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Homepage > Aktivitäten > Wissenschaft > Herangehensweise > Wissenschaftlich denken, kritisch denken > Klasse 4 bis 6 > 4: Argumentieren > Sollte man Nuletta essen?

4.2: Sollte man Nuletta essen?

1 4.2: Sollte man Nuletta essen? 2 4.3: Die Bildschirmmedien und ich
Autor/inn/en:
Publikation: 1.11.2017
Lernstufe: 3
Übersicht: Die Schüler untersuchen Presseartikel über eine Frage, die wissenschaftlich und ethisch kontrovers ist. Sie bilden sich eine persönliche Meinung. Sie lernen, den Standpunkt anderer einzunehmen, um den Streitgegenstand besser zu begreifen und um festzustellen, dass die Sachlage manchmal komplex ist und eine Meinung differenziert sein kann.
Angestrebte Kenntnisse: Wissenschaftlich denken, kritisch denken: Ein gutes/stichhaltiges Argu­ment erkennen.
Für Fortgeschrittene: Unter den stichhaltigen Argumenten diejenigen erkennen, die auf Fakten basieren.
Kompetenzen: Mit Unterstützung des Lehrers forschendes Lernen betrei­ben: Ein Dokument untersuchen, das aus Text, Schemas, Grafiken, Tabellen, einem einfachen Algorithmus besteht; Problemlösung; Begriffsbildung; Argumentation; beobachten und fragen können; rational begründen können.
Schwerpunkt: Weltanschauungs-/Lebenskundeunterricht, Medien und Kommunikation, Deutsch, Sachunterricht
Dauer: Aktivität 1: 1 Stunde bis 1 Stunde 15 Minuten
Aktivität 2: 1 Stunde bis 1 Stunde 30 Minuten
Material: Für die Aktivität 1: Für die Aktivität 2 (für jede Schülergruppe): Für jeden Schüler:
Herkunft: La main à la pâte, Paris

Aktivität 1: Nuletta-Alarm?

Ablauf: Die Schüler untersuchen Presseartikel über eine Frage, die wissenschaftlich und ethisch kontrovers ist (Phase 1). Sie führen eine philosophische Diskussion (Phase 2).

Botschaft zum Mitnehmen: Bei manchen Themen sind nicht alle einer Meinung, man spricht von kontroversen Themen (oder umstrittenen Themen).

Phase 1: Literaturrecherche (ca. 20 min)

Die Schüler werden in Zweiergruppen aufgeteilt. Jede Gruppe erhält entweder den Presseartikel "Nuletta-Alarm" oder die Anzeige der Firma Nuletta aus dem Arbeitsblatt 37 (Zeitungsartikel über Nuletta / Anzeige von Nuletta). Es sollten mehrere Gruppen an jedem der beiden Dokumente arbeiten, so dass der Austausch während der gemeinsamen Erörterung lebhafter wird.

Die Gruppen beantworten selbstständig die folgenden Fragen:

Phase 2: Philosophische Diskussion (ca. 40 min)

Der Lehrer fragt: "Nuletta enthält Palmöl. Darf man trotzdem Nuletta essen?" Die Klasse erörtert die Frage auf der Grundlage der beiden Dokumente und der persönlichen Erfahrung der Schüler.

Pädagogische Anmerkung

Die hier vorgeschlagenen philosophischen Diskussionen gehen zurück auf die Philosophie für Kinder von Matthew Lipman. Lipman entwickelte in den 1970er Jahren in den USA philosophische Aktivitäten für Kinder. Weiterführende Informationen findet man im Internet unter den Stichworten Matthew Lipman, Philosophie für Kinder, Sokratisches Gespräch. Siehe zum Beispiel: Philosophieren mit Kindern (Universität Hamburg).


Zeitungsartikel über und Anzeige von Nuletta

Abb. 1: Zeitungsartikel über Nuletta und Anzeige der Firma Nuletta
(Arbeitsblatt 37, Bildnachweis) (zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Die Schüler und der Lehrer setzen sich im Kreis zusammen. Der Lehrer klärt die Schüler über die Regeln einer philosophischen Diskussion auf. Das Ziel ist, gemeinsam ein Problem zu lösen, gemeinsam nach Antworten auf eine ganz bestimmte Frage zu suchen. Man kämpft nicht gegen die anderen. Es geht auch nicht darum, Recht zu haben oder die Ansichten der zuvor untersuchten Dokumente zu verteidigen.

Der Lehrer beschließt vorab, wie lange die Diskussion dauern wird (30 bis 45 Minuten, je nach Alter und Diskussionserfahrung der Schüler). Er informiert die Schüler über die Länge der Diskussion. Er erläutert die Regeln für eine philosophische Diskussion (Arbeitsblatt 17). Eine solche Diskussion ist anders als eine freie Diskussion ohne Regeln.

Schülerkreis

Abb. 2: Die Klasse führt eine philosophische Diskussion.

Die Diskussion beginnt. Manche Kinder essen zu Hause Nuletta (oder eine andere Nuss-Nougat-Creme), andere Kinder nicht. Die Schüler nennen die Gründe dafür, dass sie (kein) Nuletta essen – ihre eigenen Gründe (die höchstwahrscheinlich diejenigen ihrer Eltern sind). Manche Kinder haben vielleicht schon von der Palmölkontroverse gehört. Manche Kinder kommen vielleicht aus Asien oder Afrika, wo Palmöl üblicherweise zum Kochen verwendet wird. Es gibt vielfältige Aspekte, die im Rahmen dieser Thematik diskutiert werden können.

Der Lehrer greift immer wieder in die Diskussion ein. Er formuliert die Äußerungen der Schüler neu und untermauert ihre Behauptungen. Er gibt der Diskussion eine neue Richtung, wenn vielversprechende Stichworte gefallen sind. Er macht die Schüler auf die gemeinsamen Standpunkte und die Streitpunkte aufmerksam. Er erläutert, was eine stichhaltige Aussage ist, verwaltet die Redezeit, bittet einen Schüler eventuell, seine Aussage genauer zu formulieren oder umzuformulieren bzw. sie zu entwickeln. Er lobt und würdigt, was gesagt wird, ermuntert, beurteilt nicht und gibt seine eigene Meinung nicht kund. Er kann die Schüler auch bitten, sich gegenseitig zu helfen.

Während der Debatte wird nicht abgestimmt: Das Ziel einer philosophischen Diskussion ist nicht, demokratisch eine Entscheidung zu treffen, sondern Argumente zu begründen und zu untermauern, Begriffe näher zu erläutern, Unklarheiten auszuräumen – und zwar alle zusammen, durch gemeinsames Argumentieren.

Ist die Diskussion beendet, kann der Lehrer die Schüler bitten, in ein zwei Sätzen, mit einigen Stichpunkten oder einer Zeichnung die Synthese der Diskussion oder eine gemeinsame Zusammenfassung (falls es eine gibt) in ihren Heften festzuhalten. Die Schüler können auch ihre persönliche vorläufige Meinung aufschreiben.

Antworten auf die Eingangsfragen

Abb. 3: Antworten auf die Eingangsfragen (zum Vergrößern auf das Bild klicken)

Die Klasse kann auch eine allgemeinere Zusammenfassung geben zum Begriff "Kontroverse" verfassen.

Beispiel:

Bei manchen Themen sind nicht alle einer Meinung, man spricht von kontroversen (oder umstrittenen) Themen. Die Frage ist nun, wie man sich eine persönliche, solide und gut begründete Meinung bildet.

Aktivität 2: Palmöl verwenden oder nicht? – Welchen Standpunkt sollte man einnehmen?

Ablauf: Die Schüler gehen der Frage des Palmöls nach, das in einem fiktiven Brotaufstrich (Nuletta) enthalten ist. Dazu steht ihnen ein Satz Karten mit Argumenten zur Verfügung (Phase 1). Sie sollen versuchen, die Haltung von Leuten zu verstehen, die unterschiedliche Interessen an Nuletta haben (Phase 2). Zum Schluss sollen sie sich eine persönliche Meinung über Nuletta bilden.

Botschaft zum Mitnehmen: Wenn ein Thema kontrovers ist, gibt es Argumente dafür und dagegen. Wichtig ist, dass man gut informiert ist, um sich ein genaues Bild zu machen.

Phase 1: Literaturrecherche und Sortieren von Argumenten (ca. 30 min)

Die Schüler sollen die Hintergründe einer kontroversen Frage erforschen und dokumentieren. Sie sollen wissenschaftliche Fakten zu dem Thema berücksichtigen und verstehen.

Die Schüler werden in fünf (wichtig!) Gruppen aufgeteilt. Der Lehrer gibt jeder Gruppe einen Umschlag mit Karten aus dem Arbeitsblatt 38 (Palmöl-Kartenspiel: Teil 1 und Teil 2). Die Kinder sollen den Inhalt der Karten zur Kenntnis nehmen und sie so auf dem Tisch verteilen, dass diejenigen, die ihrer Meinung nach zusammengehören, nebeneinanderliegen. Sind die Karten sortiert, geht der Lehrer die einzelnen Kategorien mit den Schülern schnell durch. Es gibt zum Beispiel Karten aus dem Bereich Gesundheit, andere zum Thema Umwelt, wiederum andere zu wirtschaftlichen Aspekten, und solche, auf denen eine Alternative zum Nuletta-Konsum vorgeschlagen wird. Eine sehr sachliche Karte bleibt meistens allein liegen: die Karte mit der Information über den jährlichen Palmölkonsum pro Einwohner.

Sortieren der Karten

Abb. 4: Sortieren der Karten

Andere Schüler haben die Karten vielleicht anders sortiert: nach Vorteilen und Nachteilen der Palmölverwendung. Ihre Gedanken und Bemerkungen können als Übergang dienen. Jede Gruppe bekommt nun eine Skala (Arbeitsblatt 39), um die Verwendung von Palmöl zu bewerten.

Die Schüler sollen erneut die Karten sortieren, diesmal entlang der Bewertungsskala. Welche Argumente sprechen für eine Verwendung von Palmöl, welche dagegen? Gibt es Argumente (Karten), die keiner dieser beiden Kategorien zuzuordnen sind? Karten, die eher Fakten enthalten und die man eher auf die Mitte der Bewertungsskala legen sollte? Die Schüler arbeiten zunächst selbstständig. Anschließend organisiert der Lehrer eine gemeinsame Erörterung. Es gibt Argumente für die Verwendung von Palmöl und Argumente dagegen. Die beiden strittigsten Punkte betreffen:

Sortieren der Karten mit Bewertungsskala

Abb. 5: Sortieren der Karten mit Bewertungsskala

Sich zu diesem Thema eine Meinung zu bilden ist schwerer, als es zunächst erscheint, Das wird bei dieser gemeinsamen Erörterung deutlich. Es ist wichtig, dass man alle Fakten in der Hand hat.

Literatur zur Palmöldebatte

Phase 2: Stellung beziehen und Folgen für den eigenen Alltag (ca. 30 min)

Die Schüler versetzen sich nun in die Rolle von Personen, die unterschiedliche Interessen an der Verwendung von Palmöl haben. Der Lehrer schneidet aus dem Arbeitsblatt 40 die verschiedenen Verbrauchertypen aus. Er gibt jeder Gruppe eine "Rollenkarte". Es gibt den Unternehmer und Besitzer der Firma Nuletta, den Primatologen, den sorglosen Verbraucher, den verantwortungsbewussten Verbraucher und den militanten Verbraucher. Die Haltung und die Interessen der verschiedenen Personen sind auf den Karten beschrieben. Der Lehrer fragt die Schüler nun: "Schaut euch die Karten entlang eurer Bewertungsskala an. Auf welche Karten reagieren die verschiedenen Personen am empfindlichsten?" Was sind für sie die wichtigsten Punkte?

Hier ist ein Beispiel. Es gibt allerdings keine "richtige" Antwort. Die Schüler können frei argumentieren.

Sortierung der Karten

Abb. 6: Die Standpunkte von Personen mit unterschiedlichen Interessen

Während der gemeinsamen Erörterung sollten sich die Schüler darüber Gedanken machen, welche direkten Konsequenzen im Alltag die Einstellungen der drei Verbrauchertypen (sorglos, verantwortungsbewusst und militant) haben.

Die Schüler sagen vielleicht, dass dem sorglosen Verbraucher alles egal ist, er wird weiterhin Nuletta essen, ohne sich Gedanken zu machen. Der verantwortungsbewusste Verbraucher entschließt sich vielleicht dazu, Brotaufstriche ohne Palmöl zu kaufen oder selbstgemachte Brotaufstriche zu essen. Oder er beschließt, einfach weniger Nuletta zu essen, nur ab und zu. Die Schüler sind der Meinung, dass er nicht unbedingt bei Protestaktionen mitmacht. Der militante Verbraucher isst dagegen überhaupt kein Nuletta. Er nimmt an Protestaktionen gegen Nuletta teil oder organisiert selber Protestaktionen: Demonstrationen, Online-Petitionen, Tragen von Buttons usw.

Zusammenfassung

Die Schüler verfassen, individuell oder alle zusammen, eine Zusammenfassung.

Beispiel:

Ist Palmöl in Brotaufstrichen gut oder schlecht? Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Es gibt Argumente dafür und Argumente dagegen. Je nachdem, wer man ist, bzw. je nach unseren Überzeugungen werden wir nicht den gleichen Standpunkt haben. Auch im Alltag werden wir unterschiedliche Konsequenzen ziehen. Wichtig ist, dass man sich gut informiert, um sich ein genaues Bild zu machen.

Zusammenfassung

Abb. 7: Zusammenfassung

Zum Schluss können die Schüler in einer geheimen Abstimmung den Personentyp wählen, dem sie sich am nächsten fühlen. Die Stimmzettel werden ausgezählt – nur zu Informationszwecken. Im Allgemeinen wählen wenige Schüler den sorglosen Verbraucher. Das ist nicht verwunderlich, schließlich sind sie jetzt gut informiert.

Der Lehrer lässt die Schüler noch kurz darüber diskutieren, welche Rolle wissenschaftliche Erkenntnisse bei Debatten zu Gesellschaftsthemen spielen. Wissenschaftliche Fakten sind unerlässlich, wenn man zum Beispiel über den Erhalt der Biodiversität diskutiert, über Gesundheit, Klimawandel, Energieverbrauch. Deshalb ist es auch wichtig, dass man sich bereits in der Schule viele Kenntnisse aneignet und auch versteht, wie diese Kenntnisse "produziert" werden. Das macht aus uns besser informierte Bürger, die in Debatten eingreifen können und fundierte Entscheidungen treffen können.

Evaluation

Die Evaluation dieser Art von Aktivitäten ist schwierig. Der Lehrer kann – während der Unterrichtseinheit – eine formative Evaluation durchführen (eine summative Evaluation ist in diesem Fall ungeeignet). Er wird die Schüler zum Schluss wohlwollend bewerten in dem Wissen, dass die Schüler gerade anfangen, ihre Gedanken zu diesem Thema zu entwickeln.

Der Evaluationsbogen 23 (Woran erkennt man ein gutes Argument?) enthält eine Tabelle, in die der Lehrer seine Bewertungen notieren kann. Führt er mit den Schülern regelmäßig philosophische Diskussionen durch, kann er diese Tabelle zur Bewertung der Fortschritte jedes einzelnen Schülers verwenden.

Letzte Aktualisierung: 3.4.2018

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