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Homepage > Dokumentation > Pädagogik > Das Versuchsheft > Zeugnisse > Idee von Georges Charpak

Die Idee von Georges Charpak

Publikation: 26.5.2007

Überlegungen von Georges Charpak, Mitglied der Académie des Sciences und Physik-Nobelpreisträger von 1992

Kleine Kinder sind von Natur aus junge Forscher: Sie denken nach, stoßen auf Probleme, auf Dinge und Erscheinungen, die sie nicht kennen und die sie zu deuten suchen. Sie machen Annahmen. Annahmen, die falsch sind, die ein Leben lang falsch bleiben, wenn man die Kinder nicht anleitet.

Gibt man dem Kind aber vernünftig ausgesuchtes Material in die Hand, damit es den Dingen, die es sieht und denen es im täglichen Leben begegnet (Wasser, Elektrizität, Musik, Licht und Schatten...), nachgehen kann, kommt man womöglich zu etwas ganz Außerordentlichem. Solche Kinder lernen, was eine Annahme ist, sie lernen zu lesen und zu schreiben, und weil sie in Vierergruppen arbeiten, lernen sie miteinander zu diskutieren. Sie werden zu politischen Menschen, die diskutieren und die sagen "ich bin nicht einverstanden", auch wenn das größte und stärkste Kind zuerst nach dem Strahler greift, dessen Licht den Schatten werfen soll. Sie werden Mitbürger. Wenn sie sich eine ganze Reihe von Sachverhalten erklären müssen, ensteht eine Art überlegtes Nachforschen, bei dem sie das vernünftige Denken ausbilden.

Die Unterrichtsmethode ist keine bei der man das Kind sich vergnügen und mit allerlei Gegenständen üben lässt, es handelt sich nicht um den täglichen Museumsbesuch, damit die Kleinen lernen, sich zu benehmen. Hier wird in wohl überlegten Schritten so gearbeitet, dass man nach 5 oder 6 Jahren wirklich sehr viel weiter gekommen ist.

Allein das Versuchsheft, das man führt, das man mit nach Hause bringt, zeigt schon, dass wir zwischen dem Beginn und dem Ende des Jahres ganz einfach einen entscheidenden Schritt vorangekommen sind. Ein Kind, das 5 oder 6 Jahre lang gelernt hat, Berichte zu schreiben, hat nicht einfach nur Schreiben gelernt.

Ich möchte die zuständigen Stellen, Institutionen wie die Lehrerbildungsinstitute mit allem Nachdruck auffordern, die Methode sorgfältig zu prüfen, Lehrende auszubilden und Materialien zur Verfügung zu stellen.

Auch ein wohlmeinender Lehrer kommt, von Zauberei und wenigen Ausnahmen abgesehen, mit einem Buch allein nicht sehr weit. Wenn der gleiche Grundschullehrer in der Methode ausgebildet wird, ausgerüstet mit einem Baukasten, der alles enthält, was die Schüler/innen brauchen, mit einer guten Gebrauchsanweisung, mit einer CD, mit einem Internetzugang, damit er sich mit den Ausbildern austauschen kann – ist das eine ganz andere Angelegenheit; er ist sich seiner Sache sicher und es wird ihm auch zugestanden, dass er herumprobiert.

Warum halte ich diesen Ansatz für so wichtig?

Die Kinder lernen zu denken, sie bilden ihren Geist aus, die Methode erleichtert ihnen die Arbeit in den anderen Fächern. Aber wie dem auch sei, ich bin überzeugt, dass wenn man unter diesen Umständen zu denken gelernt hat, zu schreiben und zu lesen, wenn man in jeder Unterrichtsstunde mit Freude bei der Arbeit war, wir eine neue Schülergeneration haben werden, die nicht blind gehorcht, die sich ein Bild von den Dingen macht, die prüft und verifiziert. Was grundlegend wichtig ist, wenn man Mitbürger erziehen möchte. Dies soll eine Schule für politisch denkende Menschen sein.

Die Naturwissenschaften eigenen sich sehr gut zu diesem Zweck. Aber Naturwissenschaft ist nicht die technische Anwendung, sondern die Entdeckung von Naturgesetzen. Es geht nicht darum, den Kopf mit einer riesigen Menge von Kenntnissen voll zu stopfen. Es geht darum zu lernen, wie man bestimmte Gesetze durch Versuche entdeckt. Man fördert konzeptuelles Denken und nicht die Anwendung von Rezepten.

Wir möchten, dass alle Kinder Zugang zu dieser Methode haben; der Zugang zur Kultur soll so gestaltet sein, dass die Schule allen Kindern die Chance zu der Bildung gibt, die diejenigen haben, die in kulturbewussten Familien zur Welt kommen.

Letzte Aktualisierung: 28.6.2013

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