Direkt zum Inhalt
Zum Ende des Inhalts
Zur Service-Navigation
Zur Suche
Zur Hauptnavigation
Zur Anmeldung/Registrierung

Homepage > Dokumentation > Naturwissenschaften > Astronomie > Weitere Informationen > Finsternisse > Finsternisse fotografieren

Finsternisse fotografieren

Autor/inn/en:
Publikation: 1.1.2000
Herkunft: La main à la pâte, Paris
Foto von Gilles Bigaré: Sonnensicheln an einer Hausfassade in Paris

Sonnensicheln an einer Hausfassade in Paris (Foto und ©: Gilles Bigaré)

Gleich zu Anfang ein herrliches Foto, aufgenommen in Paris während der partiellen Phase der Finsternis: Die kleinen Lichtsicheln sind "Abbildungen" der teilweise verfinsterten Sonne, projiziert durchs Blattwerk auf eine Wand der Conciergerie auf der Île de la Cité in Paris. Das Foto wurde in zwei Wettbewerben preisgekrönt und erschien in diesem Herbst in drei astronomischen Zeitschriften. Abgesehen von seiner ästhetischen Qualität und der Einfachheit der Aufnahme – jeder hätte sie machen können – hat sicher auch seine Originalität die beiden Preisrichtergremien bezaubert und überzeugt: Tatsächlich hatten an diesem Tag alle Zuschauer, ihre Spezialbrillen auf der Nase, nur Augen für den Himmel, und nur ganz wenige, so will es uns scheinen, dachten daran, auch auf die Erde oder auf die Wände zu schauen.

Wir haben uns mit dem Autor des Fotos unterhalten: Gilles Bigaré, der sich für Astronomie und Fotografie begeistert und als erster von seinem Erfolg überrascht war. Er freute sich, dass sein Foto nun auch im Netz erscheint, zumal auf einer Internetseite für Lehrende! Er hat uns erzählt, wie er an jenem Tag gejubelt hat, als er zufällig "die kleinen Lichtmonde, die der Wind im Schatten des Blattwerks tanzen ließ" entdeckte. Er hat sie lange beobachtet und gleich auch seine Entdeckung um sich herum verbreitet. Er sagte uns auch noch: "Wenn ich jetzt unter Bäumen hergehe, bin ich viel aufmerksamer und halte nach den kleinen ovalen Lichtflecken Ausschau, die nun Abbilder der ganzen Sonne sind." Dagegen versteht er nicht, dass das Phänomen in der breiten Öffentlichkeit nicht bekannter ist. Er hatte sich gewünscht, dass die Medien vor der nächsten Finsternis am 3. Oktober 2005 ihr Publikum informieren und auffordern, die "Bildchen" der vom Mond angeknabberten Sonne zu fotografieren.

Also Liebhaber aufgepasst: Für Euch selbst und für Eure Kinder gibt es was zu sehen!

Magisches Schauspiel, unvergesslich, erstaunlich ... doch wie lässt sich das Versteckspiel von Sonne und Mond verewigen? Was kann ich mit der Ausrüstung, die ich habe, fotografieren? Welches Filmmaterial und welche Einstellungen für die Aufnahme soll man verwenden? Das Fotografieren von Finsternissen ist eine allen zugängliche Kunst; doch um Enttäuschungen zu vermeiden, wird man wohlweislich Vorbereitungen treffen und sich einen an die vorhandene Ausrüstung angepassten Plan machen.

VORSICHTSMASSNAHMEN

Niemals ungeschützt in die Sonne sehen! Ein Filter von guter Qualität ist unerlässlich. Es muss seinen Platz immer vor dem Objektiv haben und nicht etwa zwischen Auge und Gerät.

Ratschläge

Ein solides und stabiles Stativ ist stets zu empfehlen, damit der Fotoapparat nicht wackelt. Jedoch geht es ganz und gar nicht ohne, wenn Belichtungszeiten von mehr als etwa 1/30 s notwendig sind, oder wenn der Fotoapparat hinter einem astronomischen Instrument (zum Beispiel einem Fernrohr) steht.

Vergessen Sie nicht, den Blitz auszuschalten. Er verdirbt nicht nur Ihre Aufnahmen, er stört auch noch die anderen Beobachter!

Was lässt sich mit einer einfachen automatischen Kamera aufnehmen (die auch von Kindern zu bedienen ist)?

Mit einer solchen Kamera müssen Sie sich auf Sonnenfinsternisse und begleitende Phänomene beschränken. Die kleine Brennweite liefert ein zu kleines Bild von der Sonne (oder dem Mond), als dass auf den damit gemachten Aufnahmen interessante Einzelheiten erkennbar wären. Ganz allgemein sind alle Kameras mit Brennweiten unter 200 mm nur für Aufnahmen des Ambiente (Beobachtergruppen, Verhaltensweisen) brauchbar oder für die Sonnensicheln, die vom Blattwerk der Bäume "abgebildet" oder von Glasfassaden reflektiert werden. Man kann aber auch manche Einrichtungen fotografieren, mit denen die Sonne beobachtet wird: Wie sie hinter einem Instrument (Fernglas, Fernrohr, Teleskop ohne Filter) auf einen weißen Karton projiziert wird, oder auch hinter einem kleinen Loch in einem Karton (Prinzip der Lochkamera) in großer Entfernung auf einer Wand. Filme mit den üblichen Empfindlichkeiten von 100 oder 200 ASA reichen aus.

Während der totalen Finsternis

Mit Objektiven sehr kurzer Brennweite (24 bis 50 mm) kann man die Landschaft oder ein Gebäude einbeziehen (vergessen Sie nie den Vordergrund!) und auch das Licht (die Dämmerung) über dem Horizont aufnehmen. Im Übrigen sind zwei Erscheinungen in den Minuten totaler Finsternis für Fotografen von Interesse:

Was lässt sich mit einer Spiegelreflexkamera mit manuell einzustellender Belichtungszeit aufnehmen?

Objektive kurzer Brennweite (bis zu 100 mm)

Das über die einfachen automatischen Kameras Gesagte bleibt natürlich gültig. Darüber hinaus lassen sich eine Reihe von Aufnahmen in verschiedenen Phasen mit der vor Eintritt der Finsternis eingestellten Belichtungszeit machen. Auf diese Weise dokumentiert man einfach die Helligkeitsabnahme während der Sonnenfinsternis.

Bilderreihen von Mond- und Sonnenfinsternissen (Brennweite ca. 35 mm)

Es handelt sich darum, den ganzen Ablauf übersichtlich darzustellen, indem man in regelmäßigen Abständen den gleichen Ausschnitt aufnimmt, ohne den Film weiter zu transportieren. Man braucht dazu unbedingt ein Stativ und der Fotoapparat muss Mehrfachbelichtungen erlauben. Es empfiehlt sich, Empfindlichkeiten von 200 bis 800 ASA für den Mond und von 100 bis 400 ASA für die Sonne zu verwenden. Die Hauptschwierigkeit liegt in der Wahl des Ausschnitts: Er sollte den Gang des Gestirns von Anfang bis Ende der Finsternis erfassen. Man kann das am Vortag ausprobieren und sich zu entsprechenden Zeiten die Stellung am Himmel ansehen. Die Belichtungseinstellungen hängen von Filmempfindlichkeit und gewählter Blendenöffnung ab (siehe Tabelle).

Objektive mittlerer Brennweite (200 bis 500 mm)

Eine Brennweite von 200 oder 300 mm ist das strikte Minimum, wenn man die verdunkelte Sonnenscheibe fotografieren möchte: Die Aufnahme lässt die äußersten Bereiche der Korona erkennen.

Ein einfacher Plan für die totale Finsternis

Man hat den Fotoapparat mit einem Objektiv von 200 bis 500 mm Brennweite auf einem Stativ befestigt, die Blende bis zum Anschlag geöffnet und einen unbelichteten Film von 50 bis 200 ASA mit 36 Aufnahmen eingelegt. Falls man die Bilder digitalisieren möchte, ist ein Negativfilm vorzuziehen, während man Diapositive direkt auf einen großen Schirm projizieren kann. Ein Drahtauslöser (oder die Infrarot-Fernbedienung) sowie ein motorisierter Filmtransport sind zweifellos von Vorteil. Die Scharfeinstellung wird während der partiellen Phase – achtung, Filter verwenden! – vorgenommen.

Wenn man die Belichtungszeit von 1/2000 s bis 1 oder 2 s von Stufe zu Stufe variiert, kann man nacheinander die bailyschen Perlen, die Chromosphäre und die Protuberanzen aufnehmen und anschließend die innere, die mittlere und die äußere Korona mit ihren großen Eruptionen. Eine Probeaufnahme kann man innerhalb der kurzen Totalitätsphase machen. Aber vergessen Sie auf gar keinen Fall, das Schauspiel auch einen Moment lang mit bloßem Auge zu genießen!

Wie lange kann man bei Verwendung eines Stativs maximal belichten?

Mond und Sonne bewegen sich am Himmel. Je größer die Brennweite und/oder je länger die Belichtungszeit, desto größer auch die Gefahr der Unschärfe auf dem Foto. In Tabelle 1 ist die maximale Belichtungszeit je nach Brennweite angegeben.

Brennweite [mm] Durchmesser des Gestirns auf dem Film [mm] Maximale Belichtungszeit [s]
28 0.25 30
50 0.45 10
100 0.9 4
200 1.8 3
300 2.7 1.5
500 4.5 1
1000 9.1 1/2
2000 18.2 1/8

Tabelle 1 : Durchmesser des Mondes (oder der Sonne) auf einem 24×36 mm-Film und maximal mögliche Belichtungszeit in Abhängigkeit von der Brennweite des verwendeten Objektivs.

Objektive großer Brennweite (ab 500 mm)

Mit Brennweiten größer als 500 mm kann die Aufnahme von Einzelheiten des verdunkelten Gestirns gelingen. Man braucht unbedingt ein stabiles Stativ. Ideal wäre eine justierte äquatoriale (parallaktische) Montierung mit automatischer Nachführung. Die lange Brennweite erhält man, wenn man eine Spiegelreflexkamera ohne Objektiv mit entsprechenden Zwischenringen oder Adaptern direkt an einem astronomischen Instrument (Fernrohr oder Spiegelteleskop) anbringt.

Mondfinsternisse

Die Mondfinsternisse haben den Vorteil, dass sie auf der ganzen, in Nacht getauchten Halbkugel zu beobachten sind. An einem gegebenen Ort sieht man sie daher häufiger als Sonnenfinsternisse. Man kann sie ohne Filter fotografieren, braucht aber Objektive großer Brennweite (siehe in Tabelle 1 die Angaben zum Durchmesser unseres Satelliten auf dem Film). 200 mm Brennweite sind das absolute Minimum. Entfernen Sie sich so weit wie möglich von den erleuchteten Städten, Straßenbeleuchtung und Autoscheinwerfer sind Ihre schlimmsten Feinde!

Wie bei den Sonnenfinsternissen schützen auch hier Stativ und Drahtauslöser vor Verwackeln. Nehmen Sie ruhig Landschaft und Gebäude mit auf. Mit Hilfe von gängigen Bildbearbeitungsprogrammen kann man heute sehr schöne Montagen herstellen.

Gewiss sind die Mondfinsternisse weniger spektakulär als die der Sonne, nichtsdestotrotz bleiben sie attraktiv und wir entdecken bei der Gelegenheit die Sternbilder unseres Nachthimmels. Der Durchgang unseres Satelliten durch den Schattenkegel der Erde führt uns die Rundheit unseres Planeten vor Augen. Man kann sich sogar den Spaß machen, das Verhältnis der Durchmesser der beiden Körper zu berechnen, so wie es Aristarch von Samos um 250 vor unserer Zeit getan hat.

Beobachten sie vor allem die Farbe des Mondes während der totalen Finsternis. Die Mondoberfläche wird von den durch die Erdatmosphäre gebrochenen Lichtstrahlen beleuchtet, von ebensolchen Lichtstrahlen wie wir sie beim Sonnenuntergang bewundern. Der Mond erscheint kupferfarben bis ziegelrot und bei einer sehr dunklen Finsternis kann er sogar praktisch verschwinden! Das hängt vom Abstand von der Erde ab (der sich im Lauf der Mondzyklen beträchtlich ändern kann), vom Gehalt an Staub und Aerosolen in der Erdatmosphäre, sowie von der Wolkendecke.

Filmempfindlichkeit (ASA) Blende (Verhältnis F/D)
1600 32 22 16 11 8
800 22 16 11 8 5.6
400 16 11 8 5.6 4
200 11 8 5.6 4 2.8
100 8 5.6 4 2.8 2
50 5.6 4 2.8 2 1.4

 
Phase Belichtungszeit [s]
Vollmond, unverfinstert 1/250 1/500 1/1000 1/2000 1/4000
Mond im Halbschatten 1/125 1/250 1/500 1/1000 1/2000
Mond teilweise im Schatten 2 1 1/2 1/4 1/8
kurz vor der totalen Finsternis 8 4 2 1 1/2
helle Verfinsterung 30 15 8 2 1
sehr dunkle Finsternis     120 90 60

Tabellen 2 und 3: Suchen Sie in der oberen Tabelle Filmempfindlichkeit und maximale Blende. Gehen Sie dann zur unteren Tabelle und Sie finden in der gleichen Spalte die Belichtungszeiten in den verschiedenen Phasen der Finsternis.

Es ist zu empfehlen, mehrere Aufnahmen zu machen (leicht unter- und anschließend leicht überbelichten), Sie vergrößern damit ihre Erfolgschancen! (Quelle: "Ciel et Espace")

Sonnenfinsternisse

Partielle Phasen und ringförmige Finsternis

Man braucht unbedingt ein gutes Filter. Das sollte vor dem Objektiv oder astronomischen Instrument angebracht werden und die Öffnung vollständig bedecken. Empfohlene Filtertypen:

Schützen Sie ihre Filter vor Kratzern, Knicken und anderen noch so geringen Beschädigungen.

Auf keinen Fall sollten Sie verwenden:
übereinander gelegtes, entwickeltes Filmmaterial, Röntgenfilm, rauchgeschwärzte Gläser... Derartige Behelfskonstruktionen sind gefährlich, ihre mit bloßem Auge unsichtbaren Inhomogenitäten können zu schweren, unheilbaren Verletzungen führen, weil sie schädliche Strahlen durchlassen, die keinerlei Schmerzen verursachen.

Phase Blende (Verhältnis F/D)
2 2.8 4 5.6 8 11 16
Partielle (Filter 1/10 000) 1/8000 1/4000 1/2000 1/1000 1/500 1/250 1/125
bailysche Perlen     1/8000 1/4000 1/2000 1/1000 1/500
Chromosphäre und Protuberanzen   1/8000 1/4000 1/2000 1/1000 1/500 1/250
Protuberanzen und untere Korona 1/8000 1/4000 1/2000 1/1000 1/500 1/250 1/125
Innere Korona 1/500 1/250 1/125 1/60 1/30 1/15 1/8
Mittlere Korona 1/125 1/60 1/30 1/15 1/8 1/4 1/2
Äußere Korona 1/30 1/15 1/8 1/4 1/2 1 2
Koronastrahlen 1/15 1/8 1/4 1/2 1 2 4
Mondlicht 1/8 1/4 1/2 1 2 4  

Tabelle 4: Die Tabelle enthält Anhaltswerte für Belichtungszeiten (in Sekunden) je nach Öffnungsverhältnis (Blende) Ihres Fotoapparates und je nach Phänomen, das Sie fotografieren möchten. Variieren Sie ihre Werte leicht um diese Anhaltswerte. Diese sind gültig für eine Filmempfindlichkeit von 100 ASA; sie sind zu halbieren für Filme doppelter Empfindlichkeit (200 ASA) und zu verdoppeln für 50 ASA-Filmmaterial!
(Quelle: die Zeitschrift "Eclipse", Sonderausgabe Sonnenfinsternis Juli/August 1999)

Je empfindlicher der Film, desto mehr tritt mit der Entwicklung das Korn in Erscheinung (vor allem in Vergrößerungen). Es empfiehlt sich also einen wenig empfindlichen Film zu verwenden. Aber geben Sie acht: Die Belichtungszeit verlängert sich erheblich. Im Übrigen verträgt Negativfilm stärkere Kontraste und das Korn fällt weniger auf, als beim Diafilm gleicher Empfindlichkeit. Andererseits geht nichts über die Atmosphäre bei einer Diavorführung, bei der man für nur geringe Kosten seine Bilder im Großformat bewundern kann. Finden Sie selbst den passenden Kompromiss!

Testen Sie ihre Technik in den Tagen vor der Finsternis mit Aufnahmen der nicht verdunkelten Sonne, damit ihre Fotos der partiellen Phasen gelingen. Variieren Sie die angegebenen Belichtungszeiten um einen Faktor 2 oder 3. Erhöhen Sie die Belichtungszeit, wenn die Sonne tief über dem Horizont steht oder Dunst den Himmel verschleiert, und wenn die Sonne nur noch als winzige Sichel zu sehen ist.

Während der totalen Finsternis

Wenn man die totale Finsternis fotografieren möchte, muss man ein paar Sekunden vorher unbedingt das Filter abnehmen!

Die bailyschen Perlen, die Chromosphäre, die Protuberanzen und die untere Korona lassen sich mit unterschiedlicher Auflösung mit Brennweiten von 400 bis 1200 mm aufnehmen. Die mittlere und die äußere Korona passen bei solchen Brennweiten nicht ganz in den Ausschnitt, aber es lassen sich interessante Zonen finden, in denen Koronastrahlen (die manchmal auch Bögen bilden) zu sehen sind. Für solche Fotos braucht man allerdings ein wenig Erfahrung!

Finsternisfotografie im Internet

Letzte Aktualisierung: 27.1.2017

Allgemeine Informationen E-Mail Alphabetischer Index Sitemap Häufig gestellte Fragen La main à la pâte
Was sind eigentlich Sonnentaler?

Anmeldung

Passwort vergessen?

Registrieren