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Homepage > Aktivitäten > Wissenschaft > Herangehensweise > Wissenschaftlich denken, kritisch denken > Klasse 1 bis 3 > 4: Argumentieren > Alle gleich, alle verschieden

4.1: Alle gleich, alle verschieden

1 4.1: Alle gleich, alle verschieden
Autor/inn/en:
Publikation: 22.10.2017
Lernstufe: 2
Übersicht: Die Schüler führen eine philosophische Diskussion über eine ethische und gesellschaftliche Fragestellung. Sie lernen beim Diskutieren Regeln zu be­folgen, respektvoll miteinander umzugehen, andere Meinungen zu akzep­tieren, ihr Wissen einzusetzen. Sie vergleichen Meinung und Wissen und stellen beides einander gegenüber.
Angestrebte Kenntnisse: Wissenschaftlich denken, kritisch denken: Ein gutes/stichhaltiges Argu­ment erkennen.
Kompetenzen: Mit Unterstützung des Lehrers forschendes Lernen betrei­ben: Im Kontext naturwissenschaftlicher Aktivitäten miteinander diskutie­ren, eine philosophische Diskussion führen, argumentieren, den eigenen Standpunkt erläutern, die eigenen Meinungen den Fakten und dem eta­blierten Wissen bzw. den Meinungen der anderen gegenüberstellen, ein logisch denkendes Verhalten an den Tag legen.
Schwerpunkt: Weltanschauungs-/Lebenskundeunterricht, Deutsch, Sachunterricht, inter­kulturelles Verständnis
Dauer: Aktivität 1: 45 bis 60 Minuten
Aktivität 2: 45 Minuten bzw. unbekannte Dauer für die Variante 2
Aktivität 3: 45 bis 60 Minuten
Material: Für die Aktivität 1 und die Aktivität 3: Für die Aktivität 2:
  • Variante 1: Lupen, Filzstifte, für jeden Schüler ein kleines Stück Papier und eventuell eine Fotokopie der Fingerabdrücke aller Schüler
  • Variante 2: ein Fotoapparat, ein Computer, optional: die ausgedruckten Mosaikbilder, Scheren, Kleber
Für jeden Schüler:
Herkunft: La main à la pâte, Paris

Aktivität 1: Philosophische Diskussion: Alle gleich, alle verschieden

Ablauf: Die Schüler führen eine philosophische Diskussion über Ähnlichkeiten und Unterschiede bei menschlichen Individuen.

Botschaft zum Mitnehmen: Wir können – indem wir uns gegenseitig zuhören und respektieren – über Themen diskutieren, die uns alle bewegen. Wir sind alle einzigartig und verdienen von anderen respektiert zu werden. Wir können unsere Meinungen klar und präzise äußern.

Vorbemerkungen:

Der Lehrer organisiert eine philosophische Diskussion über die Ähnlichkeiten und Unterschiede von Individuen: "Sind wir alle gleich?" Er kann dazu das Arbeitsblattes 17 (Eine philosophische Diskussion führen) zu Hilfe nehmen. Mit jüngeren Schülern kann der Lehrer aus der einen Frage eventuell zwei Fragen machen: "Warum kann man sagen, dass wir alle gleich sind?" und "Warum kann man sagen, dass wir alle unterschiedlich sind?" Weitere Informationen zum Führen einer philosophischen Diskussion findet man im Internet unter den Stichworten "Philosophieren mit Kindern" und "Sokratisches Gespräch".

Philosophische Runde

Abb. 1: Die Kinder philosophieren.

Mögliche Schülerantwort Folgefrage
Ja, wir sind alle gleich. Inwiefern gleich? Worin gleichen wir uns?
Nein, wir sind alle unter­schiedlich. Inwiefern unterschiedlich? Worin unterscheiden wir uns?
Manche sind gleich, manche sind unterschiedlich. Wer sind "Manche"? Nach welchen Kriterien sind wir gleich/unterschiedlich? Beispiele: Kinder, Erwachsene, Mädchen, Menschen mit einer Behinderung usw.

Tab. 1: Der Lehrer hakt nach – Antworten der Schüler und Folgefragen des Lehrers

Pädagogische Anmerkungen

  • Die hier vorgeschlagenen philosophischen Diskussionen gehen zurück auf die Philosophie für Kinder von Matthew Lipman. Lipman entwickelte in den 1970er Jahren in den USA philosophische Aktivitäten für Kinder.
  • Die Schüler sind es eher gewohnt nach Unterschieden als nach Ähnlich­keiten zu suchen. Der Lehrer wird die Diskussion entsprechend lenken.
  • Jüngere Schüler haben die Tendenz, ihre eigene Meinung zu äußern und weniger auf die Ideen ihrer Mitschüler einzugehen.

Am Ende der Diskussion kann der Lehrer die Schüler bitten, die für sie wich­tigsten Punkte der Diskussion in ihr Versuchsheft zu schreiben (siehe das Arbeitsblatt 17). Anschließend verfasst die Klasse eine gemeinsame Zusam­menfassung.

Beispiel:

Wir haben alle Augen, wir haben alle Finger, wir sind alle Menschen, aber es gibt kleine Unterschiede im Aussehen und im Charakter, die jeden von uns einzigartig machen.

Aktivität 2: Die Diversität in der Klasse: ich und die anderen

Ablauf: Die Schüler legen eine "Biodiversitätssammlung" der Klasse an. Sie erkunden, was uns verbindet und was uns einzigartig macht.

Botschaft zum Mitnehmen: Wir Menschen haben alle die gleichen Merkmale. Es gibt jedoch Unterschiede von Mensch zu Mensch, die jeden von uns einzig­artig machen. Was unser Aussehen angeht, sind wir alle gleich ... und doch unterschiedlich.

Variante 1: Eine Sammlung von Fingerabdrücken

Die Klasse kommt auf die gemeinsamen Merkmale zurück, die in der Aktivität 1 angesprochen wurden: "Wir haben alle Ohren, Haare, Augen, aber es gibt kleine Unterschiede, die jeden von uns einzigartig machen." Das Ziel ist jetzt, diese Unterschiede innerhalb der Klasse konkreter festzustellen.

Der Lehrer lässt die Schüler ihre ausgestreckte linke Hand beobachten: "Was sind die gemeinsamen Merkmale unserer Hände? Warum ähneln sie einander?" Die Schüler erwähnen die Finger (fünf an der Zahl), deren relative Länge bei allen Kindern gleich ist (der Mittelfinger ist der längste Finger); den Daumen, der den anderen Fingern gegenübergestellt ist (Opponierbarkeit des Daumens); die Fingernägel; die Handfläche usw. "Unsere Hände ähneln sich alle."

Pädagogische Anmerkung

Um die Diversität der Schülerhände zu illustrieren, können die Schüler den Umriss ihrer Hand mit einem Filzstift auf Papier zeichnen, oder ihre Hände in Farbe tauchen und einen Abdruck auf einem Plakat machen (so wie prähis­torische Menschen ihre Handabdrücke an Höhlenwänden hinterlassen ha­ben).


Plakat mit Handabdrücken

Abb. 2: Plakat mit Handabdrücken

In einem weiteren Schritt bittet der Lehrer die (z. B. in Zweiergruppen aufge­teilten) Schüler genauer hinzuschauen und nach kleinen Unterschieden zu suchen. Er kann Lupen verteilen, so dass die Schüler auch kleinste Details beobachten können. Die Schüler entdecken die Rillen in der Haut, die Hand­linien, die Fingerabdrücke, Muttermale und Sommersprossen.

Der Lehrer kann nun der Klasse vorschlagen, eine Sammlung von Fingerabdrü­cken anzulegen. Dazu malen die Schüler einfach die Kuppe ihres Daumens mit einem dunklen Filzstift an (oder sie drücken den Daumen auf ein Stempelkis­sen) und drücken ihren Daumen ganz gerade und ohne zu verrutschen auf ein Blatt Papier. Die Schüler können nun mit Worten die Formen des Fingerab­drucks beschreiben: Linien, Schlaufen, Kurven, Kreise usw. Jeder Schüler hat einen einzigartigen Fingerabdruck; der Fingerabdruck ist wie ein "Personalaus­weis".

Eine Schülerin macht einen Fingerabdruck

Abb. 3: Eine Schülerin macht einen Fingerabdruck

Um diesen Gedanken weiter zu verfolgen, kann der Lehrer eine Fotokopie der Fingerabdrücke-Sammlung machen sowie einen einzelnen Fingerabdruck foto­kopieren. Die Schüler können Detektiv spielen und den einzelnen Fingerabdruck in der Sammlung suchen.

Fingerabdrücke an der Tafel

Abb. 4: Fingerabdrücke an der Tafel

Variante 2: Ein Diversitätsmosaik

In dieser Variante wird mit den Schülern ein Diversitätsmosaik hergestellt – mit einem oder mehreren Merkmalen unseres Körpers (Augen, Ohren, Haar, Nase, Mund). Auch hier wird wieder festgestellt: "Wir haben alle Ohren, Haare, Au­gen, aber es gibt kleine Unterschiede, die jeden von uns einzigartig machen." Das Ziel ist es, diese Unterschiede innerhalb der Klasse konkreter festzustel­len.

Die Klasse wählt eines oder mehrere dieser Merkmale aus und macht – mit Unterstützung des Lehrers – eine Reihe von Fotos. Das Endergebnis soll eine Tabelle oder eine Collage sein (Abb. 6). Mit den älteren Schülern kann man das Ganze am Computer machen. Es gibt kostenlose Programme, mit denen man Mosaike zusammenstellen kann (zum Beispiel Foto-Mosaik-Edda).

Die Augenfarben in der Klasse

Abb. 5: Verschiedene Kinderaugen

Diversität der Augen, Ohren und Haare

Abb. 6: Diversität der Augen, Ohren und Haare

Die Schüler diskutieren über ihr(e) Mosaik(e). Sie müssen auf einen reichen Wortschatz zurückgreifen, um die individuellen Eigenheiten zu beschreiben. Die Schüler können (jeder für sich oder alle zusammen) eine kleine Zusammenfas­sung in ihre Hefte oder unter das/die Mosaik(e) schreiben.

Beispiel:

Wir sind uns alle ähnlich, und gleichzeitig ist jeder einzigartig: Das ist eine wunderbare Charakteristik der menschlichen Spezies.

Aktivität 3: Philosophische Diskussion: Gleich und unterschiedlich – was bedeutet das?

Ablauf: Die Schüler führen ihr philosophisches Gespräch fort, wobei diesmal die Erkenntnisse aus der Aktivität 2 mit einfließen.

Botschaft zum Mitnehmen: Es gibt Diskussionen, bei denen es nicht reicht, sich klar und präzise auszudrücken sowie anderen zuzuhören: Man muss auch auf Fakten verweisen, um die eigenen Meinungen zu untermauern. Es reicht nicht aus, lediglich seine Meinung zu äußern.

Pädagogische Anmerkung

Diese etwas abstraktere philosophische Diskussion ist eher etwas für die älteren Schüler (Drittklässler). Der Lehrer muss entscheiden, ob er eine solche Diskussion mit seinen Schülern durchführen kann. Wenn nicht, macht er mit ihnen einfach die Aktivitäten 1 und 2.

Der Lehrer organisiert mit den Schülern eine weitere philosophische Diskussion, wobei er wieder das Arbeitsblatt 17 (Eine philosophische Diskussion führen) zu Hilfe nehmen kann.

Er kann eine neue Frage in die Runde werfen, zum Beispiel:

Der Lehrer wird immer wieder eine Verbindung zu den Aktivitäten 1 und 2 her­stellen, insbesondere zu der wissenschaftlichen Erkenntnis bezüglich der Viel­falt (Biodiversität) der menschlichen Spezies. Er kann auch die in den beiden Aktivitäten erstellten Werke wieder hervorholen.

Im Laufe der Diskussion wird die Klasse feststellen: "Wir sehen alle ähnlich aus, wir sind alle Menschen und kommen gut miteinander aus. Wir müssen uns nicht bedroht fühlen und dürfen uns auch nicht lustig machen, wenn andere Menschen anders sind/anders aussehen als wir. Wir sind alle einzigartig, und für andere Menschen sehen wir anders aus. Diese Vielfalt ist ein Reichtum."

Lehrerin mit Schülern

Abb. 7: Die Schüler strecken ihre Hand aus.

Zusammenfassung

Der Lehrer macht die Schüler darauf aufmerksam, dass eine Diskussion nur dann produktiv ist, wenn alle bestimmte Regeln befolgen. Insbesondere muss man anderen geduldig und respektvoll zuhören und deren Standpunkte bewer­ten. Die eigenen Meinungen sollte man klar formulieren und begründen.

Die Schüler sollen Situationen aus ihrem Alltag nennen, in denen diese Regeln nicht befolgt werden: Streit, Debatten, in denen niemand dem anderen zuhört. Der Lehrer bringt die Schüler dazu, darüber nachzudenken, wie wichtig es ist, seine Meinungen auf Fakten und sorgfältige Beobachtungen zu gründen – und nicht auf Eindrücke. Eine gute Diskussion ist nicht nur ein Austausch von Mei­nungen, sondern ein Austausch von begründeten Meinungen.

Wissenschaftler legen großen Wert darauf, Fakten zu suchen/zu überprüfen, um ihre Hypothesen oder Ideen zu stützen. Sie ermitteln diese Fakten sehr methodisch und sehr rigoros. Daher kann man sich in einer Diskussion auf wissenschaftliche Fakten berufen.

Andere Themen, andere Diskussionen

Den Schülern fällt das Argumentieren immer leichter, je mehr sie es prakti­zieren. Der Lehrer kann nun in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen mit den Schülern philosophische Diskussionen führen.

Was die Wahl der Themen angeht, kann er sich von Jugend- oder Sachbüchern inspirieren lassen, die die Klasse vor der Diskussion gemeinsam liest. Das Dis­kussionsthema kann sich auch aus Schülerfragen entwickeln (die sich der Leh­rer notiert hat, oder die die Schüler in eine Kiste mit philosophischen Fragen abgelegt haben). Mögliche (naturwissenschaftliche) Themen: Gesundheit, nachhaltige Entwicklung, Wissenschaft und Gesellschaft usw.

Evaluation

Die Evaluation dieser Art von Aktivitäten ist schwierig. Der Lehrer kann – wäh­rend der Unterrichtseinheit – eine formative Evaluation durchführen (eine sum­mative Evaluation ist in diesem Fall ungeeignet). Er wird die Schüler zum Schluss wohlwollend bewerten in dem Wissen, dass die Schüler gerade anfan­gen, ihre Gedanken zu diesem Thema zu entwickeln. Der Lehrer kann für die Evaluation den Evaluationsbogen 10 (Eine philosophische Diskussion bewerten) einsetzen.

Der Evaluationsbogen 10 enthält eine Tabelle, in die der Lehrer seine Bewer­tungen notieren kann. Führt er mit den Schülern regelmäßig philosophische Diskussionen durch, kann er diese Tabelle zur Bewertung der Fortschritte jedes einzelnen Schülers verwenden.

Letzte Aktualisierung: 11.4.2018

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