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Grundlagen der phylogenetischen Klassifikation

Autor:
Publikation: 30.8.2006
Herkunft: La main à la pâte, Paris

Im Laufe der Erdzeitalter haben sich die Organismen weiterentwickelt, d.h. die Vorfahrenarten haben neue Linien hervorgebracht. Diese neuen Linien haben im Allgemeinen einen Großteil der Merkmale ihrer Vorfahren unverändert beibehalten, während sich einige ursprüngliche Merkmale im Laufe der Zeit verändert haben und dazu neue auftauchen konnten. Die natürliche Selektion hat die Organismen eliminiert, die schlecht an die Umweltbedingungen angepasst waren, wohingegen sich andere ausbreiten konnten.

Die phylogenetische (stammesgeschichtliche) Klassifikation zielt darauf ab, Informationen über den Verwandtschaftsgrad zwischen den Lebewesen und damit über die Evolution der Arten zu liefern. Daher klassifiziert sie die Lebewesen, indem sie sich auf ihre gemeinsamen Merkmale stützt (Wirbel, Federn, Schnabel usw.), weil sie diese von einem gemeinsamen Vorfahren geerbt haben. Im Gegensatz zu früheren Klassifikationen berücksichtigt sie keine Merkmale, die die Organismen nicht haben, beispielsweise die Abwesenheit von Wirbeln, die früher als ein Merkmal angesehen wurde, um ein Tier der Gruppe der Wirbellosen zuzuordnen.

Foto: Mauereidechse

Mauereidechse

Foto: Blindschleiche

Blindschleiche
Auch wenn die Abwesenheit von Beinen dies vermuten ließe, ist die Blindschleiche keine Schlange, sondern eine Eidechse.

Genauso stützt sich die Klassifikation nicht mehr auf das, was die Lebewesen tun (gehen, fliegen, kriechen), denn sie erben von ihren Vorfahren Strukturen (Knochen, Gliedmaßen usw.), die sich im Laufe der Evolution verändern können. So können die Extremitäten der Säugetiere, obwohl sie alle denselben Bauplan haben, zum Gehen (Mensch), Schwimmen (Delfin) oder Fliegen (Fledermaus) dienen.

Gliedmaßen von Wirbeltieren

Die Gliedmaßen der Wirbeltiere haben denselben Bauplan und einen gemeinsamen evolutionären Ursprung. Aber sie können verschiedene Funktionen unterstützen (gehen, fliegen, greifen).

Auf der anderen Seite kann eine Fortbewegungsart, beispielsweise der Flug, auf Strukturen beruhen, die keine verwandtschaftliche Beziehung aufweisen, wie die Flügel der Vögel und die der Insekten.

Fotos: Wasservögel und Schmetterling

Obwohl sie beide zum Fliegen dienen, haben die Flügel der Vögel und die der Insekten keinen gemeinsamen evolutionären Ursprung.

Schließlich berücksichtigt die Klassifikation weder die Art, wie die Lebewesen vom Menschen genutzt werden, noch an welchem Ort sie leben. Das übliche Küchenvokabular (Fische, Meeresfrüchte, Gemüse) ist nur ein nützliches Ordnungssystem, das in keiner Weise die Klassifikation der Lebewesen widerspiegelt.

Foto: verschiedene Meeresbewohner

Die Begriffe "Fisch" oder "Meeresfrüchte" sind praktische kulinarische Bezeichnungen ohne Bezug zur Klassifikation der Lebewesen. So ist die Makrele ein Wirbeltier (Strahlenflosser), die Auster ein Weichtier (Muschel) und die Garnele ein Gliederfüßer (Krebs).

Bestimmungsschlüssel können hingegen aus praktischen Gründen Merkmale berücksichtigen, die von der phylogenetischen Klassifikation verworfen wurden, da es in diesem Fall ja nur darum geht, ein Tier richtig zu bestimmen. Wenn man beispielsweise versucht eine Tierart zu bestimmen, kann das Fehlen von Beinen oder Flügeln die Suche eingrenzen, ohne dass dies jedoch ein Element der Klassifikation darstellt.

Das Vokabular alter Klassifikationen ist allerdings noch immer gegenwärtig, sogar bei den Biolog/inn/en, und ist in zahlreichen Schriften, insbesondere in Schulbüchern, anzutreffen. Dort findet man häufig Hinweise auf bestimmte Gruppen wie beispielsweise die Wirbellosen, die Fische oder die Reptilien, die jedoch keine von der aktuellen Klassifikation anerkannten systematischen Einheiten oder Taxa darstellen. So entsprechen die Wirbellosen alter Klassifikationen im aktuellen System etwa dreißig verschiedenen Linien, die miteinander nicht näher verwandt sind als mit den Wirbeltieren. Die Unterscheidung zwischen Wirbeltieren und Wirbellosen ist daher heute nicht mehr sinnvoll. Zum Beispiel ähneln sich Ringelwürmer (Regenwurm), Weichtiere (Schnecke) und Gliederfüßer (Kaiserhummer) untereinander nicht mehr als sie Wirbeltieren ähneln, und deshalb besteht überhaupt kein Grund, sie zusammenzufassen, während sie in alten Klassifikationen der Gruppe der Wirbellosen zugeordnet wurden. Diese Gruppierungen basierten auf der Tatsache, dass der Mensch als krönender Abschluss der Evolution angesehen wurde; da er zu den Wirbeltieren gehört, stellten diese den letzten Ast dar, den die Evolution hervorgebracht hatte, wobei der Mensch den Gipfel der Hierarchie einnahm. Die aktuelle Klassifikation hat sich von der anthropozentrischen Sichtweise befreit und spiegelt heute nur noch die evolutionären Verwandtschaftsbeziehungen wider. Dabei wird die menschliche Rasse, der Homo sapiens, nicht mehr als Ende der Evolution angesehen. Gleichermaßen hat das Studium der "Fische" und der "Reptilien" die Biolog/inn/en veranlasst, die verschiedenen Arten in neue Gruppen einzuteilen, die aufgrund ihrer evolutionären Verwandtschaft zusammengestellt werden. So werden gewisse Fische heute der Gruppe der Strahlenflosser (Actinopterygii), andere aber wie die vierbeinigen Wirbeltiere den Muskelflossern (Sarcopterygii) zugeordnet.

Das nachstehende Schema zeigt die Verschachtelung der Gruppen, wie sie sich aus der aktuellen Klassifikation ergibt, die auf gemeinsamen Merkmalen verschiedener Arten einiger ausgewählter Tiere beruht. Sie ist der Unterrichtseinheit Die Klassifikation der Lebewesen entnommen.

Eingruppierung der Tiere aus der Abbildung 1, Stammbaum

Letzte Aktualisierung: 11.2.2014

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