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Homepage > Aktivitäten > Wissenschaft > Herangehensweise > Wissenschaftlich denken, kritisch denken > Klasse 4 bis 6 > 3: Bewerten > Die Jagd auf das Dahu

3.5: Die Jagd auf das Dahu

Autor/inn/en:
Publikation: 2.11.2017
Lernstufe: 3
Übersicht: Im Internet gibt es immer wieder "unglaubliche" Geschichten, Hoaxes/ Falschmeldungen und Verschwörungstheorien. Die Schüler lernen, diese als unwahr zu erkennen. Informationen können verdreht werden, und manchmal werden wir Opfer von Meinungsmanipulation.
Angestrebte Kenntnisse: Wissenschaftlich denken, kritisch denken: Falschinformationen erkennen.
Für Anfänger: Die Merkmale erkennen, die eine falsche Information glaub­haft machen.
Kompetenzen: Mit Unterstützung der Lehrerin forschendes Lernen betrei­ben: Lernen Informationsquellen zu nutzen; Texte, Dokumente und Bilder verstehen und interpretieren; verschiedene Bildtypen erkennen – wissen, wie sie hergestellt und verändert werden; den Unterschied zwischen Kunst­bild und wissenschaftlichem bzw. dokumentarischem Bild erkennen.
Schwerpunkt: Deutsch, Kunstunterricht, Wissenschaft und Technik
Dauer: 2 Stunden (auf 2 bis 3 Einheiten verteilt)
Material: Für die Klasse: Für jede Schülergruppe: Für jeden Schüler:
Herkunft: La main à la pâte, Paris

Aktivität: Man darf nicht alles glauben

Ablauf: Die Schüler befassen sich mit einem Bild, einem Text oder einem Video über ein mysteriöses Tier. Sie machen sich Gedanken über die Glaubwürdigkeit des Informationsgehaltes des Bildes/Textes/Videos – Was erzeugt Vertrauen und was Ungläubigkeit? (Phase 1). Die Schüler überlegen sich, wie man am besten reagieren sollte, wenn man über eine verdächtige Information oder eine potentielle Falschmeldung stolpert (Phase 2). Schließlich setzen sie ihre gewonnenen Erkenntnisse ein und produzieren selbst eine Falschmeldung (Phase 3).

Botschaft zum Mitnehmen: Man darf nicht alles glauben! Eine Falschmeldung ist eine falsche Information: ein Schwindel, ein Witz, eine Täuschung, die wir verleitet sind zu glauben. Um eine Falschmeldung/ein Hoax zu erzeugen, muss man es schaffen, sie/ihn wahr erscheinen zu lassen – zum Beispiel, indem man wissenschaftliche Begriffe verwendet, indem man Erfundenes mit der Realität vermischt, indem man so tut, als würde man sich auf zuverlässige Quellen stützen. Es ist nicht immer einfach, eine Falschmeldung zu erkennen. Ist der Inhalt einer Meldung merkwürdig, sollte uns das aufhorchen lassen und uns dazu bewegen, die Meldung zu überprüfen. Ist keine umfassende Untersuchung möglich, sollte man zumindest vorsichtig/skeptisch bleiben.

Vorbemerkungen:

Die Lehrerin zeigt den Schülern ein kurzes Video über das Dahu oder ein anderes Fabelwesen ihrer Wahl [2]. Sie verrät nicht, ob es sich um ein reales oder ein imaginäres Tier handelt. Nachdem die Schüler das Video gesehen haben, fragt sie: "Was haltet ihr vondem Video? Ist es eher ein Dokumentarfilm oder handelt es sich um eine erfundene Geschichte?" Die Schüler untersuchen sowohl den Inhalt als auch das verwendete Vokabular. Sie notieren die Elemente, die an einen Dokumentarfilm denken lassen.

Pädagogische Anmerkung

Die Lehrerin kann zu dem Video weiteres Material über das Dahu verteilen: Texte und/oder Bilder, die sie im Internet gefunden hat.


Abbildungen eines Dahus und eines Wolpertingers

Abb. 1: Abbildungen eines Dahus und eines Wolpertingers

Nun bittet die Lehrerin die Schüler – in Einzelarbeit, Gruppenarbeit oder im Rahmen der ganzen Klasse – aufzulisten, was sie über das Dahu gelernt haben. Zum Beispiel: "Das Dahu lebt in den Bergen, es hat vier Beine – zwei kürzere und zwei längere. Es hat ein dichtes Fell und große Hörner. Es sieht ein bisschen aus wie eine Gämse oder ein Ziegenbock, hat den Schwanz einer Kuh und die Ohren eines Bernhardiners. Es gibt zwei Arten von Dahus: Bei der einen Art sind die linken Beine kürzer, bei der anderen die rechten Beine. Es wird auch gesagt, dass das Dahu sehr selten vorkommt." Die Lehrerin fragt: "Kommen euch einiger dieser Merkmale des Dahus seltsam vor? Könnte es vielleicht ein erfundenes Tier sein? Welche dieser Merkmale lassen euch denken, dass das Tier erfunden ist? Warum?" Kann sich die Klasse zum Schluss auf eine Aussage einigen, ob es sich um ein real existierendes oder um ein erfundenes Tier handelt?

Pädagogische Anmerkungen

  • Die Schüler können den am Ende der Unterrichtseinheit vorgeschlagenen Evaluationsbogen 22 (Falschmeldungen erkennen) dazu verwenden, die Hinweise und Kommentare zu dem Video über das Dahu aufzuschreiben.
  • Die Lehrerin kann eventuell Fotos bzw. Abbildungen von Skeletten von Tierarten, die dem Dahu ähneln, verteilen. Spätestens anhand dieses zusätzlichen Bildmaterials werden die Schüler die "seltsamen" Eigenschaften feststellen, insbesondere die unterschiedliche Länge der rechten und linken Beine.
  • Es ist wahrscheinlich, dass zumindest zu Beginn der Unterrichtsstunde ein Großteil der Schüler denkt, dass das Tier real ist. Die Lehrerin kann in einer Umfrage ermitteln, wie viele es sind.

Die Lehrerin erwähnt nun, dass es bei diesem Video um eine Falschmeldung handelt – eine Meldung, die nicht der Wahrheit entspricht. Sie erklärt auch, in welchem Kontext diese Geschichte erfunden wurde: Bergbewohner wollten sich damit über die Städter lustig machen, die sich in der Tierwelt der Berge nicht gut auskennen.

Zusammenfassung

Auf den ersten Blick sieht die Quelle mit den Informationen über das Dahu glaubhaft aus: Das verwendete Vokabular ist vielfältig und präzise, manchmal werden sogar wissenschaftliche Begriffe verwendet. Der Film über den Wolpertinger ähnelt ein bisschen einer Naturdokumentation. Vielleicht hat die Lehrerin Bilder gefunden, die naturalistischen Zeichnungen ähneln oder einen Text, der sich liest wie die seriöse Entdeckung einer neuen Tierart. Wenn man den Inhalt jedoch näher unter die Lupe nimmt, kommen Zweifel auf: Dieses Wesen mit den unterschiedlich langen Beinen scheint doch sehr frei erfunden zu sein. Der Text bezieht sich nicht auf externe Quellen, und manchmal meint man beim Sprecher leichte Ironie wahrzunehmen. Diese erste Phase des vertieften Eintauchens in den Inhalt des Textes und der Reflektion über den Text sollte nie fehlen, wenn man sich eine Dokumentation anhört bzw. anschaut oder durchliest. "Aber was tun, wenn Zweifel aufkommen?"

Wenn einem die Information suspekt oder merkwürdig vorkommt, sollte man dem in der Regel nachgehen. Man sollte zusätzliche Quellen suchen, sie miteinander vergleichen und gegenüberstellen usw. Wenn eine umfassende Untersuchung aber nicht möglich ist, sollte man zumindest vorsichtig/skeptisch bleiben, und mit seinem endgültigen Urteil abwarten.

Die Lehrerin kann die Schüler auffordern, in ihrer Erfahrungswelt nach ähnlichen Situationen zu suchen, in denen es ratsam ist, nach weiteren Informationsquellen zu suchen bzw. mit seinem Urteil abzuwarten, falls man keine solchen Quellen findet.

Produktion von eigenen Falschmeldungen

Die Lehrerin schlägt den Schülern nun vor, in kleinen Gruppen selber ein Tier zu erfinden, das mindestens ein merkwürdiges Merkmal besitzt. Ein naives, leichtgläubiges Publikum sollte an seine Echtheit glauben. Die Schüler müssen sich also ein Tier ausdenken, dessen Merkmale nicht allzu abstrus sind, um nicht sofort als Hirngespinst enttarnt zu werden. Sie können eventuell Kenntnisse einsetzen, die sie im Zusammenhang mit der Klassifizierung von Lebewesen und der Beobachtung von Lebewesen in ihrer natürlichen Umgebung gelernt haben. Und sie können sich bei Geschichten aus dem Volksglauben bedienen.

Sie überlegen sich dann, wie sie ihr Tier dem Publikum/der Leserschaft präsentieren wollen. Welche Art von Dokumentation soll produziert werden (Bilder, Videos, Text) und wie soll sie verbreitet werden? Es sollte mindestens ein einfaches Plakat erstellt werden (zum Beispiel nach dem Muster des Arbeitsblattes 36 (Eine neu entdeckte Tierart). Die Dokumentation kann aber auch per Fotomontage zusammengesetzte Fotos beinhalten, oder Videos (fiktive Interviews mit Schauspielern oder Wissenschaftlern, die eventuell so geschnitten sind, dass Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen sind), oder eine Videomontage, mit der das falsche Tier in der Natur oder in der Klasse "gefilmt" wird.

Um etwas Zeit zu sparen, kann die Lehrerin den Schülern die Produktion der Falschmeldung als Hausaufgabe aufgeben.

Zum Schluss werden die Produktionen den anderen Gruppen vorgestellt. Es kann auch ein Wettbewerb organisiert werden – ein klasseninterner oder ein öffentlicher. Die Schüler können auch ein "Museum der imaginären Tiere" eröffnen oder ein "Buch der unbekannten Tiere" zusammenstellen.

Die Schüler arbeiten an ihrem Fabeltier

Abb. 2: Die Schüler arbeiten an ihrem Fabeltier.

Pädagogische Anmerkung

Wahrscheinlich reagieren die Schüler mit folgenden oder ähnlichen Kommentaren auf die Enthüllung, dass es das Dahu (den Wolpertinger) nicht gibt: "Wir sind ein bisschen dumm, dass wir daran geglaubt haben." "Oh nein, wir sind wirklich alle dumm." "Ich war mir nicht sicher, aber wir sind alle in die Falle getappt. In Zukunft müssen wir besser aufpassen." "Es klang zum Teil so ernsthaft." "Wir machen jetzt selbst eine Falschmeldung, für die anderen, um ihnen zu zeigen, dass man sich leicht irren kann, und dass man Informationen mit Vorsicht betrachten muss." "Wir erfinden eine Falschmeldung für die Drittklässler, dann lernen die Kleinen vielleicht, nicht so dumm zu sein wie wir in der 5. Klasse."

Beispiel für von den Schülern erfundene Tiere

Das Laks

Zeichnung eines Fabeltiers 1

Abb. 3: Zeichnung eines Laks' – von Albert, gezeichnet während einer sehr riskanten Reportage!

Der Pharanu

Zeichnung eines Fabeltiers 2

Abb. 4: Zeichnung eines Pharanus – von Amira, die Ohrschützer tragen musste

Der Leonoche

1. Sein Habitat: Der Leonoche (sprich: Leonotsche) lebt in einer großen Hütte, die "cabana sagrada" genannt wird. Das bedeutet "heilige Hütte". Er braucht die bestmögliche Unterkunft, denn er hat jede Nacht eine unglaubliche Aufgabe zu erfüllen (siehe Punkt 7).
2. Seine Beute und seine Nahrung: blaue Beeren, Makaken und Zebras – damit er stark ist.
3. Seine Besonderheit: Der Leonoche hat eine einzigartige Besonderheit, denn er ist 6 m lang und 4 m breit und hat einen 5 m langen Schwanz. Er kann bis zu 80 km/h schnell sein und er kann fliegen – dank seiner Beine, die sich zu Flügeln auseinanderfalten lassen.
4. Seine Geschichte: Der Leonoche ist ein in Spanien geborenes Tier, das wegen der Jäger nach China verfrachtet wurde. Er wurde 1940 dorthin geschickt, und er hatte gehofft in China ein besseres Leben zu haben – dank seines Berufs und der guten Unterkunft, die man ihm gab.
5. Bedeutung des Namens: Seinen Namen erhielt er von Marcos L. Leonoche besteht aus zwei Worten: Leo ist sein Name und noche bedeutet Nacht auf Spanisch. Marcos L. ist ein Mann von der Spanischen Akademie, die Academia España heißt.
6. Foto des Leonoche: (siehe Abb. 5)
7. Sein Beruf: Der Beruf des Leonoches ist einigermaßen sonderbar, denn er hat eine wichtige Aufgabe zu erfüllen, er arbeitet für alle Chinesen. Der Beruf des Leonoches ist nachts die Chinesische Mauer zu bewachen!

Zeichnung eines Fabeltiers 3

Abb. 5: Zeichnung eines Leonoches

Evaluation

Die Schüler kommentieren eine Falschmeldung einer anderen Schülergruppe. Sie nennen die Hinweise, die auf eine Falschmeldung deuten: die Tricks, die wahrheitsgemäßen Elemente, die einen in die Irre führen sollen. Die Lehrerin kann den Evaluationsbogen 22 (Falschmeldungen erkennen) verwenden.


Fußnoten

1: Aus dem Buch von Harald Stümpke: "Bau und Leben der Rhinogradentia"

2: Das vorgeschlagene Video über das Dahu ist auf Französisch. Die deutsche Übersetzung des gesprochenen Textes findet sich hier: Arte – Karambolage: "Das Porträt des Dahu" (Sendung vom 19. Oktober 2008).
Es gibt noch weitere Filme über das Dahu, zum Beispiel diesen hier (auf Fran­zösisch mit englischen Untertiteln): Film über das Dahu.
Zum Wolpertinger gibt es zum Beispiel das folgende Video: SRF-Archiv: "Ent­deckung Wolpertinger" (Sendung von 1. April 2004).

Letzte Aktualisierung: 12.4.2018

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