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Homepage > Aktivitäten > Astronomie > Himmel, Erde, Universum > Wie viel Uhr ist es in Paris, in Peking oder in Sydney? – Die Zeitzonen
| Autor/inn/en: | MJENR/DESCO und französische Académie des sciences/La main à la pâte |
| Publikation: | 30.9.2002 |
| Lernstufe: | 3 |
| Ziele: |
|
| Angestrebte Kenntnisse: | Himmel und Erde. Die Erdrotation und ihre Konsequenzen. |
| Dauer: | Ungefähr 10 Unterrichtsstunden à 45 bis 60 Minuten erscheinen notwendig. |
| Material: |
Materialien für eine Schülergruppe:
|
| Herkunft: | La main à la pâte, Paris |
In dieser Unterrichtseinheit wird die Drehung der Erde durchgenommen und in
einfacher Form ihre unmittelbaren Folgen: der Wechsel von Tag und Nacht, die
Zeitzonen. Die Städte Sydney und Peking wurden nicht
nur gewählt, weil sie als Austragungsorte der Olympischen Spiele (2000
und 2008) berühmt sind, sondern auch, weil ihre Lage auf dem Globus, wie
sich später zeigen wird, pädagogisch interessant ist:
- Sydney liegt
auf der südlichen Halbkugel, ungefähr auf dem entgegengesetzten Meridian, so
dass man sagen kann, "wenn es Tag ist in Paris, ist es Nacht in Sydney";
- der Meridian von Peking und der unsrige liegen grob gerechnet um einen
rechten Winkel auseinander, sodass sich sagen lässt: "Wenn es in Paris Mittag
ist, beginnt in Peking die Nacht". Genauere Kenntnisse werden die
Schüler/innen in dieser Unterrichtseinheit nicht erwerben.
Ergänzend gibt es zu dieser Unterrichtseinheit eine Bechreibung der Stellung dieses Themenbereichs im [französischen] Lehrplan. Da es für den deutschsprachigen Raum so viele verschiedene Lehrpläne gibt, die Lehrpläne sich aber doch in vielen Punkten ähneln, verweisen wir an dieser Stelle auf den französischen Lehrplan.
Die Vorgehensweise ergibt sich aus folgender Frage: "Wie kommt es, dass in zwei weit voneinander entfernten Städten auf der Erde die Uhrzeit nicht die gleiche ist?" Die Frage ist nicht ganz einfach. Zur Beantwortung muss man ein paar Kenntnisse haben und sie vernünftig einsetzen:
Hier wird ganz bewusst nicht davon ausgegangen, dass diese Punkte im Voraus abzuhandeln sind, bevor die Zeitzonen durchgenommen werden. Im Gegenteil, die Ausgangsfrage soll den roten Faden abgeben, der zu den notwendigen Kenntnissen führt. Ganz ohne Vorkenntnisse geht es allerdings nicht:
| Unterrichtsstunden | Ausgangsfrage | Schülerarbeiten | Naturwissenschaftliche Herangehensweise | Folgerungen, erreichte Ziele |
|---|---|---|---|---|
| Vorbereitende Stunde | Beobachtung der Sonne in ihrem Tageslauf | Beobachtung | Beobachtung | Die Sonne steht am höchsten, wenn unsere Uhren Mittag zeigen. |
| Stunde 1 | Wie kann man die Uhrzeit in einem fernen Land wissen? | Benutzung einer Zeitzonenkarte | Versachlichung und Formulierung der Fragestellung | Die Schüler/innen können eine Karte lesen. |
| Stunde 2 | Warum ist es Nacht in Sydney, wenn in Paris Mittag ist? | Sammeln und Vergleich der Meinungen | Erste Hypothesen | Die Schüler/innen korrigieren und erweitern ihren Wortschatz. |
| Stunde 3 | Welche Begriffe werden gebraucht? (Pol, Äquator, Halbkugel, Meridian, usw.) | Literaturrecherche | Literaturrecherche | Begriffsliste erstellen. Äquator und einen Meridian auf eine Styroporkugel zeichnen. Paris und Sydney einzeichnen. |
| Stunde 4 | Wie viel Uhr ist es in Sydney, wenn in Paris Mittag ist? | Erklärung anhand eines Modells: Lichtkegel + weiße Kugel | Nachahmung im am Modell | Wenn es in einer der beiden Städte hell ist, liegt die andere im Dunkeln. |
| Stunde 5 und 6 | Wie kann man den Wechsel von Tag und Nacht erklären? | Überlegter Umgang mit dem Modell. Prüfung von Hypothesen anhand des Modells. | Hypothesen und Modellversuche | Am Modell lassen sich widersprüchliche Hypothesen nicht immer klären. |
| Stunde 7 | Wie viel Uhr ist es in Peking, wenn in Paris Mittag ist? | Antwortsuche anhand des Modells | Eine neue Fragestellung ergibt sich. | Der Drehsinn der Erde bleibt zu bestimmen. |
| Stunde 8 | In welcher Richtung dreht sich die Erde um sich selbst? | Versuche mit Lichtkegel und weißer Kugel | Überlegung | Die Sonne bewegt sich vor uns von links nach rechts, also bewegt sich die Erde vom Nordpol aus gesehen in umgekehrter Richtung. |
| Stunde 9 | Erneut wird dir Frage aus Stunde 7 gestellt: Wie viel Uhr ist es in Peking, wenn es in Paris Mittag ist? | Versuche mit dem Modell | Lösung | Wenn sie den Drehsinn der Erde kennen, können die Schüler/innen die Frage beantworten und gleichzeitig weitere Fragen erfinden. |
| Stunde 10 | Wie lässt sich behalten, was man verstanden hat? | Zweidimensionale Darstellung | Schematische Darstellung | Anfertigung eines zweidimensionalen Modells, Fotos und beschriftete schematische Zeichnungen |
Obige Aufteilung ist natürlich nur ein Beispiel und jede/r Lehrende wird,
in Abhängigkeit von den Fortschritten der Klasse und vom Unterrichtsplan,
Änderungen vornehmen. Stunde 3 hat nur Sinn,
wenn den Schüler/inne/n bewusst ist, dass sie ihre Gedanken nicht klar
ausdrücken können, weil ihnen die genauen Begriffe fehlen. Es fragt
sich, wann der geeignete Zeitpunkt gekommen ist. Die/der Lehrende muss
entscheiden, wann der Sachverhalt verstanden ist und Begriffsklärungen
nötig werden, vorher sind sie nicht sinnvoll. Die Literaturrecherche
muss nicht unbedingt eine ganze Stunde in Anspruch nehmen. Die
Schüler/innen können aufgefordert werden, ihre Wörter, falls
sie sich des Sinnes nicht sicher sind, oder Uneinigkeit besteht, von sich aus
zu überprüfen. Stunde 4 ist einfach und
kurz. Manche Lehrende nehmen sie lieber schon zusammen
mit Stunde 2 durch und lassen die
Schüler/innen angeben, wo Paris und Sydney auf ihrer
Kugel liegen.
Die Unterrichtseinheit kann in zwei Teile geteilt und der zweite erst im
folgenden Schuljahr durchgenommen werden. Wir schlagen folgende Aufteilung
vor:
Die pädagogische Vorbereitung der Schülerarbeit wird hier nicht im Einzelnen besprochen. Wir erinnern jedoch an die Lernziele dieser vorbereitenden Unterrichtsstunde:
In dieser Unterrichtsstunde kann Wissen, das jedermann über die Zeitverschiebung hat, miteinander geteilt (die Uhrzeit ist nicht überall auf der Erde die gleiche), und der Gebrauch einer vereinfachten Karte der Zeitzonen erlernt werden.
Man sollte sich auf genaue, wertfreie Tatsachen berufen können. Die/der Lehrende kann die Frage an einem Medienbeispiel (Videovorführung...) zur Sprache bringen. Sie/er mimt Verblüffung: "Wie ist das möglich? In Paris ist Abend und in dem Land ist Mittag!... Stimmt das wirklich? Seid ihr nicht erstaunt?" Die Schüler/innen sagen, was sie denken und wissen, eventuell auch, was sie erfahren haben. Die/der Lehrende wertet keine der Aussagen. Sie/er begnügt sich damit, die Schüler/innen zu ermuntern.
Jede/r Schüler/in verfügt über eine Karte der Zeitzonen, die auch ein paar große Städte aufweist. Folgende oder ähnliche Fragen sind zu beantworten:
Die Schüler/innen vergleichen ihre Antworten. Im Fall der Übereinstimmung stellen sie sich gegenseitig neue Fragen. Sind sie uneins, fragen sie den/die Lehrer/in, der/die wenn nötig vorschlägt, den Stundenschieber und die Weltkarte mit den Zeitzonen zu benutzen.
Der/die Lehrer/in wiederholt, wie die Karte zu gebrauchen ist und fordert zum Schluss die Schüler/innen auf, bei den Erwachsenen in ihrer Umgebung nach Erfahrungen mit der Zeitverschiebung zu fragen. Zusätzlich, und wenn die Stunde damit nicht überfrachtet wird, sind Anmerkungen möglich:
Die Schüler/innen versuchen zu erklären, warum die Uhrzeit nicht überall auf der Erde die gleiche ist. Ihr Wortgebrauch ist dabei nicht immer der richtige. Es ist das Ziel dieser Unterrichtsstunde, dass sie sich dessen bewusst werden, und erkennen, wie wichtig es ist, sich genau auszudrücken.
Die/der Lehrende fasst zusammen, was die Schüler/innen zusätzlich (von befragten Erwachsenen) erfahren haben. Dann schlägt sie/er folgende Arbeit vor: "Versucht zu erklären, warum es in Sydney Nacht ist, wenn es in Paris Mittag ist." Die Frage beschränkt sich vorläufig auf die beiden Städte, die in etwa auf entgegengesetzten Meridianen liegen, und auf eine bestimmte Tageszeit (vorläufig interessiert nur der Tag-Nacht-Unterschied).
Die Schüler/innen arbeiten an einem Plakat, das in Text und Zeichnung ihre Vorstellung zum Ausdruck bringt. Viele Gruppen liefern Erklärungen, die "in die richtige Richtung" gehen. Daneben sind andere Ergebnisse zumindest vorläufig gültig: "Die Sonne scheint nicht überall gleichzeitig"; "Die Sonne kann nicht gleichzeitig in Paris und in Sydney scheinen"; "Paris liegt auf der einen Seite der Erde, Sydney auf der anderen..." Man beobachtet aber auch, dass die Schüler/innen sich irren und sich oft ungenau ausdrücken: "Paris und Sydney liegen nicht auf derselben Halbkugel"; "Paris liegt oben, Sydney unten"; "Sydney liegt auf dem Äquator, Paris nicht", usw.
Abb. 1 und 2
Die Schüler/innen stellen ihre Erklärungen vor.
Die/der Lehrende notiert im Hinblick auf die folgende Unterrichtsstunde Worte
und Ausdrücke, die die Schüler/innen gebrauchen. Sie/er
erläutert, dass, bevor es weitergeht, die Worte und Begriffe anhand von
Unterlagen auf ihre Richtigkeit geprüft werden müssen. Die
Schüler/innen werden aufgefordert mit in die Klasse zu bringen, was sie
zu diesem Zweck finden können.
Die Schüler/innen sind sich bewusst, wie notwendig genaue Begriffe sind und ziehen entsprechende Unterlagen zu Rat.
Die Schüler/innen stellen mit folgenden Worten eine kleine Wortliste auf:
Pole, Äquator, Halbkugeln (Hemisphären), Meridiane
(Längenkreise). Sie bedienen sich, falls notwendig, einer vereinfachenden
Skizze. Sie benutzen verschiedene traditionelle Quellen
(Wörterbücher, Bücher und Zeitschriften aus Bücherei und
Dokumentationszentrum, Enzyklopädien, Atlanten, historische Weltkarten
(mappae mundi), Weltkarten aus der Schulsammlung oder von zu Hause) und
digitalisierte Materialien, sowohl offline als auch aus dem Internet.
Internetseite zu den Zeitzonen: http://www.zeitzonen.de/
Der/die Lehrer/in begutachtet die gefundenen Begriffsbestimmungen, hilft, wo nötig, sie zu verstehen und bespricht die Schwierigkeiten, die ihm/ihr aufgefallen sind (siehe Abb. 3).
Die Schüler/innen werden an die in der vorangegangenen Unterrichtsstunde aufgefallenen falschen Begriffe erinnert und ersetzen sie durch die richtigen.
[D]
Abb. 3
Die Schüler/innen kennzeichnen auf einer weißen Kugel die beiden Pole, ziehen die Äquatorlinie und einen Längenkreis. Sie markieren Paris und Sydney und führen ihren ersten Modellversuch durch.
Die letztens gefundenen Begriffsbestimmungen auf einer die Erde darstellenden, weißen Kugel (siehe Abbildung links weiter unten) veranschaulichen und damit im Gebrauch festigen. Wie stehen im Modell "Erde" und "Sonne", wenn in Paris Mittag ist und wie, wenn in Sydney Mittag ist? Begreifen, dass jeweils in der anderen Stadt Nacht ist.
Abb. 4 und 5
In den hier abgebildeten Fotos (oben und im Folgenden), bilden die Richtung der Sonne und die Erdachse einen rechten Winkel, was nur zu Zeiten der Tagundnachtgleichen der Fall ist. Dieses in den [französischen] Lehrplänen nicht vorkommende Problem muss mit den Schüler/innen nur dann besprochen werden, wenn sie selbst einwenden, dass Tage und Nächte nicht immer gleich lang sind. (siehe den Abschnitt "Mögliche Erweiterungen").
Auf ihren Kugeln zeichnen die Schüler/innen mit Bleistift den Äquator und
einen Meridian ein. Sie legen Paris auf diesen Längengrad. Dann suchen sie mit
Hilfe vorhandener Globen, wo Sydney hingehört.
Mit einer Taschenlampe und der Kugel stellen die Schüler/innen im Modell die
Anordnung der Anfangsfrage nach[2]. Die
Anweisung ist folgende: "Stellt die Kugel so in den Lichtstrahl, dass er auf
sie fällt wie die Sonnenstrahlen auf die Erde, wenn in Paris Mittag ist.
Gebt an, wie viel Uhr es dann ungefähr in Sydney ist.
Macht eine Versuchsskizze." Die gleiche Anweisung wird dann noch einmal mit
vertauschten Rollen für Sydney und Paris gegeben.
Für die gemeinsame Erörterung ist ein größeres Modell
vorbereitet. Der/die Lehrer/in begutachtet die Erklärungsversuche der
Schüler/innen und bespricht, wo nötig, die aufgetretenen
Schwierigkeiten. Er/sie hilft bei der Formulierung der Schlussfolgerung: "Die
Uhrzeit ist nicht die gleiche in Paris und in Sydney,
denn in der einen Stadt ist es hell, während die andere im Dunkeln liegt."
Man merkt jetzt auch, dass die Versuche der Schüler/innen nicht sehr
genau sind. Auch wenn es ihnen gelingt, Paris mit der Lampe zu beleuchten und
zu erklären, dass Sydney sich dann im Dunkeln befindet:
Lichtfleck und Kugel lassen sich schlecht stabil halten. Aber das spielt
vorläufig keine Rolle.
Die Schüler/innen versuchen mit Lichtquelle und Kugel den Wechsel von Tag und Nacht darzustellen und kommen zu verschiedenen Hypothesen.
Der/die Lehrer/in stellt die Frage und vergewissert sich, dass sie verstanden wurde.
Die Schüler/innen suchen die Antwort anhand ihres Modells.
Die Hypothesen werden wiederholt und erörtert. Man erwartet, je nach anfänglichem Wissen der Schüler/innen etwa folgendes Muster:
Ausnahmsweise werden auch Antworten gegeben, die einem kindlichen
Weltverständnis entstammen: "Der Tag ist zum Spielen und Arbeiten da; die
Nacht zum Schlafen". In der Regel werden solche Antworten von den
Schüler/inne/n untereinander schon abgelehnt. Dagegen kommen sie meistens
schlecht mit der exakten Bewegung ihrer Modelle zurecht. Das führt dazu,
dass kein Einverständnis über gültige und ungültige
Hypothesen zu erreichen ist. Es bedarf eines zweiten Versuchs.
Die Unterrichtsstunde endet also meistens mit der Feststellung, die der/die
Lehrer/in auf den Punkt bringt: Die Klasse ist sich nicht einig, welche
Hypothesen gültig und welche zu verwerfen sind. Einigkeit besteht dagegen
bezüglich der Einsicht, dass man mit dem Modell anders umgehen muss.
Die Schüler/innen lernen ein Modell so zu gebrauchen, wie es gedacht ist: als Werkzeug zum überlegen und argumentieren. Sie werden sich bewusst, dass mit dem Modell zu bestimmten Hypothesen keine Entscheidung zu treffen ist. Am Ende der Stunde gibt die/der Lehrende die richtige Erklärung und unterstreicht, dass man sie in der Schule nicht beweisen kann.
Der/die Lehrer/in erörtert mit den Schüler/inne/n die Rolle eines Modells
und dessen Gebrauch. Es handelt sich um ein Werkzeug, das das Überlegen
und Argumentieren erleichtert. Die Kugel stellt die Erde dar, die Lampe die
Sonne. Alles was man am Modell beobachtet, lässt sich auch in der
Realität wahrnehmen. Wenn zum Beispiel der Markierungspunkt für
Paris im Licht liegt, bedeutet das in der Wirklichkeit: "In Paris ist Tag";
umgekehrt, wenn die Markierung für Peking im Dunkeln liegt, bedeutet das:
"In Peking ist Nacht".
Der/die Lehrer/in fordert erneut zur Arbeit in Gruppen auf, mit der Anweisung,
alle Hypothesen zu prüfen, und dazu das Modell wie gerade besprochen zu
benutzen.
Die Schüler/innen setzen ihre Versuche fort. Sie geben für jede Hypothese jeweils an, ob sie den Wechsel von Tag und Nacht erklärt oder nicht.
Die Schlussfolgerungen werden gezogen. Oft sind die Schüler/innen dann verunsichert und der/die Lehrer/in muss dafür sorgen, dass die Zweifel ausgeräumt werden. Die "richtige Erklärung" (die Erde dreht sich um sich selbst) wird als solche benannt, aber gleichzeitig erfahren die Schüler/innen, dass ihnen vorläufig nicht erklärt werden kann, wie die Naturwissenschaft den Nachweis führt. Sie werden allerdings aufgefordert, sich allgemein und aufgrund ihrer Alltagserfahrung Gedanken zur Relativbewegung zu machen: Während der eigene Zug im Bahnhof hält und man aus dem Fenster schaut, fährt ein Zug auf dem Nebengleis langsam an. Man könnte meinen, der eigene habe sich in Bewegung gesetzt. Oder man könnte im fahrenden Aufzug auf den Gedanken kommen, die Schachtwand bewege sich. Ohne dass man allzu sehr darauf bestehen sollte, lässt sich eine zweite Schlussfolgerung ziehen: Man kann sich in Bewegung befinden, ohne es zu merken[3]. (Selbst wenn man einen Anhaltspunkt hat, weiß man nicht immer, ob der sich bewegt oder man selbst; man beobachtet nur die Relativbewegung [Anmerkung des Übersetzers])
Diese Frage lässt sich vorläufig noch nicht beantworten. Alles was sich sagen lässt ist, dass Peking sich an der Grenze zwischen Tag und Nacht befindet. Ob am Morgen oder am Abend, lässt sich erst entscheiden, wenn der Drehsinn der Erde bekannt ist. In dieser Unterrichtsstunde soll das Problem verstanden werden.
Abb. 6: Wenn die Erde sich von links nach rechts dreht (siehe auch Abb. 7) ist in Peking die Dunkelheit gerade eingetreten, es ist Abend in der Stadt. Wenn die Erde sich jedoch anders herum dreht, wird es in Peking bald darauf hell, in der Stadt graut der Morgen.
Der/die Lehrer/in erinnert an die Schlussfolgerungen der vorangegangenen Unterrichtsstunde und stellt die Frage mit der man sich in dieser Stunde beschäftigen will. Er/sie betont, dass die Antworten anhand des Modells gegeben werden sollen wobei das Modell wie besprochen zu gebrauchen ist.
[D]
Abb. 7
Die Schüler/innen bringen ihre Modelle in Bezug auf Paris und Peking in Stellung. Sie probieren aus, was ihnen einfällt und versuchen anschließend sich auf eine Antwort zu einigen.
Die Gruppen sagen, welche Antwort sie meinen geben zu können. Die/der Lehrende leitet die Diskussion. Sie/er stützt sich auf Gruppen, die das Problem richtig erkannt haben und hilft, den Schluss zu ziehen: Die Frage lässt sich nicht beantworten, solange man den Drehsinn der Erde nicht kennt.
Aus der scheinbaren Bewegung der Sonne leiten die Schüler/innen den Drehsinn der Erde ab.
Abb. 8: In Europa sieht ein/e Beobachter/in die Bewegung der Sonne von Osten nach Westen.
Abb. 9: Aus Sonnennähe sähe ein/e Astronaut/in die Drehung der Erde von Westen nach Osten.
Die/der Lehrende erinnert an das Ergebnis der letzten Stunde und an die Frage, bei der man stehen geblieben war. Vorläufig lässt man die Frage besser noch offen und sagt den Schüler/inne/n nicht, dass der Schlüssel zur Antwort in der scheinbaren Bewegung der Sonne liegt. Man kann ihnen später immer noch auf die Sprünge helfen, wenn sie nicht von sich aus die Beziehung herstellen.
Die Schüler/innen überlegen. Sie können ihre Modelle benutzen. Die/der Lehrende geht von Gruppe zu Gruppe und sieht zu, dass erfolgloses Herumprobieren nicht zu lange dauert. Sie/er gibt die oben angesprochene Hilfe, wenn sie/er es für nötig hält.
Der/die Lehrer/in leitet den Austausch zwischen den Gruppen und begutachtet die Antworten. Er/sie unterstützt das Verständnis, führt zu der Äußerung oder sagt selbst: "Wenn ich auf der Erde stehe, in Europa, und die Sonne betrachte, dann geht sie im Lauf des Tages von Osten nach Westen, von meiner Linken zur Rechten. Wenn ich mir jetzt vorstelle, ich stünde bei der Sonne und würde Frankreich betrachten, dann würde ich sehen, wie die Bretagne sich dahin bewegt, wo vorher Paris war, das heißt von Westen nach Osten."
Der/die Lehrer/in vergleicht diese Überlegung mit den Gedanken aus Unterrichtsstunde 6 (Züge, Aufzug) und lässt eine entsprechende Zeichnung anfertigen. Er/sie hilft je nachdem auch bei der Schlussfolgerung: "Wir können nicht endgültig entscheiden, was sich bewegt (Erde oder Sonne), aber, falls es die Erde ist, wissen wir wenigstens, dass sie sich von Westen nach Osten dreht."
Die Schüler/innen wissen jetzt alles, was sie zum Verständnis der Zeitzonen brauchen. Sie kommen auf die in Unterrichtsstunde 7 gestellte Frage zurück. Anschließend wenden sie sich anderen Beispielen zu.
Der/die Lehrer/in erinnert einerseits an die unbeantwortet gebliebene Frage – "Wenn in Paris Mittag ist, wie viel Uhr ist es dann in Peking?" – und andererseits an das Problem des Drehsinns der Erde. Anhand eines Globus erklärt er/sie die Ausdrucksweise "von Westen nach Osten" die üblicherweise verwendet wird, um den Drehsinn der Erde zu beschreiben. Er/sie stellt ein Modell auf den Tisch, das den Schüler/innen beim Überlegen und Argumentieren helfen soll.
Die Schüler/innen suchen die Antwort auf die Frage und schreiben sie nieder. Korrigiert wird gemeinsam.
Jetzt soll auf andere Städte angewandt werden, was in Bezug auf Paris und
Peking verstanden wurde.
Einfachheitshalber schlagen wir Städte vor, die ungefähr auf dem
gleichen Längengrad liegen (New York und Lima)
oder sich in der Länge um ungefähr 90 Grad unterscheiden (Paris, Peking,
Sydney, Lima, New York).
Auf diese Weise kommen in den Antworten einfach nur die vier Tageszeiten vor:
Mittag, Mitternacht, Nachtbeginn und Nachtende.
Der/die Lehrer/in fordert die Schüler/innen auf, die drei neuen
Städte zu finden und an den entsprechenden Stellen auf ihren Kugeln zu
markieren. Er/sie weist darauf hin, dass das Modell anschließend
gebraucht wird, um die Fragen an der Tafel zu beantworten:
"In Lima ist es Mittag, was ist der Tageszeitpunkt in Sydney?"
"In Peking bricht der Tag an, was ist die Tageszeit in Paris?"
"In New York wird es Nacht, was ist die Tageszeit in
Lima?" usw.
Die Schüler/innen markieren die Städte mit Hilfe von Atlanten und Globus auf ihren Kugeln. Sie versuchen die Fragen zu beantworten. Wenn sie sich einig geworden sind, denken sie sich neue Fragen aus.
[D]
Abb. 10
In der Anfangsphase benutzen die Schüler/innen sowohl ebene wie auch sphärische Darstellungen der Erde und sind auf die einen wie auf die andern angewiesen. Diese Übung ist besonders lehrreich, aber es ist darauf zu achten, dass genügend Zeit zur Verfügung steht.
Der/die Lehrer/in stellt Fragen richtig. Er/sie greift Beispiele heraus, von
denen er/sie weiß, dass sie schwierig sind und schreibt zwei Sätze
an die Tafel: "Die Uhrzeit in Paris und in Sydney ist nicht die gleiche, weil
Paris und Sydney nicht auf der gleichen Halbkugel liegen". "Die Uhrzeit ist
die Gleiche in New York auf der Nordhalbkugel und in
Lima auf der Südhalbkugel".
Die Schüler/innen notieren jede/r für sich auf ihren Tafeln, ob die
Behauptung jeweils stimmt oder nicht. Die erste Behauptung wird korrigiert und
lautet jetzt: "Die Uhrzeit ist nicht die gleiche in Paris und in Sydney, weil Paris und Sydney nicht
auf dem gleichen Längenkreis liegen."
Mehrere Arbeitsansätze werden vorgeschlagen. Es handelt sich darum, auf einer ebenen Fläche das System Erde-Sonne, vom Nordpol aus gesehen so darzustellen, dass die Tageszeiten (Mittag, Mitternacht, Morgen, Nachmittag, Beginn der Nacht, Ende der Nacht) zu sehen sind.
Der/die Lehrer/in zeigt folgende Fotos in Kopie. Die Schüler/innen geben jede/r für sich die Tageszeit in jeder Stadt an. Anschließend vergleichen sie in kleinen Gruppen die Ergebnisse. Sie benutzen das Modell, wenn sie es für nötig halten.
Diesmal soll das nebenstehend wiedergegebene Modell angefertigt werden (der Kreis, der die Erde darstellt, kann um eine Musterklammer gedreht werden, er kann groß sein, das erleichtert die Beobachtung für die Schüler/innen). Das Modell wird anschließend verwendet, um wiederum Fragen zu beantworten: "Es ist Nachmittag in Peking, welche Tageszeit hat Los Angeles?" usw. Zur Not kann das Modell auch noch verbessert werden: Der bewegliche Kreis wird in 24 Sektoren eingeteilt, die den 24 Zeitzonen entsprechen.
Abb. 11 (Deutsche Version des Posters am Ende dieser Unterrichtseinheit)
Wir kommen nun zur klassischen Darstellungsform. Die Schüler/innen sollen die unten wiedergegebene schematische Darstellung (in Vergrößerung) beschriften.
Abb. 12: So beschriften, dass die Zonen der jeweiligen Tageszeiten zu erkennen sind für:
Im Übrigen wären mehrere Globen gut zu gebrauchen.
Nötig erscheinen uns zehn Stunden, jede ä 45 bis 60 Minuten. Das ist zwar eine ziemlich lange Dauer, aber die Unterrichtseinheit deckt einen Großteil des Astronomielehrplans mit ab und auch geographische Begriffe werden hier eingeführt und durchgenommen.
Siehe im Wesentlichen das Arbeitsblatt 20: "Die Drehung der Erde um sich selbst". Zusätzlich und für die Vorarbeiten kommt das Arbeitsblatt 19 in Frage: "Scheinbare Bewegung der Sonne" sowie 21: "Sonnensystem und Weltall".
Die Hauptlernziele der Unterrichtsstunden dieser Einheit sind die in den
Lehrplänen vorgesehenen, also die im Kasten "Stellung in den
[französischen] Lehrplänen" angeführten. Es handelt sich vor allem
um astronomisches aber nebenbei auch um geographisches Wissen.
Über den Wissenserwerb hinaus haben die Schüler/innen gelernt, sich
mehrere Gesichtspunkte zurechtzulegen, unter denen ein Sachverhalt zu
betrachten ist. Sie waren gezwungen, das, was sie in einem geographischen
Bezugssystem (Osten, Westen), unter Umständen auch in einem
egozentrischen (links, rechts), beobachten und beschreiben, in eine abstrakte
Darstellung (Modell, schematische Zeichnung) zu bringen. Sie haben gelernt
sich selbst aus dem Zentrum zu nehmen und haben ihr räumliches
Orientierungsvermögen entwickelt.
Wenn bei anderer Gelegenheit über den Mond gearbeitet wird, werden
Versuche mit neuen Modellen angestellt, und es wird sich zeigen, wie weit die
erlernten Fähigkeiten und geistigen Vorstellungen noch vorhanden und
wieder anwendbar sind.
Nicht zuletzt werden die Schüler/innen die ganze Zeit über
angehalten, nachzudenken, sich auszutauschen, zu begründen. Sie
müssen ihre Gedanken präzise zum Ausdruck bringen, oder auch ihre
Erklärungen mit Text und Zeichnung belegen. Die Arbeitsweisen sind
vielfältig (gemeinsame Plakate, Niederschriften jede/r für sich und
in kleinen Gruppen, Wortlisten...). Alles das fördert ihr
Sprachvermögen und ihre Sprachgewandtheit.
Als Erweiterung kann das Thema Universalzeit bearbeitet werden. Es ist
sinnvoll, überall auf der Welt eine gemeinsame Zeit zu haben, damit Ereignisse
von weltweiter Bedeutung (An welchem Tag, zu welcher Zeit hat Neil Armstrong
den Fuß auf den Mond gesetzt?) zeitlich eindeutig zu bestimmen sind. Man
benutzt unsere Zeitzone (die auch die von Greenwich ist) und spricht von
Universalzeit (Universal Time, UT). Am Schluss der Unterrichtsstunden zum
Thema Uhrzeit verbinden die Schüler/innen die Uhrzeit mit der scheinbaren
Bewegung der Sonne, andererseits haben sie gelernt, Kugeln und Lichtkegel zu
gebrauchen, um eine Modellvorstellung des Sachverhalts zu erhalten und eine
Menge stichhaltiger Fragen können ihnen dabei einfallen, die nicht leicht zu
beantworten sind. "Warum ist der Schatten der Sonnenuhr nicht der kürzeste,
wenn unsere Uhren Mittag zeigen?", "Warum ist die Dauer des Tages nicht immer
gleich der Dauer der Nacht[5]?", "Was ist die
Datumsgrenze?" usw. Die/der Lehrende kann gegebenenfalls den Schüler/inne/n
helfen, sich im Ansatz Antworten zurechtzulegen. Aber sie/er ist dazu nicht
verpflichtet. Dass eine Unterrichtseinheit am Ende ungelöste Fragen und neue
Probleme aufwirft, ist nicht nur möglich, sondern sogar wünschenswert. Bei der
wirklichen naturwissenschaftlichen Arbeit ist das nicht anders.
Im
Bemühen, den Schüler/innen zu helfen, sich selbst in ihren Auffassungen noch
mehr aus dem Zentrum zu rücken, und auch bei der Arbeit zum Mond, kann der
Tag-Nacht-Wechsel auf anderen Himmelskörpern zur Sprache gebracht werden: Von
der Sonne aus gesehen dreht sich der Planet Jupiter in ungefähr
10 Stunden einmal um sich selbst. Welche Dauer hat die Jupiternacht? Von
der Sonne aus gesehen dreht sich der Mond in ungefähr 30 Tagen einmal um
sich selbst. Wie lange dauert ein Tag auf dem Mond? In "Der kleine Prinz" ist
von einem Laternenanzünder die Rede, der auf einem erdachten Planeten lebt.
Seine Laterne leuchtet auf und erlischt wieder, jede Minute einmal. In welcher
Zeit dreht sich dieser Planet von seinem Stern aus gesehen einmal um sich
selbst? Wie lange dauern dort ein Tag und eine Nacht?
Zu guter Letzt
kann man den Schüler/innen auch eine Suche im Internet vorschlagen. Nach
unseren Erfahrungen mit Schüler/innen scheint es uns am besten, sie zunächst
mit Listen arbeiten zu lassen[6]:
In einer Klasse von 7 bis 8-Jährigen (4. Klasse) der Grundschule von Beaupré-Le Châble (74) und in einer Klasse von 6 bis 9-Jährigen der Chaumet-Schule in Évires (74) aus der auch die hier wiedergegebenen Schülerarbeiten stammen.
Der Streifen mit den Zeitverschiebungen (Stundenschieber) ist zum Ausschneiden gedacht (auf beiden Seiten um ein paar Stunden verlängern). Er kann über die Karte gelegt werden, mit dem Nullpunkt in einer beliebigen Zeitzone. Die Zeitverschiebung zwischen einer beliebigen Stadt und einer beliebigen Zeitzone ist unmittelbar abzulesen. Der Stundenschieber kann Schüler/inne/n, die am Ende der ersten Unterrichtsstunde Schwierigkeiten haben, eine Hilfe sein und bei der Schlussdiskussion Verwendung finden.
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Fotos zum Fotokopieren und Ausschneiden. Zu jedem Foto bestimmen die Schüler/innen die Tageszeit in der betreffenden Stadt. Der/die Lehrer/in kann an den Drehsinn der Erde erinnern.
Beispiel zum Basteln für die Schüler/innen.
1: Obwohl dies Wissen nicht einfach zu behandeln ist, kann es im Allgemeinen in der Lernstufe 3 als hinreichend gefestigt gelten.
2: Die Strahler und Taschenlampen zur Darstellung der Sonne sind gerichtete Lichtquellen, während die Sonne in alle Richtungen strahlt. Man überzeuge sich, dass dieser Unterschied dem Verständnis der Schüler/innen keinen Abbruch tut.
3: Selbst die gradlinige Bewegung ist nicht einfach zu verstehen. Ideengeschichtlich war Galilei der Erste, der die Relativität jeder Bewegung verstanden hat.
4: Die 100 W Lampe gibt zwar guten Kontrast, aber sie blendet die Schüler/innen. Ein Stück Pappe zwischen Lampe und Klasse schafft Abhilfe.
5: Diese Frage steht so nicht in den [französischen] Lehrplänen, kann aber Thema einer Unterrichtseinheit sein, wenn die/der Lehrende sich in der Lage sieht, sie erfolgreich durchzuführen.
6: Die Suche mit www.google.de und klassischen Suchbegriffen "Tag+Nacht+Wechsel" oder "Tag+Nacht+Planet Erde" ergibt sehr viele Treffer!