notwendig, von denen jede für sich genommen nicht ausreichen würde:
Der Wohnbereich hat einen großen Anteil am Ausstoß von Treibhausgasen. In Deutschland zum Beispiel machen Raumheizung, Warmwasser und Kochen + Elektrizität 28% des Energieverbrauchs privater Haushalte aus [10]. Besonders beunruhigend ist die Tatsache, dass im Wohnbereich – wie auch beim Transport und Verkehr – der Ausstoß an Treibhausgasen seit zwanzig Jahren stetig steigt, während er im industriellen und landwirtschaftlichen Sektor abnimmt.
Wie kommt es zu einer derartigen Zunahme, wo doch die Energievorschriften beim Hausbau immer strenger geworden sind? Dafür gibt es zahlreiche Gründe: Jedes Jahr kommen neue Wohnungen hinzu (siehe die wissenschaftliche Anmerkung der "Unterrichtsstunde 1 – Wie wohnt man im heutigen Europa?").
Auch der Anteil an neuen Ein- und Zweifamilienhäusern ist hoch. In Deutschland liegt der Anteil der Einfamilienhäuser am Gebäudebestand 2010 bei 63%, bei den Neubauten beträgt der Anteil dagegen 84% [11]. In Österreich, der Schweiz und Frankreich entspricht dagegen der Anteil der neugebauten Einfamilienhäuser ziemlich exakt dem Anteil der Einfamilienhäuser am Gebäudebestand, d. h. 35% in Österreich (Zahlen für 2010, keine Änderung in den letzten 20-30 Jahren), 69% in der Schweiz (bei den Neubauten: 64%, Zahlen für 2010) und 57% (2011) in Frankreich (bei den Neubauten 56% [2009]) [12].
Die Wohnungen werden im Allgemeinen mehr beheizt als früher; dabei herrscht oft in allen Räumen eine höhere Temperatur. Hinzu kommt, dass Haushalte immer mehr Elektrogeräte anschaffen, viele davon mit hohem Energieverbrauch (Küchengeräte, Klimaanlagen, Fernseher/Computer/Musikanlagen, ...).
Ob in Deutschland, Österreich oder der Schweiz – der größte Energiefresser bei den privaten Haushalten (ca. 70%) ist das Heizen der Wohnräume. Dabei kommt die verwendete Energie überwiegend aus fossilen Brennstoffen (Öl, Gas und Kohle), was wesentlich zum Ausstoß von Treibhausgasen beiträgt.
Abb. 10: Energieverbrauch der Haushalte in Deutschland (2007) [13]
Abb. 10b und 10c: Energieverbrauch der Haushalte in Österreich [14] und Energieverbrauch der Haushalte in der Schweiz [15]
Will man möglichst wenig heizen, sollte man in erster Linie möglichst viel Sonnenstrahlung einfangen. In unserem gemäßigten Klima (in der Nordhalbkugel) sind es im Winter die Südfassaden, die am meisten von der Sonne angestrahlt werden. Man wird daher die Südfassade so groß wie möglich konzipieren, die Nordfassade dagegen kleiner. In der Südfassade sollten viele Fensteröffnungen möglichst viel Sonnenstrahlung einfangen.
Bringt das wirklich was? Und ob! In Deutschland reicht die Sonneneinstrahlung von 1100 kWh/m2a im Norden und Westen bis zu 1400 kWh/m2a im Süden. In Österreich und der Schweiz reicht die Spanne von 1200 bis 2000 kWh/m2a [16].
Zum Vergleich: Der Energieverbrauch eines Niedrigenergiehauses, eines KfW-40-Hauses zum Beispiel, beträgt 40 kWh/m2a und der eines teilmodernisierten Mehrfamilienhauses im Mittel 220 kWh/m2a. Das heißt, dass sogar im Norden und Westen Deutschlands die von Dach und Südfassade eines Hauses empfangene Sonnenenergie bei Weitem größer ist als die zum Heizen benötigte Energie [17].
Abb. 11: Sonnenstand im Sommer und im Winter
In warmen Gegenden sollte man darauf achten, dass sich das Haus im Sommer nicht in einen Brutkasten verwandelt. Dazu kann man die Sonne einfach abschirmen, allerdings sollte dieser Sonnenschutz nur im Sommer wirksam sein. Realisierbar ist dies mit verschiedenen, sehr einfachen Maßnahmen, zum Beispiel:
Die Ausrichtung des Hauses gibt auch die Verteilung der Zimmer im Haus oder in der Wohnung vor: Das Wohnzimmer sollte vorzugsweise auf der Südseite des Hauses liegen, damit die Bewohner vom kostenlosen und lang anhaltenden Tageslicht profitieren, während Räume, in denen man sich tagsüber weniger lang aufhält – wie Vorratsraum, Bad und WC, reine Schlafräume, Garage, ... – auf der Nordseite untergebracht sind.
Abb. 12: Merkmale eines Niedrigenergiehauses (zum Vergrößern auf das Bild klicken; Quelle: ADEME)
Neben der Ausrichtung spielt auch die Gestaltung des Wohngebäudes eine wichtige Rolle. Bei gleichem Volumen sind die Wärmeverluste im Winter umso größer, je größer die Gebäudeoberfläche ist. Man sollte daher eine kompakte Bauweise vorziehen, vor allem in kalten Regionen [18]. Bei einer kompakten Bauweise spart man nicht nur Heizenergie, sondern auch Baumaterialien. Das ist natürlich auch von Vorteil, da viele Baumaterialien (wie Beton zum Beispiel) die Umwelt belasten.
Abbildung 13 zeigt verschiedene Anordnungen von acht Wohnungseinheiten. Alle Anordnungen haben das gleiche Volumen, aber Oberflächen, die sich in ihrer Größe bis um den Faktor drei unterscheiden. Bei gleichem umbauten Raum ist ein Mehrfamilienhaus sehr viel sparsamer im Energieverbrauch als die entsprechende Anzahl von Eigenheimen.
Abb. 13: Verhältnis von Fläche und Volumen
Wärmedämmung ist das A und O bei der Renovierung alter Gebäude. Für Neubauten ist sie gesetzlich vorgeschrieben. Zweck ist es, den Wärmeaustausch durch Wärmeleitung so gering wie möglich zu halten. Das Gebäude wird mit einem Material, das nicht oder nur schlecht Wärme leitet, umhüllt. So werden im Winter Wärmeverluste nach draußen und im Sommer das Eindringen der Hitze verhindert.
Abb. 14: Wärmeverluste in einem schlecht wärmegedämmten Haus
Ein nicht wärmegedämmtes Haus "verliert" Energie: durch das Dach (30%), durch die Mauern (25%), durch Belüftung (20%), durch die Fenster (13%), durch den Boden (7%). Sogenannte Wärmebrücken (5% der Verluste) entstehen dort, wo die Wärmedämmung fehlt, zum Beispiel beim Übergang von der Wand zum Boden. Wegen solcher Wärmebrücken, die einen erhöhten Energieverbrauch nach sich ziehen, ist es oft vorteilhafter, die Dämmung außen anzubringen. Das hat den zusätzlichen Vorteil, dass die Mauern im Winter die Heizenergie speichern und im Sommer die kühlere Innentemperatur halten. Durch die temperierten Wände ist auch das Wohngefühl angenehmer. Ein weiterer Grund, die Dämmung außen anzubringen, ist, dass sich bei einer Innendämmung der Taupunkt ins Mauerwerk verlagert und man dadurch mit feuchten Wänden zu kämpfen hat (siehe Abb. 15). Der Taupunkt entspricht der Temperatur, bei der die relative Luftfeuchtigkeit 100% erreicht. Wird diese Temperatur unterschritten, fängt der Wasserdampf in der Luft an zu kondensieren.
Abb. 15: Wände sollten von außen gedämmt sein.
Die Wahl des Dämmstoffes hängt von mehreren Faktoren ab: von der Klimazone, vom Baumaterial (manche Baumaterialien haben selbst schon gute Dämmeigenschaften), von dem zu dämmenden Gebäudeteil (Dachgeschoss, Mauern, Böden, ...).
Ein guter Dämmstoff sollte:
Die folgende Tabelle zeigt, dass die im Wohnungsbau am häufigsten verwendeten Dämmstoffe (Mineralwolle und Styropor) eine niedrige Wärmespeicherfähigkeit haben und daher im Sommer nicht zwischen Tages- und Nachttemperatur ausgleichend wirken können. Allerdings gelangt der größte Teil der Wärme eh durch die Fenster ins Haus; wie viel, hängt von der Fläche, der Neigung und der Orientierung der Fenster ab. Ein guter Sonnenschutz (Jalousien/Markisen bzw. Verschattung) und nächtliches Lüften können Abhilfe schaffen.
|
Wärmeleit- fähigkeit W / (m K) |
Spezifische Wärmekapazität J / (kg K) |
Rohdichte kg / m3 |
Wärmespeicher- fähigkeit kJ / (m3 K) |
|
|---|---|---|---|---|
| Holzfaserplatte | 0,041 | 2100 | 160 | 336 |
| Expandierter Kork | 0,045-0,060 | 1700-2100 | 100-220 | 170-460 |
| Cellulose (aus Altpapier) | 0,040-0,045 | 2000 | 30-60 | 60-120 |
| Hanffasern | 0,040 | 1600 | 30-42 | 48-67 |
| Schafwolle | 0,040 | 1720 | 16-70 | 28-120 |
| Styropor | 0,035-0,040 | 1500 | 10-30 | 14-45 |
|
Mineralwolle (Glas- und Steinwolle) |
0,035-0,040 | 840 | 15-70 | 13-60 |
Tabelle 1: Thermische Eigenschaften verschiedener Dämmstoffe. Ein guter Dämmstoff zeichnet sich dadurch aus, dass seine Wärmeleitfähigkeit möglichst klein und seine Wärmespeicherfähigkeit (= Produkt aus spezifischer Wärmekapazität und Rohdichte) möglichst groß ist [19].
Das Dach hat zwar in der Regel eine kleinere Fläche als die Mauern, sollte aber besonders gut gedämmt werden. Im Winter geht durch das Dach viel Energie "verloren": durch Wärmeleitung und durch Konvektion (warme Luft steigt nach oben). Man kann die Wärmedämmung des Daches durch Begrünung ergänzen, wie sie in den skandinavischen Ländern häufig zu finden ist. Damit erreicht man außer einer hervorragenden Wärmedämmung im Winter wie im Sommer auch noch viel mehr: bessere Abdichtung, Erhalt der biologischen Vielfalt, Schallabsorption (in Städten), Luftverbesserung, Aufnahme und Filterung von Regenwasser, ...
Es nützt allerdings gar nichts, wenn man nur die Mauern und das Dach dämmt und sich nicht um die Fenster kümmert. Doppelglasfenster (Wärmedämmverglasung) bestehen aus zwei Glasscheiben, die durch einen schmalen Zwischenraum getrennt sind. Der Spalt ist bei guten Doppelglasfenstern meist mit einem Edelgas wie Argon oder Krypton gefüllt. Deren Wärmeleitfähigkeit ist noch deutlich kleiner als die von Luft, was es zum Beispiel erlaubt, den Spalt zwischen den Glasscheiben kleiner zu halten. Wenn der Spalt zu groß wird, kann durch Konvektion im Füllgas Wärme übertragen werden, was ganz und gar nicht erwünscht ist. Heutzutage werden auch Fenster mit Dreifachverglasung eingesetzt, die natürlich noch besser dämmen. Allerdings ist die Energieeinsparung beim Übergang von Zweifach- zu Dreifachverglasung nur gering und lohnt sich nur, wenn das Haus ansonsten perfekt gedämmt ist (siehe [20] und den Abschnitt über Passivhäuser).
Abb. 16: Holzhäuser mit Grasdach in Norwegen (Foto und ©: Clément Olinger)
Wir haben gesehen, dass sich Wärme durch Konvektion verbreiten kann, das heißt durch Luftbewegungen im Haus. Die warme Luft entweicht oben aus dem Gebäude und kältere Luft strömt (von unten und den Seiten) nach. Solche Lufterneuerung im Inneren ist mit einem hohen Energieverbrauch verbunden. Andererseits ist Lufterneuerung für ein gesundes Wohnen unverzichtbar. Die Bewohner atmen Kohlendioxid (CO2) aus, das in zu hoher Konzentration gesundheitsschädlich ist [21]. Feuer (Öfen, Kamine, ...) erzeugen ebenfalls CO2 und, wenn die Luftzufuhr unzureichend ist, sogar Kohlenmonoxid (CO), das noch gefährlicher ist. Die Innenluft muss auch aus anderen Gründen erneuert werden (Gerüche aus Küche und Bad/WC). Hinzu kommen eventuell noch toxische Ausdünstungen von Lösungsmitteln, Farben und Klebern, die man auf Mauerwerk und/oder Holz aufgebracht hat. Auch der Wasserdampf – aus der Atmung, vom Kochen oder vom Wäschetrocknen – muss durch Lüften nach draußen befördert werden, da er sich im Haus niederschlagen und Schimmelbildung begünstigen kann.
Es ist durchaus möglich, den Wohnbereich wirksam zu belüften, ohne die mühsam mittels Wärmedämmung erreichte Energieeinsparung wieder zu "verlieren". Und zwar durch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (z. B. Gegenstrom- oder Kreuzstromwärmetauscher): Die eintretende und die austretende Luft strömen durch einen Wärmetauscher, ohne sich dabei zu vermischen. Im Winter wärmt die ausströmende Luft die einströmende Luft, im Sommer kühlt sie sie ab. Auf diese Weise wird der Energieaufwand sowohl für Heizung (im Winter) als auch für Klimatisierung (im Sommer) stark reduziert.
Abb. 17: Lüftungsanlage eines Hauses
Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung ist sehr wirksam, es geht aber noch besser, und zwar indem man eine solche Anlage mit einem Luftbrunnen verbindet [22]. Das Prinzip ist einfach: Je tiefer man in den Erdboden eindringt, desto gleichbleibender wird die Temperatur im Tages- und Jahreszyklus. In etwa zwei Meter Tiefe verschwindet die tägliche Temperaturschwankung so gut wie vollständig, und zwischen Sommer und Winter ist sie nur noch etwa halb so groß wie an der Oberfläche (siehe den Jahresgang der Bodentemperatur der Säkularstation Potsdam Telegraphenberg [23]).
Wenn man also die Frischluftzuleitung durch die Erde verlegt, kann der Erdboden die Luft schon etwas vorwärmen bzw. im Sommer etwas vorkühlen: Im Winter kommt auf diese Weise die Luft sehr viel weniger kalt im Gebäude an, und im Sommer sehr viel kühler. Verbindet man Luftbrunnen und Wärmetauscher, so erreicht man beachtenswerte Energiebilanzen: Mehr als 95% der Energie wird zurückgewonnen. Bei einer guten Dämmung kommt man unter Umständen (bei optimaler Nutzung der Sonnenstrahlung) fast ganz ohne Heizung und Klimatisierung aus!
Mit einer geschickten Ausrichtung des Gebäudes, einer kompakten Bauform, guter Dämmung und einer leistungsfähigen Belüftungsanlage kann man – wie wir gesehen haben – viel Energie einsparen.
Es bleiben aber noch Bereiche im Haus übrig, für die Energie benötigt wird: Man braucht zum Beispiel warmes Wasser, und Elektrizität für Beleuchtung, elektrische Haushaltsgeräte und die ganzen Geräte der Informations- und Kommunikationstechnologie (I&K) wie Musikanlage, Fernseher, Telefon, Computer usw. Hier können erneuerbare Energien eingesetzt werden.
Man sollte jedoch von vornherein im Kopf behalten, dass erneuerbare Energien nur dann sinnvoll eingesetzt sind, wenn zuvor alle weiter oben erwähnten Maßnahmen zur Energieeinsparung im Gebäude verwirklicht wurden.
Was liegt näher, als Energie von der Sonne zu gewinnen? Geht man für Mitteleuropa von einer mittleren Sonnenenergieeinstrahlung von ca. 1000 kWh/m2 aus, so "scheint" auf Deutschland jährlich ungefähr 90 Mal mehr Energie als das Land verbraucht [24]. Für Österreich liegt dieser Faktor bei ca. 250 und für die Schweiz bei ca. 160 [25]. Die Sonne ist also eine sehr ergiebige, unerschöpfliche und kostenlose Energiequelle. Sie lässt sich auf viele Arten anzapfen. Uns interessieren hier jedoch nur die Warmwasserbereitung und die Erzeugung von Strom zu Beleuchtungszwecken und zum Betreiben von Elektrogeräten aller Art.
Abb. 18: Mit Sonnenenergie warmes Wasser bereitstellen
Um Warmwasser herzustellen, setzt man am besten Sonnenkollektoren ein. Sonnenkollektoren sind relativ einfach, robust, betriebssicher ... und rentabel. Sie bestehen aus einer dunklen Fläche, die einen großen Teil der einfallenden Sonnenstrahlung absorbiert und in innere Energie umwandelt. Diese Energie wird anschließend in einem geschlossenen Kreislauf von einer Wärmeträgerflüssigkeit (in der Regel Wasser mit Frostschutzmittel) zum Warmwasserspeicher im Haus transportiert. Dort wird sie über einen Wärmetauscher an das Wasser im Wasserspeicher abgegeben. Die beiden Leitungssysteme sind völlig unabhängig voneinander: Das Wasser, das später zum Duschen oder Geschirrspülen verwendet wird, kommt nicht mit der Wärmeträgerflüssigkeit in Berührung. Zur Überbrückung von Zeiten mit geringer Sonneneinstrahlung werden Sonnenkollektoren oft mit einer elektrischen oder Gas-Zusatzheizung kombiniert.
Der Wirkungsgrad von Sonnenkollektoren hängt von ihrer Ausrichtung und Größe ab. Mit 1 bis 1,5 m2 Kollektorfläche pro Person kann man im Sommer den gesamten Warmwasserbedarf abdecken und übers Jahr gerechnet bis zu 60% Energie einsparen [26].
Solarmodule bestehen aus Solarzellen, die Sonnenlicht in elektrische Energie umwandeln. Elektrisch miteinander verbundene Module bilden eine Photovoltaikanlage. Zurzeit liegt der Wirkungsgrad von Solarzellen aus monokristallinem Silizium bei 15 bis 20%. Der Preis von elektrischem Strom aus Photovoltaikanlagen liegt zurzeit noch deutlich über dem Preis von Strom aus fossilen Quellen bzw. Kernenergie [27]. Laut "Special Report on Renewable Energies and Climate Change Mitigation" (SRREN, = Sonderbericht "Erneuerbare Energien und die Minderung des Klimawandels") des IPCC vom Mai 2011 [28] lag der Preis für elektrischen Strom aus nicht erneuerbaren Energiequellen 2005 bei ca. 2,5-10 USct2005/kWh und für elektrischen Strom aus Photovoltaikanlagen bei 12-85 USct2005/kWh [29].
In Deutschland lag der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch 2011 bei 20,5% – davon 3,2% aus Photovoltaikanlagen [30]. In Österreich wurden 57,4% des Bruttostroms 2011 mit Wasserkraft erzeugt, 3% mit anderen erneuerbaren Energien (der Anteil der Photovoltaik lag bei 0,1%) [31]. In der Schweiz lag der Anteil der erneuerbaren Energien an der Netto-Elektrizitätsproduktion 2011 bei 54,5% (davon allein 51,9% Wasserkraft; von den 2,6% anderen erneuerbaren Energien entfielen 0,25% auf Photovoltaik) [32].
Abb. 19: Solarmodule auf einem Hausdach (Foto: privat, © Sonnentaler)
Die Erde ist eine praktisch unerschöpfliche Energiequelle. Schon in den ersten Metern unter der Erdoberfläche ist es im Winter wärmer und im Sommer kühler als an der Luft. Mit zunehmender Tiefe steigt die Temperatur im Erdboden an und erreicht im Erdkern über 5000°C. In den ersten Metern, wo die Temperatur des Bodens noch von der Temperatur an der Erdoberfläche beeinflusst wird, ist es im Winter wärmer und im Sommer kälter als an der Oberfläche [23].
Für das Heizen und Kühlen eines Hauses sowie die Warmwasserbereitung nutzt man vor allem diese oberflächennahe Temperaturdifferenz, die in den ersten Metern in Mitteleuropa bis zu 10°C beträgt. Hier kommt die "Wärme" also nicht aus den Tiefen der Erdrinde, sondern von der Sonne. Daher spricht man manchmal auch von geosolarer Energie.
Je nach Gelände wird die Energie des Erdbodens mittels vertikal verlegter "Erdsonden" entnommen (dazu werden typischerweise 50 bis 300 Meter tiefe Löcher in den Boden gebohrt), oder mittels eines horizontal und oberflächennah verlegten Rohrsystems (diese "Erdwärmekollektoren" sind "nur" ca. 1 bis 1,5 Meter tief im Erdboden eingegraben, siehe Abb. 20). In den Rohren fließt in der Regel Sole (eine Wasser-Salz-Mischung), die die Wärme des Erdreichs aufnimmt und diese wiederum an eine an das Rohrsystem angeschlossene Wärmepumpe weitergibt – die Sole selbst kühlt dabei wieder ab.
An Stelle des Erdbodens können auch Wasser (aus einem See zum Beispiel, oder Grundwasser) oder die Außenluft als Wärmereservoir dienen. Mit einer Wärmepumpe spart man Heizenergie, weil die Energie des "angezapften" Wärmereservoirs unerschöpflich ist. Daher zählt Geothermie auch zu den regenerativen Energiequellen. Die Wärmepumpe, die wie ein umgekehrter Kühlschrank funktioniert, nutzt diese Wärme, um zum Beispiel das Heizungswasser oder das Warmwasser zu heizen (zum Funktionsprinzip einer Wärmepumpe siehe zum Beispiel [33]. Im Endeffekt wird mit Hilfe von 10°C warmer Sole (typische Bodentemperatur ab 6 Meter Tiefe [23]) und einer mit Strom betriebenen Wärmepumpe Wasser auf 50-60°C geheizt.
Abb. 20: Verlegung von Erdwärmekollektoren (Foto und © Kaeltro Scholz KG)
Auch aus organischem Material kann man Energie gewinnen. Entweder direkt, zum Beispiel durch Verbrennen von Holz, oder indirekt, indem man aus der Gärung von organischen Abfällen Biogas erzeugt, das dann verbrannt werden kann. Im Allgemeinen kann man die aus Holz gewonnene Energie als erneuerbar bezeichnen, da der Holzvorrat eines Waldes sich in etwa einem Jahrhundert erneuert, während bei Erdöl die Erneuerung mehrere Millionen Jahre dauert. Außerdem ist sie CO2-neutral, da das bei der Verbrennung entstehende CO2 genau der Menge entspricht, die bei der Photosynthese absorbiert wurde. Aber das gilt natürlich nur, so lange für jeden gefällten Baum auch ein neuer gepflanzt wird.
Abb. 21: Biomasse: Strohräder und Holzhackschnitzel (Strohräder: Walter J. Pilsak, Wikimedia Commons, Holzhackschnitzel: Florian Gerlach, Wikimedia Commons)
In Anbetracht des Preisanstiegs bei fossilen Brennstoffen ist das seit Urzeiten bekannte Heizen (und Kochen) mit Holz wieder im Kommen. Das liegt unter anderem auch daran, dass neue Verfahren entwickelt wurden: Durch Verbrennen von Holzhackschnitzeln und Holzpelletts erreicht man inzwischen nicht nur einen höheren Wirkungsgrad, es ist auch viel bequemer – der Kessel kann automatisch befeuert werden, man braucht keine Holzscheite mehr nachzulegen. Gleichzeitig verwertet man auf diese Weise die Abfälle der Holzindustrie und kommt so zu einer sehr guten Ökobilanz. Obendrein ist Holz der billigste Brennstoff: Die Kilowattstunde kostet ca. 3,5 Cent (Buchenholz). Nimmt man Heizöl, kostet die Kilowattstunde ca. 5,6 Cent, bei Erdgas sind es ca. 6,0 Cent und bei elektrischer Heizung ca. 24 Cent pro Kilowattstunde [34].
| Offener Kamin | Ofen mit geschlossener Brennkammer | Ofen: Verbrennung von Brennholz | Ofen oder Heizkessel: Verbrennung von Holzpellets | Heizkessel: Verbrennung von Hackschnitzeln |
|---|---|---|---|---|
| < 10 % | > 70 % | ∼ 70 % | ∼ 90 % | ∼ 85 % |
Tabelle 2: Die verschiedenen Wirkungsgrade von Holzheizungen
Während in Österreich und der Schweiz Wasserkraft der wichtigste erneuerbarer Energieträger ist, spielt in Deutschland die Windenergie die größte Rolle. Mit einer gesamten Windenergiekapazität von ca. 29 000 MW [35] war Deutschland 2011 nach China und den USA, der drittgrößte Windenergieproduzent der Welt, gefolgt von Spanien und Indien [36].
In einer Windenergieanlage wird die kinetische Energie des Windes in Rotationsenergie des Rotors umgewandelt. Diese wiederum wird über ein Getriebe an einen Generator übertragen, der sie in elektrische Energie umwandelt. Die meisten 2011 neu installierten Windräder haben einen Rotordurchmesser von 60-90 Meter und ihre durchschnittliche Leistung liegt bei ca. 2,2 MW [37].
Der Nachteil der Windenergie: Wenn kein Wind weht, drehen sich die Rotorblätter nicht und es kann keine elektrische Energie erzeugt werden. Windenergieanlagen findet man deshalb auch bevorzugt in Gegenden mit hohem Windaufkommen, wie zum Beispiel an der Nordseeküste Deutschlands. Aber nicht nur Schleswig-Holstein (wo der Anteil der Windenergie am Nettostromverbrauch 45% beträgt), auch Niedersachsen (24%), Brandenburg (46%) und Sachsen-Anhalt (47%) sind große Windenergieproduzenten [38]. (In Niedersachsen beträgt der Anteil am Nettostromverbrauch zwar "nur" 24%, dafür ist dort die gesamte installierte Leistung am größten – insgesamt fast 7000 MW.)
Abb. 22: Windpark in Niedersachsen (Foto: Philip May, Wikimedia Commons)
In Deutschland gibt es fast 22 000 Windenergieanlagen – davon 55 Offshore-Windenergieanlagen [35] –, die im ersten Halbjahr 2011 7,5% des Strombedarfs abdeckten. Damit liegt die Windenergie bei der Erzeugung von elektrischer Energie vor den anderen erneuerbaren Energien wie Biomasse (5,6%), Photovoltaik (3,5%) und Wasserkraft (3,3%) [39]. Windenergie, Photovoltaik und Wasserkraft sind jedoch alle drei sehr vom Wetter und der Witterung abhängig, ihr Anteil an der Stromerzeugung hängt nicht allein von der Anzahl der Anlagen ab.
Für die Zukunft ist geplant, dass bis zum Jahr 2025 der Anteil der Windenergie an der Stromproduktion auf 25% steigt. 2010 nahm alpha ventus, der erste deutsche Offshore-Windenergiepark, seinen Betrieb auf: Die 12 Windenergieanlagen decken den Strombedarf von 50 000 Haushalten [40].
Ein Passivhaus ist ein Haus, das (nahezu) keine Energiekosten verursacht, das heißt (fast) genauso viel Energie produziert, wie es verbraucht. Um als Passivhaus zu gelten, darf der Heizwärmebedarf höchstens 15 kWh/m2a betragen [41]. Ist der Energiebedarf etwas höher, spricht man von Niedrigenergiehäusern, deren Primärenergiebedarf (also nicht nur der Heizwärmebedarf) zwischen 40 und 79 kWh/m2a liegt. Bei einem KfW-40-Haus zum Beispiel wird ein Primärenergieverbrauch von 40 kWh/m2a nicht überschritten [42].
Ein Passivhaus ist in der Regel nach Süden ausgerichtet, kompakt gebaut und sehr gut gedämmt. Zum Heizen der Räume wird zum einen die Sonnenergie genutzt, die durch die Fensterfronten ins Haus gelangt, und zum anderen zum Beispiel ein Luftbrunnen kombiniert mit einem Wärmetauscher (siehe den Abschnitt über Belüftung). Weiterhin können Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitung und/oder Solarmodule zur Stromerzeugung installiert sein.
Die Ökobilanz von Passivhäusern ist natürlich sehr gut, sie tragen kaum zum Ausstoß von Treibhausgasen bei. Außerdem ist das Wohnen in einem Passivhaus sehr angenehm (konstante Raumtemperatur, Einsatz von Filtern für eine bessere Raumluftqualität). Ein Passivhaus kostet beim Bau mehr (ca. 15%), die Mehrkosten werden jedoch nach 10-20 Jahren (vor allen Dingen auch im Hinblick auf steigende Öl- und Gaspreise) durch die Energieeinsparung und/oder die Einspeisung von Strom aus Eigenproduktion ins öffentliche Stromversorgungsnetz wieder wettgemacht. Es gibt auch immer wieder wechselnde (meistens regionale) Förderprogramme für Photovoltaikanlagen, Wärmedämmung aus nachwachsenden Rohstoffen usw.
Die nachfolgenden Fotos zeigen Aufnahmen mit einer Wärmebildkamera: oben das "Effizienzhaus Plus" in der Fasanenstraße in Berlin (das Haus ist auf den Seiten des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Detail beschrieben), und unten ein konventionelles Gebäude, bei dem ein Fenster auf Kipp steht.
Abb. 23: Wärmebild des Plusenergiehauses in der Fasanenstraße in Berlin.
Wärmebild und "normales" Foto im Vergleich
(Fotos und © Helmuth Grötzebauch).
Abb. 24: Wärmebild eines konventionellen Hauses; man beachte das offene Fenster.
Wärmebild und "normales" Foto im Vergleich
(Fotos und © Helmuth Grötzebauch).
Das Plusenergiehaus ist deutlich besser gedämmt. Das rosafarbene Viereck links rührt von einem Bildschirm mit Informationen über das Plusenergiehaus her (rechts der kleine Strich ist ein weiterer Bildschirm). Oben am Vordach entwickeln die LED's etwas Wärme. Die beiden Türrahmen (Eingangstür zum Haus und Tür zum Technikraum) sind etwas wärmer, da sie ab und zu geöffnet werden.
Wer seinen Strom aus erneuerbaren Energien selbst erzeugen möchte, zum Beispiel durch die Installation von Solarmodulen auf dem eigenen Dach (Abb. 19), bekommt von staatlicher Seite finanzielle Unterstützung. Die Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist in vielen Ländern inzwischen gesetzlich geregelt.
In Deutschland gilt das "Gesetz für den Vorrang erneuerbarer Energien" (kurz: Erneuerbare-Energien-Gesetz, EEG). Es löste im Jahr 2000 das "Gesetz über die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien in das öffentliche Netz" (Stromeinspeisungsgesetz) von 1991 ab. Zweck des Gesetzes ist es, "insbesondere im Interesse des Klima- und Umweltschutzes eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung zu ermöglichen, die volkswirtschaftlichen Kosten der Energieversorgung [...] zu verringern, fossile Energieressourcen zu schonen und die Weiterentwicklung von Technologien zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien zu fördern." [43].
Das Gesetz verpflichtet Netzbetreiber, Strom aus erneuerbaren Energien vorrangig in ihr Netz einzuspeisen und garantiert den Stromerzeugern für 20 Jahre eine festgelegte Vergütung ihres eingespeisten Stroms. Die Höhe der Vergütung hängt von der verwendeten Technologie, der Größe und vor allem dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme der Anlage ab. Die Einspeisevergütung wird allerdings seit einigen Jahren immer weiter abgesenkt; wer also erst in zwei Jahren eine Anlage in Betrieb nimmt, bekommt 20 Jahre lang weniger für seine Kilowattstunden als jemand, der gleich heute "ans Netz" geht [44].
Laut EEG soll der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung im Jahr 2020 mindestens 35% betragen, 2050 sogar 80%. Parallel soll der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Bruttoendenergieverbrauch bis 2020 auf mindestens 18% erhöht werden [43].
Diese Förderung erneuerbarer Energien wird u. a. über die EEG-Umlage finanziert, die jeder Verbraucher über den Strompreis bezahlt. Die EEG-Umlage beträgt 2012 3,6 Cent pro Kilowattstunde, 2013 wird sie 5,3 cent pro Kilowattstunde betragen [45].
Österreich fördert seit 2002 mit dem Ökostromgesetz (ÖSVO) die Produktion von Elektrizität aus erneuerbaren Energien. 2009 wurden von den geförderten Ökostrommengen 49% aus Biomasse erzeugt, 37% aus Windkraft, 13% aus Kleinwasserkraft und 1% aus Photovoltaik, Geothermie, Deponie- und Klärgas [46]. In der Ökostromverordnung werden die Vergütungstarife für eingespeisten Ökostrom festgesetzt. Die Vergütung wird für 13 Jahre (Photovoltaik, Windkraft, Geothermie, Deponie- und Klärgas ) bzw. für 15 Jahre (Biomasse, Biogas) garantiert und durch die Ökostromabwicklungsstelle (OeMAG) abgewickelt [47].
In der Schweiz gilt seit 1998 das Energiegesetz [48], das seit dem 1.1.2009 eine kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) für Elektrizität aus erneuerbaren Energien vorsieht. Erstattet wird Strom aus Wasserkraft bis 10 MW, Photovoltaik, Windenergie, Geothermie und Biomasse. Zur Finanzierung der KEV zahlen die Verbraucher für jede Kilowattstunde einen Zuschlag. Dieser Zuschlag beträgt zurzeit 0,45 Rp. pro KWh, kann sich jedoch ab 2013 auf bis zu 0,9 Rp. pro KWh erhöhen. Seit Oktober 2010 müssen Elektrizitätsunternehmen zudem die Herkunft des Stroms kennzeichnen, so dass für die Verbraucher transparent wird, aus welchem Energiemix sich ihr Strom zusammensetzt.
Wasser ist zweifellos das Element mit der größten Symbolik. Mal zerstörerisch (Sintflut), mal reinigend (Taufe bei den Christen, Waschungen bei Juden und Moslems, rituelle Bäder bei den Hindu), schreibt man ihm auch Heilkräfte zu (Thermen) oder gar Wunder (Lourdes). Diese Vorstellungswelt hat sich um eine besondere Erscheinungsform von Wasser entwickelt: um das Wasser im flüssigen Zustand. Im Alltag verbindet man Wasser immer mit diesem Zustand (mit allen Wassern gewaschen sein, jemandem läuft das Wasser im Mund zusammen, sich ins kalte Wasser stürzen, ...). Selbst im Schriftzeichen ist diese Verbindung da: Das chinesische Wort für Wasser – "shui", rechts in Abb. 25 – hat seinen Ursprung in einem alten Zeichen (links), das einen Wasserfall darstellt, der von Spritzern umrahmt ist. Dabei kann Wasser genauso gut im festen Zustand vorkommen wie Eisen, oder im gasförmigen wie Sauerstoff. Andererseits kommen Eisen und Sauerstoff auch im flüssigen Zustand vor. Der jeweilige Zustand hängt nur von den Temperatur- und Druckbedingungen ab.
Abb. 25: Wasser auf Chinesisch
Wasser ist in vieler Hinsicht kein gewöhnlicher chemischer Stoff:
Wasser kommt im Weltall eher selten vor [49]. Man findet es dennoch sowohl in fester Form als auch in gasförmiger Form in interstellaren Nebeln, kalten Sternen, Planeten und Kometen. Die Erde ist jedoch der einzige bekannte Himmelskörper, auf dem es flüssiges Wasser gibt. Die Erde wird auch "Blauer Planet" genannt, da 71% ihrer Oberfläche von Wasser bedeckt ist. Der größte Teil der enormen Wassermenge [50] findet sich in den Meeren. Süßwasser stellt nur 2,5% der Gesamtmenge dar – und liegt obendrein größtenteils als Eis vor (siehe die Unterrichtsstunde "Wasser auf der Erde"). Im Endeffekt beläuft sich die der Menschheit unmittelbar zugängliche (Trink-) Wassermenge auf weniger als 1%. Das würde zwar bei Weitem ausreichen, wenn die Wasservorräte gerecht verteilt wären, was aber leider überhaupt nicht der Fall ist, wie wir im Folgenden sehen werden.
Abb. 26: Die verschiedenen Wasservorkommen auf der Erde
Eis hat eine geringere Dichte als flüssiges Wasser. Im Allgemeinen ist ein Stoff im festen Zustand dichter als im flüssigen. Wasser ist eine Ausnahme, deshalb schwimmen zum Beispiel Eisberge auf dem Meer ... und zerbersten wassergefüllte Flaschen im Tiefkühlfach (siehe die Unterrichtseinheit "Eine merkwürdige Flüssigkeit – Anomalie des Wassers").
"90% unserer Krankheiten trinken wir", sagte Pasteur. Wasser ist zum Überleben unerlässlich, fehlendes Wasser bzw. Wasser schlechter Qualität ist dagegen die Haupttodesursache auf unserem Planeten. Im Jahr 2010 hatten weltweit 783 Millionen Menschen (11% der Weltbevölkerung) keinen Zugang zu Trinkwasser [51] und 1,1 Milliarden Menschen hatten keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen [52]. Kinder sind besonders betroffen: Ungefähr 4500 Kinder sterben jeden Tag, weil sie keinen Zugang zu Trinkwasser haben [53].
Während sich die gesamten erneuerbaren Wasservorräte weltweit auf 43 659 km3 pro Jahr belaufen, beträgt die gesamte Wasserentnahme 3829 km3 pro Jahr [54]. Der Zugang zum Süßwasser ist jedoch nicht gerecht verteilt. Und diese Ungleichverteilung wird im 21. Jahrhundert nicht kleiner werden, ganz im Gegenteil: Der zu erwartende Bevölkerungszuwachs wird im Wesentlichen in Gegenden stattfinden, die schon jetzt an Wassermangel leiden, und die Erderwärmung, die den Wasserkreislauf verändert, wird die Gegensätze noch verschärfen: Die Trockenregionen werden noch trockener und die feuchten Regionen noch feuchter. Darüber hinaus wird die Erderwärmung in den nächsten Jahrzehnten eine Verknappung des Trinkwassers in stark bevölkerten Gegenden zur Folge haben, weil einerseits durch den Anstieg des Meeresspiegels Trinkwasserreserven versalzen und andererseits innerkontinentale Gletscher abschmelzen. Außerdem zieht die Gletscherschmelze, auch wenn sie nur partiell ist, auf längere Sicht eine geringere Wassermenge in manchen großen Flüssen nach sich. Besonders in Asien sind davon Millionen von Menschen betroffen.
So könnte Süßwasser zur ebenso begehrten Ressource werden, wie es das Erdöl im 20. Jahrhundert war.
Wofür das Wasser verwendet wird, hängt sehr vom Industrialisierungsniveau der Länder ab. Im Norden verbraucht die Industrie den größten Anteil, im Süden ist es die Landwirtschaft.
Abb. 27: Entwicklung der verschiedenen Arten des Wasserverbrauchs in Afrika und Europa
Die Industrie braucht große Mengen Wasser, sei es zur Kühlung in Kraftwerken oder für die Umwandlung und Herstellung von Produkten: Chemie, Textilien, Papierindustrie, Metallurgie usw. Zum Beispiel braucht man zur Herstellung von 1 kg Papier ca. 34 Liter Wasser (die Menge kann je nach Papiersorte stark variieren); für die Wiederaufbereitung zu 1 kg Altpapier braucht man dagegen nur ca. 100 ml. Für die Produktion von 1 kg Stahl benötigt man 20-90 Liter Wasser und für 1 kg Zement 3-4 Liter [55].
Gegenwärtig verbraucht die Landwirtschaft 70% des insgesamt auf der Welt verbrauchten Wassers, zum größten Teil für Bewässerung; 20% verbraucht die Industrie und 10% die Haushalte [54]. Beim Wasserverbrauch beträgt in vielen Ländern der Anteil der Landwirtschaft sogar über 90% [56].
Abb. 28: Kreisbewässerung in den USA (Quelle: Sam Beebe, Wikimedia Commons)
Die Landwirtschaft ist gleichzeitig der größte Wasserverschwender, denn das meiste Wasser geht durch Verdunstung verloren, bevor es den Pflanzen zu Gute kommt. Effiziente Verfahren, wie Tröpfchenbewässerung (siehe Abb. 29), setzen sich nur zögerlich durch – selbst in den entwickelten Ländern.
Abb. 29: Funktionsweise der Tröpfchenbewässerung (Quelle: Wikimedia Commons)
Laut aquastat/FAO wurden der Natur 2007 in Deutschland ca. 32 Milliarden Kubikkilometer Frischwasser entnommen. Davon verbrauchten die Industrie 83,9%, die Haushalte 15,9% und die Landwirtschaft 0,25%. In Österreich wurden 3,7 Milliarden Kubikkilometer Frischwasser entnommen (2000): 79,0% Industrie, 18,3% Haushalte, 2,7% Landwirtschaft; in der Schweiz 2,6 Milliarden Kubikkilometer (2000): 57,5% Industrie, 40,6% Haushalte, 1,9% Landwirtschaft; und in Frankreich 31,6 Milliarden Kubikkilometer (2007): 69,3% Industrie, 18,3% Haushalte, 12,4% Landwirtschaft.
Abb. 30: Wasserverbrauch nach Sektoren in Deutschland [57]
Abb. 30b und 30c: Wasserverbrauch nach Sektoren in Österreich und Wasserverbrauch nach Sektoren in der Schweiz [57]
Während das Trinkwasser überwiegend aus Grundwasser und Quellwasser gewonnen wird, stammt das von der Industrie genutzte Frischwasser zu 90% aus Flüssen, Seen und Talsperren. In Deutschland zum Beispiel werden ca. 19 Milliarden Kubikkilometer (70%) des von der Industrie genutzten Wassers von den Energieversorgungsbetrieben als Kühlwasser eingesetzt [58]. Dieses Wasser geht jedoch nach Gebrauch wieder in den natürlichen Wasserkreislauf zurück.
Die Landwirtschaft verbraucht in Deutschland, Österreich und der Schweiz zwar nur relativ wenig Wasser, trägt dafür aber – durch die Stickstoffdüngung und den Einsatz von Pestiziden – viel zur Verschmutzung von Grundwasser, Flüssen und Seen bei.
Trinkwasser muss je nach Herkunft mit unterschiedlich aufwendigen Verfahren aufbereitet werden.
Berlins Trinkwasser wird praktisch ausschließlich aus Grundwasser gewonnen. Die für die Wasserversorgung von Berlin und das angrenzende Umland verantwortlichen Berliner Wasserbetriebe fördern mit Hilfe von etwa 800 Tiefbrunnen im Mittel 550 000 m3 pro Tag zu den insgesamt neun Wasserwerken. Das aus 30 bis 170 m Tiefe geförderte Wasser ist von sehr guter Qualität und muss nicht mit Chlor, Ozon oder UV-Licht behandelt werden. Zur Abwasserreinigung dienen sechs Klärwerke und 9606 km Abwasserkanäle [59].
Das Trinkwasser für Wien stammt zu 95% aus Quellwasser aus den niederösterreichisch-steirischen Alpen und zu 5% aus Grundwasser. Auch das Wiener Wasser ist von sehr guter Qualität und muss nicht aufbereitet werden. Der Vorteil der geografischen Lage Wiens ist, dass das Wasser durch natürliches Gefälle, unterirdisch und ohne Pumpe, bis in die Stadt gelangt. Und noch besser: Aus der Energie des in das Wiener Becken fließenden Wassers wird ein Trinkwasserkraftwerk gespeist, das Strom für ca. 1000 Haushalte erzeugt [60]. Der durchschnittliche Trinkwasserverbrauch der 1,8 Millionen Bewohner liegt bei 370 000 m3 pro Tag [61].
In Zürich kommt das Trinkwasser zu 70% aus dem Zürichsee, zu 15% aus Grundwasser und zu 15% aus Quellwasser. Das Seewasser wird in den Seewasserwerken Lengg und Moos in mehreren Stufen so gut aufbereitet, dass normalerweise auf eine Behandlung mit Chlordioxid verzichtet werden kann. Das aus dem Quellwasserwerk Sihlbrugg und dem Grundwasserwerk Hardhof abgegebene Wasser muss dagegen nicht aufbereitet werden. Die Züricher Wasserwerke versorgen knapp 500 000 Einwohner von Zürich und Umgebung mit durchschnittlich 150 000 m3 Trinkwasser pro Tag [62].
2010 lag der mittlere Trinkwasserpreis in Deutschland bei 1,65 Euro pro Kubikmeter und der mittlere Abwasserpreis bei 2,36 Euro pro Kubikmeter (hinzu kommen noch ca. 81 Euro Grundgebühren im Jahr) [63], allerdings ist die Variationsbreite von einem Ort zum anderen sehr groß. Schwankungen bei den Trinkwasser- und Abwasserpreisen, im Extremfall um einen Faktor zwei, erklären sich durch unterschiedliche Aufbereitungskosten aber auch durch unterschiedliche Leitungswege und Reservoirkosten (die im ländlichen Milieu eine größere Rolle spielen); zum Teil werden die Preise natürlich auch vom jeweiligen Wasserversorgungsbetrieb bestimmt. In Österreich kosten 1000 Liter Trinkwasser im Mittel 1,30 Euro und in der Schweiz 1,80 Franken [64].
Im Schnitt gibt jeder Deutsche pro Tag ca. 54 Cent für Wasser aus (pro Jahr sind es inklusive Grundgebühr 82 Euro für die Wasserversorgung und 116 Euro für die Abwasserentsorgung) und jeder Österreicher 44 Cent (pro Jahr sind es 66 Euro für die Wasserversorgung und 93 Euro für die Abwasserentsorgung) [65].
Lange war der Wasserverbrauch der Haushalte niedrig, weil man das Wasser an der Quelle holen musste und die Wäsche zum Beispiel am Dorfbrunnen gewaschen wurde. Mit dem Verlegen von Wasserleitungen und dem Anschluss der Haushalte an die öffentliche Wasserversorgung stieg der Wasserverbrauch rapide an und moderner Wohnkomfort nahm seinen Einzug: Heutige Badezimmer sind mit Waschbecken, Badewanne/Dusche und WC (mit Spülung) ausgestattet, fast jeder Haushalt besitzt eine Waschmaschine und eine Spülmaschine.
Der Trinkwasserverbrauch geht in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit Jahren zurück. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen sind die Preise für Wasser und Abwasser stark gestiegen (das liegt allerdings zum Teil wiederum daran, dass der Wasserverbrauch niedriger ist), zum anderen verbrauchen moderne Waschmaschinen und Geschirrspüler weniger Wasser. Auch die Stopptaste bei der Toilettenspülung und wassersparende Armaturen führen zu einem geringeren Wasserverbrauch. Die Industrie spart ebenfalls Wasser durch den Einsatz von Kreisläufen bei der Kühlung mit Trinkwasser.
In Deutschland verbraucht ein Mensch im Durchschnitt 122 Liter Wasser pro Tag, in Österreich sind es 130 Liter und in der Schweiz 162 Liter pro Person und Tag [66]. Zum Vergleich: 1950 lag der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland bei 85 Litern [67]. Nur ein sehr kleiner Teil dieses Wassers dient zum Trinken und zur Ernährung. Das meiste wird zur Körperpflege, für die Toilettenspülung und zum Waschen und Putzen verwendet.
Abb. 31: Wasserverbrauch im Haushalt in Deutschland [68]
Abb. 31b und 31c: Wasserverbrauch im Haushalt in Österreich und Wasserverbrauch im Haushalt in der Schweiz [66]
Neben diesem "direkten" Wasserverbrauch muss auch noch der Verbrauch von "virtuellem" Wasser – auch Wasser-Fußabdruck genannt – berücksichtigt werden. Wie viel Wasser "verbraucht" man, wenn man eine Scheibe Brot isst (ca. 40 Liter virtuelles Wasser), ein Glas Orangensaft trinkt (ca. 170 Liter virtuelles Wasser) oder sich ein neues T-Shirt aus Baumwolle kauft (ca. 4100 Liter Wasser) [69]. Zum Vergleich: In eine "normal große" Badewanne passen ca. 140 Liter Wasser. Insgesamt verbraucht jeder Mensch in Deutschland über 5000 Liter virtuelles Wasser pro Tag [70].
Im Haus kann man an zahlreichen Stellen Wasser sparen. Neuere Waschmaschinen verbrauchen bereits relativ wenig Wasser; man kann jedoch zusätzlich Wasser sparen, indem man die Waschmaschine erst anschaltet, wenn sie voll beladen ist, und bei wenig verschmutzter Wäsche auf die Vorwäsche verzichtet. Auch Geschirrspüler sollten immer voll beladen sein. Beim Geschirrspülen von Hand verbraucht man übrigens viel mehr Wasser (und Energie) als beim Spülen mit dem Geschirrspüler (wenn dieser voll beladen ist).
Sehr viel Wasser – bis zu 20 Liter pro Person und Tag [71] – lässt sich durch die Anschaffung einer Toilettenspülung mit Stopptaste oder 2-Mengen-Spültechnik (3 l oder 6 l) einsparen. Und ein tropfender Wasserhahn (mit aufeinanderfolgenden Tropfen) entspricht einer Verschwendung von ca. 100 Liter Wasser am Tag. Ein Wechsel der Dichtung ist einfach und löst das Problem im Nu.
| Wasserverbrauch | |
|---|---|
| Toilettenspülung (1 Mal) | 10 l |
| Duschen (5 min) | 60 l |
| Ein Vollbad | 200 l |
| Wäschewaschen (Waschmaschine) | 80 l |
| Spülen (Geschirrspülmaschine) | 15 l |
| Spülen von Hand ("Inhalt" einer Spülmaschine) | 50 l |
| Tropfender Wasserhahn (aufeinanderfolgende Tropfen) | 4 l pro Stunde |
| Auto waschen mit dem Schlauch | 200 l |
| Rasensprengen (100 m2 Garten, reicht für 2-3 Tage) | 1000-1500 l |
| Schwimmbecken füllen (5 m Durchmesser, 1,20 m Tiefe) | 24 000 l |
Tabelle 3: Wasserverbrauch im Alltag
Wir sehen also, dass man mit relativ einfachen Maßnahmen Wasser sparen kann. Aber es geht noch besser: Regenwasser gibt es bei uns reichlich und ganz umsonst. In Deutschland zum Beispiel fallen durchschnittlich pro Quadratmeter und Jahr ca. 700 Liter Regen, in Österreich 1110 Liter und in der Schweiz 1537 Liter [72].
Man kann das Regenwasser vom Dach in einen unterirdischen Wassertank leiten und zum Beispiel für den Garten oder zum Autowaschen verwenden. Auch für die Toilettenspülung oder zum Wäschewaschen ist Regenwasser geeignet. Es sollte allerdings zur Vorsicht vorher gefiltert und gereinigt werden. Regenwasser ist kein Trinkwasser. Die beiden Leitungssysteme, das fürs Trinkwasser und das fürs Regenwasser, müssen sauber getrennt bleiben: Die Wiederinstandsetzung einer durch Regenwasser verunreinigten Trinkwasserleitung kann sehr teuer werden.
Abb. 32: Wasserverteilungssysteme im Haus
Den Bewohnern Trinkwasser in guter Qualität zur Verfügung zu stellen, ist Sache der Wasserwerke. Je nach Ursprung des Wassers (Grund-, Quell- oder Oberflächenwasser) und je nachdem, ob das Wasser aufbereitet werden muss oder nicht, ist die Bereitstellung von Trinkwasser eine aufwendige Angelegenheit (siehe weiter oben). Die Qualitätskontrollen sind sehr streng.
Während in der Schweiz 100% und in Deutschland 99,2% der Bevölkerung an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen ist, liegt dieser Anteil in Österreich bei nur 90%. Bei der Abwasserentsorgung liegt der Anschlussgrad in der Schweiz bei 99%, in Deutschland bei 96,1% und in Österreich bei 91,7% (Daten von 2008 bzw. 2007) [73]. Im ländlichen Milieu sind manche Häuser, Dörfer oder abgelegene Teile von Dörfern nicht immer an die Kanalisation angeschlossen. Während Abwasser, das über die kommunale Kanalisation entsorgt wird, in einer Kläranlage gereinigt wird, muss die Entsorgung ohne Kanalisation sorgfältig konzipiert und instandgehalten werden. Das Abwasser wird zunächst in einer Klärgrube geklärt: feste Stoffe und Fette setzen sich ab [74]. Anschließend sickert das Abwasser ins Erdreich oder in eine Sandgrube, in der (natürlich vorkommende) Mikroorganismen die restlichen Schadstoffe zersetzen – in CO2, Humus und Mineralsalze.
Viele Menschen träumen von einem Eigenheim – einem Haus mit Garten in einer ruhigen, nicht zu dicht besiedelten Wohngegend. Gleichzeitig sollen aber auch Schulen in der Nähe sein, ebenso Sport- und Freizeiteinrichtungen, Geschäfte natürlich, und der Weg zur Arbeit sollte auch nicht so weit sein. Wer so leben möchte und es sich leisten kann, zieht in die "grünen Gegenden" am Stadtrand.
Auf der anderen Seite ziehen auch viele Menschen ins Stadtzentrum und in zentrumsnahe Bezirke. Oft sind es jüngere Leute, die aus Kleinstädten oder aus ländlichen Gegenden kommen. Meistens gehören sie zu den Besserverdienenden, die sich größere Wohnungen leisten können. Die Beliebtheit der Innenstädte führt dazu, dass dort die Wohnungsmieten buchstäblich in den Himmel wachsen und die Alteingesessenen bzw. einkommensschwache Bevölkerungsschichten gezwungen sind wegzuziehen. Sie ziehen ihrerseits in Großsiedlungen am Stadtrand.
Diese Bevölkerungswanderungen führen zu dem generellen Trend großer Städte: Sie breiten sich aus, d. h. die Urbanisierung nimmt zu.
Eine unmittelbare Folge dieser Ausbreitung – und der oft schlechten Anbindung der Randbezirke und der stadtnahen Ortschaften an den öffentlichen Nahverkehr – ist der zunehmende Autoverkehr. Es werden mehr und längere Strecken mit dem Auto zurückgelegt. Das führt nicht nur zu einem erhöhten Ausstoß von Treibhausgasen und anderen Schadstoffen, die Mensch und Umwelt belasten – Autofahren verbraucht auch wertvolle Rohstoffe und verursacht Lärm und Stress.
Spricht man von urbaner Wohndichte, denkt man oft zunächst an die Großsiedlungen, die in den 1970er Jahren entstanden, als man schnell und billig Wohnungen bereitstellen wollte. Aber diese Wohnblöcke sind in Wirklichkeit kein Modell für städtisch dichtes Wohnen. Die Wohndichte in diesen Siedlungen ist kaum größer als in manchen Vororten mit Eigenheimsiedlungen, und sehr viel geringer als in Straßenzügen, die vor dem ersten Weltkrieg gebaut wurden und in denen die (Altbau-) Wohnungen heute sehr geschätzt sind.
Heute bemühen sich die Architekten, städtische Wohndichte und Lebensqualität miteinander zu vereinen. Der städtische Raum soll dicht bewohnt und lebendig sein, durchsetzt mit Grün (Bäumen, Parks, Spielplätzen) und der für den Alltag notwendigen Infrastruktur: Schulen und Kindergärten, Sport- und Freizeiteinrichtungen, Banken, Geschäfte usw.
In einem dicht bewohnten städtischen Wohnviertel sollte die Fortbewegung aus eigener Muskelkraft – ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit Inlineskates oder Klapproller – wieder ihre Daseinsberechtigung haben. Ein Fahrrad zum Beispiel kostet nicht so viel, es ist umweltfreundlich und in städtischer Umgebung, für Entfernungen unter 6 km, ein sehr schnelles Verkehrsmittel. Ist die Stadt auch noch gut mit Fahrradwegen und/oder Fahrradspuren ausgestattet, ist das Fahrrad ein ideales Fortbewegungsmittel. Auch die öffentlichen Verkehrsmittel – Bus, Straßenbahn, U-Bahn und Zug – sind häufig schneller, umweltfreundlicher und billiger als das Auto. Und wer nicht auf das Auto verzichten kann/möchte, kann versuchen Fahrgemeinschaften zu bilden.
Eine ganze nachhaltige Stadt, die Energiesparen, Wohndichte, Umweltfreundlichkeit und Einwohnerbedürfnisse in sich vereint, gibt es noch nicht. Es gibt jedoch immer mehr nachhaltige Stadtteile, sogenannte Ökoviertel. Die ersten entstanden in Nordeuropa, inzwischen tauchen sie aber vielerorts in Europa auf.
Sie lösen nicht alle Umweltprobleme. Will man zum Beispiel die Luftqualität einer Stadt verbessern, kann man das nur im größeren Maßstab erreichen – man muss die gesamte Stadt einbeziehen, womöglich sogar die ganze Region. Ökoviertel sind jedoch ökologisch gesehen ein Schritt in die richtige Richtung: der Wasser- und Energieverbrauch ist dort niedriger und es gibt weniger Autoverkehr
Abb. 33: Was ein Viertel zum Ökoviertel macht (zum Vergrößern auf das Bild klicken)
Nehmen wir das Beispiel des Vauban-Viertels in Freiburg im Breisgau (siehe auch die Unterrichtseinheit "Was ist ein ökologisches Viertel?"). Sein Umbau wurde 2006 fertiggestellt. Es entstand aus dem Wunsch, alte Kasernen, die nicht mehr benutzt wurden und illegal besetzt waren, nicht abzureißen, sondern zum Wohnviertel umzugestalten. Die Entfernung zum Stadtzentrum beträgt 3 km, das Viertel erstreckt sich über 38 ha und wird von 5000 Menschen in 2000 Wohnungen bewohnt. Es unterscheidet sich in mehrfacher Weise von einem "klassischen" Stadtviertel:
In den 1970er Jahren begann man sich bewusst zu werden, dass wir in einer "endlichen" Welt leben, das heißt, dass unser Planet so klein ist, dass das Tun der Menschen ihn entscheidend verändern kann (Erschöpfung der Ressourcen, Erderwärmung, usw.). Seither haben zahlreiche internationale Konferenzen, insbesondere der Erdgipfel von Rio de Janeiro (1992) und der Welt-Klimagipfel von Kyoto (1997), zum Nachdenken angeregt und näher bestimmt, wie eine nachhaltige Entwicklung aussehen könnte.
Beim Bauen bedeutet eine nachhaltige Entwicklung in erster Linie, den Energiebedarf für die Heizung und die Kühlung der Gebäude zu minimieren. Beim Energiesparen im Wohnungsbau haben sich in den letzten Jahrzehnten insbesondere die Länder Nordeuropas hervorgetan. Sie haben Rahmenbedingungen geschaffen (Fördermittel, Energieausweis, Energieeinsparverordnung [EnEV] in Deutschland, Energieausweis-Vorlage-Gesetz [EAVG] in Österreich, Energiegesetz [EnG] in der Schweiz) und Energiestandards entwickelt. Und das nicht nur für Neubauten, sondern auch für Altbauten, diese Energiefresser ersten Ranges. Die Aufgabe ist riesig: In Europa besteht der Großteil aller Gebäude aus Altbauten bzw. schlecht gedämmten Häusern.
Durch ökologisches Bauen kann man immer wieder versuchen, die Belastung für die Umwelt geringzuhalten, in Bezug auf Ressourcen, Energieverbrauch, Schadstoffproduktion und Erhalt der biologischen Vielfalt.
Die Kriterien und die Prioritäten für eine ökologische Bauweise unterscheiden sich von Land zu Land. Die Energieeinsparung steht jedoch überall an erster Stelle. Es zeichnen sich zwei Tendenzen ab: Die eine beruht auf den Einsatz von technisch hochentwickelten Geräten und Baustoffen (High-Tech), die andere hält sich an einfachere, traditionelle und lang erprobte Lösungen und Baustoffe (Low-Tech).
Gehen wir Schritt für Schritt ein ökologisches Bauvorhaben durch:
Die Kriterien dieser Liste überschneiden sich teilweise. Wenn man ökologisch bauen möchte, muss man jeden dieser Punkte einzeln betrachten, ohne die Beziehungen zwischen ihnen aus den Augen zu verlieren. Letztendlich ist das Gebäude eine Art Ökosystem, dessen Elemente miteinander wechselwirken.
Ein Niedrigenergiehaus ist nicht überall gleich definiert. In Deutschland darf der Heizwärmebedarf eines Niedrigenergiehauses nicht mehr als 70 kWh pro Quadratmeter und Jahr betragen; ein KfW-40-Haus zum Beispiel verbraucht sogar nicht mehr als 40 kWh/m2a (bzw. hat einen Primärenergiebedarf zwischen 40 und 79 kWh/m2a) [75]. In der Schweiz gibt es für Niedrigenergiehäuser mit einer Energiekennzahl (= Energieverbrauch für Raumheizung, Warmwasser, elektrische Lüftung, Klimatisierung) von unter 38 kWh/m2a bei Neubauten und unter 60 kWh/m2a bei Altbauten das Minergie-Zertifikat [76]. Zum Vergleich: In einem "normalen" Haus liegt der Heizwärmebedarf (je nach Baujahr) ungefähr zwischen 100 und 200 kWh/m2a.
Ein Passivhaus ist ein Haus, das aufgrund seiner guten Wärmedämmung und einer Belüftung mit Wärmerückgewinnung aus der Abluft kaum Energiekosten verursacht, weder zum Heizen (im Winter) noch zum Kühlen (im Sommer). Zum Heizen reichen an den meisten Tagen die durch die (in der Regel dreifach verglasten) Fenster eingestrahlte Sonnenergie sowie die Abwärme von Geräten und Hausbewohnern. Der Heizwärmebedarf eines Passivhauses liegt unter 10-15 kWh/m2a. In der Schweiz gibt es für Passivhäuser, die eine Energiekennzahl unter 30 kWh/m2a haben, das Minergie-P-Zertifikat [76].
Setzt man noch Solarmodule und/oder Solarkollektoren auf das Dach eines Passivhauses, hat man ein Nullenergiehaus oder sogar ein Plusenergiehaus, das mehr Energie erzeugt, als es verbraucht. Eigentümer von Plusenergiehäusern können die ihren Bedarf übersteigende Energie zu sehr attraktiven Preisen an die Elektrizitätswerke verkaufen und amortisieren so ihre Investitionen schon in wenigen Jahren (siehe weiter oben).
Inzwischen gibt es auch für Häuser einen Energieausweis, in dem der Energiebedarf eingetragen ist. In Österreich zum Beispiel sind Häuser – ähnlich wie elektrische Haushaltsgeräte – in Energieeffizienzklassen eingeteilt, von A++ (Passivhaus, Nullenergiehaus), über A (Niedrigstenergiehaus), B (Niedrigenergiehaus) bis G (schlecht gedämmte Altbauten mit veralteter Heiztechnik).
1: Henri Poincaré, französischer Mathematiker, Physiker und Wissenschaftsphilosoph, 1854–1912
2: Aktuelle Daten zur Weltbevölkerung: Stiftung Weltbevölkerung
3: Verbrauch von Wasser bei der Zementherstellung: Probas/Umweltbundesamt/Ökoinstitut / ESU
4: Der jährliche Verbrauch von Beton wird auf 10 Milliarden Tonnen geschätzt (Quelle: Deutsche Bauchemie). Das entspricht über einer Tonne pro Kopf und Jahr.
5: Lehmvorkommen in Mitteleuropa
6: Neubauten in Deutschland 2007 (S. 78, Daten des Bundesamts für Statistik, Bauten mit Holz als überwiegend verwendetem Baustoff), Neubauten in der Schweiz 2005 und Neubauvorhaben in Österreich 2008
7: Waldfläche in Westdeutschland (inklusive West-Berlin) 1950–2000: Statistisches Bundesamt; Waldfläche in Deutschland 1992–2009: Statistisches Bundesamt: Bodenfläche nach Art der tatsächlichen Nutzung (S. 24) und Statistisches Bundesamt: Bodenfläche nach Nutzungsarten
8: Waldfläche in Österreich 1966–2006: Österreichische Waldinventur, Überblick
9: Waldfläche in der Schweiz 1870–1970: Forests, Forestry and Forest Policy in Switzerland, Seite 8; 1975–2003: Statistik Schweiz: Forest surfaces and plantations in Switzerland 1975–2003; 2004–2010: Statistik Schweiz: Forest surfaces 2004–2010
10: Direkter und indirekter Energieverbrauch privater Haushalte in Deutschland 2006: Statistisches Bundesamt
11: Anteil der Einfamilienhäuser am Gebäudebestand und bei den Neubauten in Deutschland (2010): Regionaldatenbank Deutschland
12: Anteil der Einfamilienhäuser am Gebäudebestand und bei Neubauten in Österreich: Statistik Austria: (Übersicht 13) und Seite 35,
in der Schweiz:
Statistik Schweiz: Gebäude nach Gebäudekategorie und
Statistik Schweiz:
Bau- und Wohnungswesen – Die wichtigsten Zahlen,
in Frankreich: INSEE: Répartition des logements selon leur catégorie et le type de logement
und INSEE: Mises en chantier de logements neufs selon le type d'habitat
13: Daten für Deutschland 2007: Umweltbundesamt: Endenergieverbrauch der Haushalte nach Anwendungsbereichen
14: Daten für Österreich 2009/2010: Statistik Austria: Energieverbrauch der Haushalte nach Verwensungszwecken
15: Daten für die Schweiz 2009: Bundesamt für Energie: Energieverbrauch privater Haushalte nach Verwendungszwecken (Tabelle 4.1)
16: Sonneneinstrahlung in Europa: Photovoltaic Geographical Information System und Swissolar
17: Primärenergieverbrauch verschiedener Häuser: Deutsche Energie-Agentur und energieberater.de
18: Die kompakteste Form ist eine Kugel – daher auch die (halbrunde) Form eines Iglus!
19: Quellen für die in der Tabelle angegebenen technischen Daten der
verschiedenen Dämmstoffe:
Ökologisches
Baustoffinformationssystem WECOBIS (Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung),
u-wert.net
Weitere Informationen zu Dämmstoffen:
Energiesparhaus.at;
bauen.de;
Schutz vor Kälte und Hitze – Dämmstoffe im Vergleich (Energieagentur NRW);
Sommerlicher Wärmeschutz – Die wichtigsten Einflussfaktoren
20: Hintergrundinformationen zu Mehrfachverglasung und Bauphysik im Allgemeinen: Bauphysik – Bau und Energie von May-Britt Kallenrode, 2005
21: Der Grenzwert für die Gefährlichkeit liegt bei 3%, normalerweise enthält Luft 0,04% CO2.
22: Weitere Informationen zum Luftbrunnen gibt es zum Beispiel auf energiesparen-im-haushalt.de
23: Säkularstation Potsdam Telegraphenberg: Bodentemperatur in unterschiedlichen Tiefen
24: Daten für Deutschland: Primärenergieverbrauch 2010: 14,0 Exajoule (Quelle: Umweltbundesamt), Fläche: 357 000 km2.
25: Daten für Österreich: Primärenergieverbrauch 2010: 1,12 Exajoule (Quelle: Statistik Austria), Fläche: 83 900 km2; Daten für die Schweiz: Primärenergieverbrauch 2010: 912 Petajoule (Quelle: Bundesamt für Energie), Fläche: 41 300 km2.
26: Größe von Kollektoren und Energieeinsparung: Internationales Wirtschaftsforum Regenerative Energien
27: Photovoltaik-Preise: SolarServer;
Durchschnittliche Haushaltsstrompreise in
Deutschland
2012: 26,4 ct/kWh,
Österreich 2010: 19 ct/kWh und
der Schweiz 2012: 20 Rp/kWh
28: SRREN – Summary for Policymakers, kurze Zusammenfassung des Berichts auf Deutsch: Kernaussagen des IPCC Sonderberichtes
29: Preisvergleich einiger erneuerbarer Energieträger: SRREN – Summary for Policymakers, Seite 10, Abbildung SPM.5
30: Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch: Statistisches Bundesamt; Anteil von Photovoltaik: Erneuerbare Energien in Zahlen, Seite 13 (Zahlen für 2011, BMU/AGEE-Stat)
31: Anteil der erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung: E-Control Statistikbroschüre 2012, Seite 24 (Zahlen für 2011)
32: Anteil der erneuerbaren Energien an der Netto-Elektrizitätsproduktion: Schweizerische Statistik der erneuerbaren Energien, Seite 6 (Zahlen für 2011, Bundesamt für Energie)
33: Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme: Funktionsprinzip einer Wärmepumpe; weitere Informationen: Energie sparen durch Wärmepumpenanlagen
34: Die verschiedenen Heizwerte und approximativen Preise sind der Internetseite Baumarkt.de entnommen. Für den Strompreis siehe [27].
35: Deutsches Windenergie-Institut
36: Statistiken zur Windenergie und Installierte Leistung 2011 – Top 5 Länder (Bundesverband WindEnergie e.V.)
37: Deutsches Windenergie-Institut: Windenergienutzung in Deutschland (30.6.2011)
Weitere Informationen zu Windenergieanlagen:
Welt der Physik: Technische Grundlagen für Windkraftanlagen
38: Deutsches Windenergie-Institut: Windenergie in Deutschland (Zahlen für 2011)
39: Anteil der Windenergie und anderer erneuerbarer Energiequellen an der Erzeugung von elektrischer Energie (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, Pressemitteilung 29.8.2011)
41: In der Schweiz entspräche das ungefähr dem
Minergie-P-Standard.
Weitere Informationen zu Energiesparhäusern und Energiestandards:
Energiesparhaus-Ratgeber
42: Siehe die wissenschaftlichen Hintergründe zu "Das Klima, mein Planet und ich!"
43: Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien, Teil 1 – Allgemeine Vorschriften (in dieser Fassung ab 1.1.2012 gültig)
45: Höhe der EEG-Umlage 2012 und 2013, Pressemitteilung der Bundesnetzagentur vom 14.10.2011 und 15.10.2012
46: Ökostromförderung in Österreich
47: Abwicklungsstelle für Ökostrom OeMAG, und Ökostromverordnung 2012
49: Man schätzt, dass Wasser nach dem gegenwärtigen Wissensstand ein Millionstel der Gesamtmasse des sichtbaren Universums ausmacht (Quelle: CNRS: Où y a-t-il de l’eau dans le cosmos?, wissenschaftliches Dossier zum Thema Wasser).
50: Auf der Erde gibt es ungefähr 1,4 Milliarden km3 Wasser (1 Kubikkilometer = tausend Milliarden Liter), Quelle: U.S. Geological Survey: Water Science School
51: WHO: Use of improved drinking water sources
52: WHO: Use of improved sanitation facilities
53: UNICEF-Seite "Kinder und Wasser"
54: The 3rd United Nations World Water Development Report: Water in a Changing World (WWDR-3) (Tabelle 7.1, Zahlen für 2000)
55: Daten für Papier: Probas/Umweltbundesamt/Ökoinstitut / ESU; Daten für Stahl: Probas/Umweltbundesamt / ESU; Daten für Zement: Probas/Umweltbundesamt / ESU
56: Einige Länder, deren Wasserverbrauch im landwirtschaftlichen Bereich über 90% liegt (Quelle: aquastat/FAO):
57: Frischwasserverbrauch nach Sektoren: aquastat/FAO
58: Statistisches Bundesamt: Energieversorgung und Kühlwasser (Pressemitteilung 22.3.2011)
59: Berliner Wasserbetriebe: Technische Daten, Gewinnung aus Grundwasser, Wasserwerke
60: Stadt Wien: Der Weg des Wiener Wassers in die Stadt
61: Wasserwerk: Wien – Daten und Fakten
62: Züricher Wasserwerke, Zahlen und Fakten
63: Trinkwasser- und Abwasserpreis in Deutschland (Bundesamt für Statistik, Pressemitteilung vom 29.4.2011)
64: Trinkwasserpreise in Österreich (ÖVGW, Wasserreport 2011) und der Schweiz (SVGW)
65: Vergleich Europäischer Wasser- und Abwasserpreise (VEWA-Studie des BDEW)
66: Pro-Kopf-Wasserverbrauch der Haushalte in Deutschland (2007), Österreich und der Schweiz
67: AG Hydrologie, IBU, Universität Oldenburg: Entwicklung des Wasserverbrauchs in Deutschland
68: Wasserverbrauch der Haushalte in Deutschland: Wasser macht Schule
69: UNESCO/Institute for Water Education: Water footprints of nations (Tabelle 4.2)
71: Energiesparen im Haushalt: Einsatz neuer WC-Spülkästen
72: Indikatoren der Weltbank – mittlere jährliche Nierderschlagsmengen
73: Anteil der Bevölkerung mit Anschluss an die Wasserversorgung bzw. Abwasserentsorgung; Daten für die Schweiz (2008): Berichterstattung der Schweiz im Rahmen des Protokolls Wasser und Gesundheit (BAG/BAFU), Seite 11 und 12; Daten für Deutschland und Österreich (2007): siehe [65], Seite 11
74: Klärgruben müssen in regelmäßigen Abständen geleert werden und ihr Inhalt in ein Klärwerk transportiert werden.
75: Energiestandards von Häusern