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Homepage > Dokumentation > Pädagogik > Das Versuchsheft > Zeugnisse > Berichte

Berichte über den Gebrauch des Versuchsheftes

Publikation: 26.5.2007

Kommentierte Beispiele zum Gebrauch des Versuchsheftes

(Auszug aus dem Bericht von Géraldine Thomas und Emilie Regul, wissenschaftliche Begleiterinnen, École polytechnique, Abschlussjahrgang 1999)

Die Klasse von Monique (4. Klasse)

Zu Anfang des Jahres hat Monique´s Klasse über Elektrizität gearbeitet und für die Aufzeichnungen ein A4-Heft benutzt. Die Schüler/innen hatten sich die Kenntnisse ganz gut angeeignet und waren einigermaßen konstruktiv vorgegangen, aber das war den Versuchsheften kaum zu entnehmen. Das Schreiben machte den Schüler/inne/n große Mühe, sie empfanden es als Zwang, während ihnen das Experimentieren Freude machte. Monique war mit den Versuchsheften nicht zufrieden.

Mit Beginn eines neuen Moduls, zu den Bedürfnissen der Pflanzen, verteilte sie an jeden ein liniertes Heft. Die Schüler/innen sollten zunächst ihre Fragen zu den Pflanzen notieren, dann ihre Hypothesen und Ideen für Experimente. Erst dann sollten sie Hand anlegen. Nachdem die Klasse die Pflanzen in die Erde gebracht hatte, zeichneten die Schüler/innen die Veränderungen ihrer Pflanzen auf, ebenso wie die durchgeführten Versuche. Damit erschien das gesamte Vorgehen der Kinder im Heft. Sie konnten während des Unterrichts ihre Aufzeichnungen machen, aber auch in jedem freien Moment in der Klasse. Es wurde viel geschrieben und das mit viel Gefühl. Es entstand so etwas wie ein "intimes naturwissenschaftliches Tagebuch".

Daneben hatte jeder einen Ordner für Naturwissenschaften. Darin wurden die gemeinsamen Arbeiten und die Zeichnungen der Beobachtungen mit den von der Lehrerin verlangten Legenden gesammelt. Die Schüler/innen wurden angewiesen, erst in ihr Heft zu schreiben, bevor gemeinsam eine Zusammenfassung versucht wurde. Auf diese Weise wurde gegenseitige Beeinflussung vermieden. Monique nimmt am Ende jeder Stunde die Hefte in die Hand und liest, falls die Schüler/innen einverstanden sind, ohne jedoch zu verbessern. Sie tut dies eher um eine Vorstellung zu gewinnen, was die Klasse behalten hat und zu welcher Fragestellung sie gekommen ist.

Obwohl die Schüler/innen Pflanzen untersuchen, zeichnen sie nicht viel in ihr Heft. Monique meint, der Grund läge vielleicht im kleinen Format des Heftes. Aber vielleicht wäre die Ursache auch die große Anzahl von Zeichnungen im Ordner für Naturwissenschaften. Die Aufzeichnungen in den Heften erwiesen sich als allzusehr beschreibend. Monique versuchte durch andere Anweisungen zu mehr erklärenden Texten zu kommen. Sie hatte meist nur gesagt "Notiert, was ihr seht" und die Schüler/innen schrieben "Ich sehe, dass...", ohne Erklärung. Sie versuchte daher mehrere Anweisungen zu geben: "Notiert, was ihr beobachtet", "Warum ist das so?", "Was habt ihr gelernt?". Nach und nach wurden aus den Aufzeichungen Texte, die sowohl beschreibend wie auch erklärend waren.

Die Schüler/innen hielten große Stücke auf ihre Hefte und blätterten oft darin. Aber man muss auch sagen, dass die Pflanzen sie mehr interessierten als die Elektrizität, die Pflanzen waren eine wirkliche Entdeckung für sie. Ein Drittel der Kinder hatte sich schon in der 3. Klasse mit Elektrizität beschäftigt. Eine Kleine hatte sogar gesagt: "Ich mag dieses Heft, denn jetzt kann ich in der nächsten Klasse sehen, welche Fehler ich in der vorherigen gemacht habe, die ich dann nicht mehr machen werde."

Die Klasse von Atika (3./4. Klasse)

Die Kinder in Atika´s Klasse haben schon im Vorjahr an einem La main à la pâte-Projekt gearbeitet. Also hat Atika sich die Versuchsordner der Kinder geholt: Die Ordner enthalten alles was im Lauf des Jahres erarbeitet wurde und sie sind gleichzeitig Ordner für Geschichte und Erdkunde. Der naturwissenschaftliche Teil besteht aus zwei Teilen:
1. "Was ich mache": die persönlichen Aufzeichnungen, auf die die Lehrerin keinen direkten Einfluss ausübt und
2. "Was ich behalte": der Teil, der den gemeinsam von Klasse und Lehrerin verfassten und von letzterer gutgeheißenen Zusammenfassungen vorbehalten ist.
Im nächsten Jahr wird Atika den Ordner durch etwas anderes ersetzen: Sie ist mit dem Gebrauch des Ordners nicht zufrieden. Vor allem, weil die Blätter durcheinander geraten und manchmal verloren gehen. Überhaupt ist in diesem Alter ein solcher Ordner nicht leicht zu handhaben. Aber auch die Zweiteilung in "Was ich mache" / "Was ich behalte" gefällt ihr nicht, weil sie die Chronologie und damit den Arbeitsfortschritt nicht genügend beachtet. Wahrscheinlich nimmt sie im nächsten Jahr ein Heft, das die Kinder stets zur Hand haben, mit einem Farbcode zur Unterscheidung von persönlichen und gemeinsamen Aufzeichnungen.

In diesem Jahr hat sie über zwei Themen gearbeitet: "Luft" und "Insekten" - dazu eine Aufzucht von Seidenraupen. Meistens muss die Lehrerin die Kinder zum Schreiben in ihren Ordner anregen. Dies mit hinreichend allgemein gehaltenen Anweisungen, die die Kinder nicht blockieren. Die Niederschriften sind oftmals sehr reichhaltig: Bei manchen Kindern sind sie noch sehr deskriptiv, aber viele sind schon zur wissenschaftlichen Aufzeichnung übergegangen: Fragestellung der Kinder, Formulierung von Hypothesen, genaue Erklärungen. So manches Kind mit Lernschwierigkeiten kommt zu bemerkenswerten Ergebnissen: lange Niederschriften, gegliedert, mit Bindewörtern, mit Absätzen zu jedem neuen Gedanken. Die Lehrerin sagt, dass diese Kinder im Französischunterricht nie soviel geschrieben hätten. Gewiss sind die Rechtschreibfehler noch da, aber geschrieben wird ganz spontan.

Den Kindern ist von selbst klar geworden, dass sie ihr Heft sorgfältig und genau führen müssen. In den der Beobachtung der Seidenraupen gewidmeten Unterrichtsstunden hat die Lehrerin die Kinder ihre Beobachtungen, ihre Fragen und Hypothesen frei aufschreiben lassen. Nach und nach erwuchsen den Kindern Schwierigkeiten. Sie hatten das Beobachtungsdatum nicht notiert und konnten ihre Blätter nicht mehr der Reihe nach ordnen, sie konnten ihre Hypothesen nicht mehr von den Ergebnissen aus Beobachtungen, Experiment oder Unterlagenrecherche unterscheiden. Auf Verlangen der Kinder wurde daher eine Stunde eingeschoben, um die Beobachtungen zu ordnen und ein Beobachtungsschema zu erarbeiten.


Das Versuchsheft aus der Sicht von zwei Lehrenden

(Auszug aus Mapmonde Nr. 8 – Juni 1999)

Das Versuchsheft ist ein Spezifikum von La main à la pâte, und eine große Unbekannte für zahlreiche Lehrende. Manche machen zwar davon Gebrauch, aber es fehlen Mittel und Gelegenheit sich auszutauschen. Daher haben wir 4 Interviews mit Lehrenden unterschiedlicher Horizonte geführt, die sich mehr oder weniger lang mit La main à la pâte beschäftigt haben.

"Die Schüler/innen sind begeistert, wenn sie entdecken, dass ihr Heft sozusagen das Gedächtnis für ihre Arbeit ist."

Ich unterrichte in einer 1. und 2. Klasse. Ich habe zu Beginn des Jahres mit La main à la pâte angefangen und ich widme diesem Unterricht mehr als zwei Stunden pro Woche.

Für mich ist das Versuchsheft ein Arbeitsmittel, das der Vorgehensweise dient. Zu Beginn habe ich sie in ihr Heft die Sparten "Hypothesen", "Gegenüberstellung", "Problemlage" und "Lösung des Problems" schreiben lassen. So haben sie bei jeder neuen Fragestellung automatisch diese Vorgehensweise im Kopf. Ich habe mit dem Heft in erster Linie eine Methode eingeführt, eine Haltung zur naturwissenschaftlichen Arbeit. Das (großformatige) Heft enthält alle Arten von Aufzeichnungen: persönliche, diejenigen der Gruppe, diejenigen der Klasse. Der einzige Unterschied zwischen den verschiedenen Niederschriften ist der Gebrauch von "ich" in den persönlichen und von "wir" in den kollektiven. In Zukunft werde ich, glaube ich, einen Farbcode zur besseren Unterscheidung einführen.

Die Aufzeichnungsformen sind sehr unterschiedlich: Sätze, Zeichnungen, schematische Darstellungen mit Legenden, Tabellen, Histogramme. Ich habe mich entschieden, Fehler im Heft zu korrigieren, aber ich bin nicht ganz zufrieden damit. Ich habe festgestellt, dass manche Fehler immer wieder auftauchen. Vielleicht sollte man eigens Rechschreibstunden für die gebräuchlichsten Wörter einrichten. Zum Heft gehört ein kleines Heft, das nur die von der Klasse nach mehreren Unterrichtsstunden zum gleichen Gegenstand erarbeiteten wissenschaftlichen Schlussfolgerungen enthält.

Im Prinzip schreiben die Schüler/innen gleich im Anschluss an die praktische Tätigkeit. Während sie experimentieren haben sie ihr Heft zur Hand und wechseln zwischen Handgriffen und Schreiben. Ich fordere die Schüler/innen energisch zum Nachlesen auf, weil ich feststellen konnte, dass sie bestimmte Schlussfolgerungen vergessen. Ich habe Stunden eingeführt, in denen sie in Gruppen und unter Benutzung ihrer Hefte aufschreiben, was sie von dem behandelten naturwissenschaftlichen Gegenstand behalten haben. Es kommt auch vor, dass ein Kind ein Frage stellt, die die Klasse bereits bearbeitet hat. Dann lasse ich sie die Antwort in ihren Heften suchen und oft sind sie erstaunt, sie dort auch zu finden. Das Heft hilft auch, eine Tätigkeit wieder in Gang zu setzen. Wenn die Schüler/innen keine Fragen mehr zu stellen wissen, suchen sie in ihren Heften alte Fragestellungen und nehmen sie mit neu entfachtem Interesse wieder auf. Sie merken, dass sie tatsächlich eine Menge wichtiger Informationen gespeichert haben. Sie sind begeistert, wenn sie feststellen dass dies Heft sozusagen das Gedächtnis für ihre Arbeit ist.

Für die Kinder war der Gebrauch des Heftes eine ganz spontane Angelegenheit. Als die Schüler/innen und ich das Leben in der Klasse im Hinblick auf das Projekt La main à la pâte eingerichtet haben, ist uns gleich das Heft als das ideale Werkzeug aufgefallen. Ebenso brauchten wir einen Tisch am Fenster für unsere Pflanzen. Die Schüler/innen haben den Nutzen gleich begriffen. Das Heft ist ein enormer Ansporn.

Dank des Heftes haben die Schüler/innen große Fortschritte in der Handhabung der verschiedenen Schriftformen erzielt. Besonders die Schüler/innen der 1. Klasse, die sofort dem Beispiel der Zweitklässler/innen nacheiferten. Aber auch die naturwissenschaftliche Herangehensweise haben die Kinder sich dank des Heftes sehr schnell angeeignet.

Dominique Perrigault
École Jules Ferry
36 rue J. Ferry
93170 Bagnolet (Seine Saint Denis)


"Mein Versuchsheft ist eher ein traditionelles naturwissenschaftliches Heft, in das ich ein bisschen La main à la pâte einstreue."

Ich habe im Lauf des letzten Jahres in meiner 4./5. Klasse mit La main à la pâte begonnen. Der Unterricht dauert ungefähr eine Stunde und findet im Allgemeinen einmal wöchentlich statt.

Ich habe keine genauen Vorstellungen zum Versuchsheft und kann auch nichts Außergewönliches dazu sagen. Praktisch benutze ich das "übliche" Naturwissenschaftsheft, das für den naturwissenschaftlichen Unterricht vorgesehen ist. Sie schreiben in diesem Heft auf, was sie tun, was sie unternehmen, was sie finden und was sie nicht finden. Aber wir notieren auch unsere naturwissenschaftlichen Schlussfolgerungen im Heft. Die persönlichen Aufzeichnungen unterscheiden sich von den gemeinsamen durch Formulierungen wie "Meine Untersuchungen", "Meine Feststellungen", "Ich glaube, dass...". Verwechslungen sind nicht möglich. Die Aufzeichnungsformen sind sehr verschieden: Texte, Zeichnungen, schematische Darstellungen, Grafiken, Artikel aus Unterlagenrecherchen (zum Beispiel aus dem Encarta-Lexikon). Es fällt mir immer noch schwer, die Rechtschreibfehler stehen zu lassen. Ich glaube, das Kind fühlt sich nicht wirklich gestört, wenn ich ein paar "s" hinzufüge [das Plural-s wird im Französischen von den Schulkindern genau so gern "vergessen", wie im Deutschen etwa die Umlaute, Anmerkung des Übersetzers]. Ich neige dazu, immer gleich zu korrigieren, weil ich vermeiden möchte, dass das Kind fehlerhafte Texte erneut liest.

Während des Versuchs und gleich danach können die Schüler/innen aufschreiben, was ihnen gerade einfällt. Ich verlange nur, dass sie nicht "ins Unreine" schreiben. Ich sage ihnen auch wiederholt, dass sie nicht wegen der Rechtschreibung innehalten sollen.

Die Schüler/innen benutzen das Heft ganz selbstverständlich, es ist für sie nichts Besonderes. Ich arbeite oft auch in anderen Fächern, wie Geschichte, mit Heften, in denen die Schüler/innen frei schreiben können.

Bisher ist mein Heft eher ein traditionelles naturwissenschaftliches Heft, in das ich ein bisschen La main à la pâte einstreue. Vielleicht sollte ich ein wirkliches Versuchsheft einführen, das nur persönliche Aufzeichnungen enthält, und in dem die Rechtschreibung dann möglicherweise unkorrigiert bleibt. Falls ich das mache, werde ich die Eltern benachrichtigen. Das Naturwissenschaftsheft würde ich beibehalten für die von der ganzen Klasse gebilligten Ergebnisse. Andererseits sollte eine Verbindung zwischen den beiden Heften bestehen. Ein Gedanke wäre, ein einziges Heft zu benutzen, aber Vor- bzw. Rückseite jeweils einer der beiden Bestimmungen zuzuordnen. Ich bin mir noch immer nicht sicher. Das Grundproblem des naturwissenschaftlichen Unterrichts ist nicht, ob es ein Versuchsheft gibt oder nicht, ob korrigiert wird oder nicht. La main à la pâte betont die Herangehensweise gegenüber den Inhalten. Das führt unweigerlich zu der Frage: "Über welches Wissen muss ein/e Schüler/in verfügen, wenn er/sie in die Oberschule kommt?"

M. Tabard
École primaire d'Yquelon
Avenue de l'Europe
50400 Yquelon (Manche)


Sprache und Naturwissenschaften, Naturwissenschaften und Sprache

(Auszug aus Mapmonde Nr. 4 – Mai 1998)

Die natuwissenschaftliche Aufzeichnung ist für ein Kind in der Grundschule eine schwierige Übung, aber sie ist zu bewältigen, wenn man ihm hilft, sich das notwendige Wissen über diese Art Aufzeichnung anzueignen.

In allen Fächern, und vielleicht besonders in den naturwissenschaftlichen, treten allein mit der Forderung nach "Spontaneität" eine Reihe von Notwendigkeiten in Erscheinung, die sprachliche Übungen rechtfertigen. Oft ist das Schreiben schwer und arbeitsaufwendig, man muss wissen, dass man Zeit braucht. Man muss die Schüler/innen dazu bringen:

Solche Übungen im schriftlichen Ausdruck macht man in Unterrichtsstunden, in denen eigens die Sprache zum Untersuchungsgegenstand wird. In der naturwissenschaftlichen Herangehensweise ist der schriftliche Ausdruck von Gedanken kein Ziel an und für sich, sondern ein Mittel, seine Gedanken zu ordnen, zu strukturieren, zu formalisieren. Sich in Worten auszudrücken heißt, dem was man gerade getan hat, einen Sinn zu geben, etwas festzustellen, zu entdecken. Am Anfang muss man jedoch acht geben, dass die sprachlichen Forderungen nicht dem gesetzten naturwissenschaftlichen Ziel abträglich sind. Die Zwänge des Schriftlichen dürfen den Ausdruck einer Erkenntnis, die Entwicklung einer Forschungshaltung nicht behindern.

Weil sie Wissen hervorbringt, trägt die naturwissenschaftliche Tätigkeit zur Entwicklung der Fähigkeit zu präzisen Schriften bei: beschreibende, anweisende, erklärende, argumentierende Texte... Die Sprache ist an der Konstruktion eines Konzepts beteiligt, sie dient in der wissenschaflichen Tätigkeit zugleich einem zur Mitteilung bestimmten Wissen, sie wird in ihrer transversalen Dimension verwendet.

Die naturwissenschaftliche Aufzeichnung ist für Schüler/innen der Grundschule eine schwierige Übung aber sie ist möglich. Wir haben diese Übung durchgeführt und führen sie auch weiterhin durch.

Armelle Caignec Dupont und Suzanne Christophe
IMF (3. und 4. Klasse)
Annexe de Saint Germain en Laye

Letzte Aktualisierung: 11.2.2014

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