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Homepage > Aktivitäten > Biologie > Tiere > Die Lebensbedingungen des Mehlkäfers
| Autor/inn/en: | |
| Publikation: | 1.1.1999 |
| Lernstufen: | 2, 3 |
| Übersicht: | Unterrichtseinheit mit 4 Unterrichtsstunden à 45 Minuten zum Thema "Rolle und Stellung der Lebewesen in ihrer Umgebung". Das Experiment wurde hier an Mehlkäferlarven ausgeführt. Berichterstattung von einer Unterrichtsstunde in einem sozialen Brennpunkt auf dem Land, die die Schwierigkeiten bei der Fragestellung, den Niederschriften und der Kommunikation hervorhebt. |
| Angestrebte Kenntnisse: | Einzigartigkeit und Vielfalt der Lebewesen, die unterschiedlichen Entwicklungsstufen eines Lebewesens |
| Dauer: | 4 Unterrichtsstunden à 45 Minuten |
| Herkunft: | La main à la pâte, Paris |
Die vorgeschlagene Unterrichtseinheit hat in einer Klasse von 27 Schüler/innen (18 Schüler/innen der 3. Grundschulklasse und 9 Schüler/innen der 4. Grundschulklasse) in einem sozialen Brennpunkt auf dem Land stattgefunden. Die/der Lehrende wurde zeitweise durch Hilfserzieher/innen unterstützt.
Die einzelnen Stunden dieser Unterrichtseinheit wurden auf 45 Minuten begrenzt, einige Gruppen haben jedoch auch Beobachtungen zwischen den Unterrichtsstunden angestellt.
In der 4. Unterrichtsstunde gibt die/der Lehrende aus ihrer/seiner Sicht eine genaue Analyse der Unterrichtseinheit wieder:
Kognitive Lernziele:
- Wissen, dass ein Lebewesen besondere Eigenschaften und Bedürfnisse hat.
Methodologische Lernziele:
- Die reale Umgebung beobachten und die Beobachtungen schriftlich
dokumentieren können.
- Fragen formulieren können.
Verhaltenslernziele:
- Die eigenen spontanen Reaktionen (Abneigung, Aggressivität)
gegenüber unbekannten Lebewesen in den Griff bekommen und sich Fragen
stellen.
- Austausch innerhalb der Gruppe:
Die eigenen Ideen zum Ausdruck bringen, zuhören und die Ideen der anderen
respektieren.
Die Klasse wird in Gruppen von 4 bis 5 Schüler/innen aufgeteilt. Die/der Lehrende hat in jeder Gruppe Mehlkäferlarven gleichen Alters verteilt. Es gab wenig Abneigungsreaktionen und viel Enthusiasmus. Die/der Lehrende hat den Schüler/inne/n vorgeschlagen, ihre Beobachtungen und Fragen aufzuschreiben.
Fragenbeispiele:
Die/der Lehrende schreibt die Fragen der Schüler/innen ab und schlägt vor, diese erste Liste zu ordnen. Sie/er hilft den Schüler/inne/n dabei, die Fragen zu sortieren (nach großen Themen wie Ernährung oder Fortpflanzung). Einige Fragen werden dann neu formuliert, was zu einer zweiten Liste von Fragen führt.
Fragenbeispiele:
Die/der Lehrende hat die Fragen für eine Versuchsreihe in der Klasse ausgewählt. Sie/er schlägt vor, sich zunächst mit den Fragen der Lebensbedingungen zu beschäftigen (Temperatur und Licht).
Methodologische Lernziele:
- Hypothesen formulieren
- Ein Versuchsprotokoll ausarbeiten (anhand dessen man die Hypothesen
überprüfen kann)
Verhaltenslernziele:
- Die eigenen Ideen hinterfragen
- Erkundungen über einen längeren Zeitraum durchführen
- Einer anderen Schülerin oder einem anderen Schüler helfen und
ihre/seine Ideen akzeptieren
Die/der Lehrende wiederholt die Fragestellung und befragt die
Schüler/innen, mit welchen Mitteln sie darauf antworten
könnten.
Einige Schüler/innen schlagen vor, in einem Buch
nachzusehen. Andere schlagen ein Experiment vor. Die Vorschläge sind oft
ungeschickt und manchmal undurchführbar. Einige Schüler/innen
schlagen Experimente vor, "nur um einmal zu sehen, was passiert", ohne
Zusammenhang mit einer bestimmten Frage.
Die/der Lehrende beschließt, die Klasse in Zweiergruppen aufzuteilen,
die mit Unterstützung der Hilfserzieher/innen eine der Fragen behandeln
sollen.
Jede Gruppe hat eine der folgenden Fragen bearbeitet: "Mögen sie es warm?", "Mögen sie es hell?"
Anmerkung: Die/der Lehrende hat beschlossen, den Namen des "Tierchens" nicht zu nennen, um zu verhindern, dass die Schüler/innen Informationen über das Tierchen herausbekommen.
Einige Gruppen hatten schon einen Vorschlag für eine Antwort auf die Frage, andere nicht. Im ersten Fall hatte die/der Lehrende Mühe, die Schüler/innen von der Notwendigkeit zu überzeugen, diese Antwort zu überprüfen.
Für einige Kinder sind ihre Behauptungen so "wahr", dass diese nicht als Annahmen gelten können und es demnach aus ihrer Sicht auch nicht erforderlich ist, sie zu überprüfen.
Zwei Fälle können auftreten:
Entweder wissen sie die Antwort
tatsächlich und haben den Eindruck, ihre Zeit zu verschwenden. Sie warten
ungeduldig darauf, endlich zu experimentieren, um Antworten auf ihre
wirklichen Fragen zu finden. Dieses Problem kann durch gruppendifferenzierte
Arbeit gelöst werden sowie dadurch, dass die Kinder die zu behandelnde
Frage selbst aussuchen dürfen.
Oder sie liegen falsch, dann können nur andere Schüler/innen bei der Vorstellung der in den einzelnen Gruppen gewonnenen experimentellen Ergebnisse versuchen, sie zum grübeln bringen.
Eine Zusammenfassung der jeweiligen Unterrichtsstunde erlaubt eine Bestandsaufnahme derjenigen Beobachtungen und Schlussfolgerungen, deren sich die Klasse sicher ist (die dann den Status "Wissen" bekommen), und derjenigen, die im Widerspruch zu den anfänglichen Hypothesen stehen (letztere erfordern weitere Nachforschungen).
Methodologische Lernziele:
- Ein Versuchsprotokoll anfertigen.
- Ergebnisse beobachten und schriftlich dokumentieren.
- Die Ergebnisse im Zusammenhang mit der untersuchten Fragestellung
interpretieren.
- Einen Bericht über das Experiment erstellen.
Verhaltenslernziele:
- Gewissenhaft und genau sein (beim Beobachten des Verhaltens der Tiere).
- Die eigene Aufgabe kritisch betrachten und akzeptieren, dass man in manchen
Fällen wieder von vorn anfangen muss.
Wiederholung der Fragen:
Die Schüler/innen führen in Zweiergruppen die vorher von ihnen geplanten Experimente oder Nachforschungen durch und notieren die Ergebnisse und Informationen, die sie herausgefunden haben.
Für einige Versuche sind mehrtägige Beobachtungen notwendig.
Wegen unerwarteter Ereignisse (Verpuppung) konnten die Schüler/innen die vorgesehenen Ergebnisse nicht beobachten. Manche waren damit einverstanden, noch einmal von vorn anzufangen.
1. Frage: "Mögen sie es warm?"
In den Gedanken der Kinder gibt es (außer "ja" oder "nein") keine echte
Vermutung. Es geht vielmehr in die Richtung "wir wissen es nicht" oder "wir
werden es sehen". Sie wollen einfach beobachten, die Frage bleibt völlig
offen. (Hingegen kann es passieren, dass die Kinder nach den Beobachtungen
Vermutungen formulieren.)
2. Frage: "Mögen sie es hell?"
Die spontane Antwort ist: "Es hat Angst vor der Sonne. Das Tierchen war in
meiner Hand; ich habe es in die Sonne gelegt und dann ist es unter meine Hand
gekrochen." Infolge einer zufälligen Beobachtung gibt es dieses Mal eine
Vermutung: "Sie mögen es nicht gerne hell."
1. Frage: "Mögen sie es warm?"
- Erster Vorschlag: "Wir legen einige Tiere neben dem Heizkörper in ein
Terrarium und schauen, ob sie auf die Wärme reagieren."
Anmerkung: Die Frage an alle Schüler/innen, was sie von diesem Versuch
hielten, hat schon dazu geführt, dass diese Gruppe den Elan, mit dem sie
sich in die Arbeit stürzen wollte, verloren hat.
- Zweiter Vorschlag: "Wir legen einige Tiere in ein großes Terrarium und
stellen das eine Ende des Terrariums in die Nähe des Heizkörpers.
Wenn die Tiere es gerne warm haben, werden wir sie in der Nähe des
Heizkörpers wieder finden. Wenn nicht, werden sie in die andere Ecke
kriechen."
Kommentar: "Dieser Vorschlag ist nicht annehmbar." Was heißt das: "Es
gerne warm haben? Und wenn es neben dem Heizkörper zu heiß ist?
Dann gehen sie vielleicht in die andere Ecke, auf die "angenehm" warme Seite
des Terrariums und die Kinder würden daraus schließen, dass sie es
gerne kalt mögen!" Daraufhin haben die Schüler/innen ihre Fragen
besser formuliert. Aus "Mag es das Tier gerne warm?" ist z. B "Ist es
wärmeempfindlich" geworden.
2. Frage: "Mögen sie es hell?"
- Vorschlag: "Man unterteilt ein Terrarium in eine abgedunkelte Hälfte
und eine Hälfte mit Tageslicht (mit einer kleinen Tür, um von der
einen Seite auf die andere gelangen zu können). Man legt die Tiere in die
Mitte. Wenn sie es gerne hell haben, werden sie im Hellen bleiben, wenn nicht,
werden sie auf die dunkle Seite gehen."
1. Frage: "Mögen sie es warm?"
Der zweite Vorschlag wurde durchgeführt.
Ergebnis des Versuchs: Die Ergebnisse waren verfälscht. Denn die Larven,
alle vom selben Stamm, begannen an diesem Nachmittag ihr Puppenstadium und
bewegten sich nicht mehr. Der Versuch hat nicht lang gedauert und hat Raum
für andere sich ergebende Fragen und Aufgaben gelassen (siehe die
Unterrichtsstunde "Die Entwicklung des
Mehlkäfers"). Bis heute wurde dieser Versuch nicht wiederholt.
2. Frage: "Mögen sie es hell?"
Der vorgeschlagene Versuch wurde durchgeführt. Aus den bereits genannten
Gründen hat auch dieser Versuch nur kurz gedauert. Aber er wurde zu einem
späteren Zeitpunkt mit voll entwickelten Tieren erfolgreich
durchgeführt.
Wenn man die Larven in den Kühlschrank legt, wird ihre Verwandlung verlangsamt, während sie bei (nicht zu starker) Wärme beschleunigt wird. Man kann den Einfluss der Temperatur auf die Entwicklung untersuchen, indem man verschiedene Versuchstiere gleichzeitig unterschiedlichen Temperaturen aussetzt.
Kognitive Lernziele:
- Umweltfaktoren beeinflussen das Verhalten der Tiere.
Methodologische Lernziele:
- Die eigene Arbeit der gesamten Klasse mündlich vorstellen.
- Auf die Fragen der anderen Schüler/innen antworten, argumentieren.
- Erklärungen vorschlagen.
Verhaltenslernziele:
- Kritik von den anderen Schüler/inne/n annehmen.
Jede Gruppe stellt ihre Forschungsarbeit der Klasse vor: die Versuche, die Ergebnisse, die Schlussfolgerungen. Sie stützt sich hierzu auf ihren Bericht und ihre (in einem Heft eingetragenen) Notizen.
Die/der Lehrende hilft ihnen, falls nötig, ihre Erklärungen besser zu formulieren und allgemeine Schlussfolgerungen zu ziehen, die alle Ergebnisse berücksichtigen. Dann wird gemeinsam ein Text formuliert.
Zu den Schülerfragen: Die Fragen werden oft ungeschickt gestellt und erfordern eine "übersetzung". Es ist festzustellen, dass sich die Mehrheit der Schüler/innen an den Hauptthemen "Fortpflanzung, Ernährung, Verteidigung, usw." orientiert. Einige Fragen können nur mit Hilfe der Dokumentation (Nachschlagewerke, Internet) beantwortet werden. Dies gehört auch zu einer wissenschaftlichen Herangehensweise (Name des Tieres suchen, in welchem Land kommt es vor?).
Ich habe nur Fragen ausgewählt, die eine schnelle und/oder einfache Beobachtung ermöglichen. (Die Untersuchung der Ernährung oder des Abwehrsystems gegen Feinde behandele ich z.B. im Zusammenhang mit der Erkundung der Stabheuschrecken.)
Zur Motivation der Schüler/innen:
Die Ausgangssituation kann schnell "künstlich" erscheinen mit der Folge,
dass die Fragen der Schüler/innen an Spontaneität verlieren.
Dasselbe gilt für die Hypothesen, die Vorschläge für
Experimente, das Aufschreiben der Ergebnisse und die Zusammenfassung der
Schlussfolgerungen. Es kann passieren, dass die Schüler/innen einfach
"Schule spielen" und einer Aufforderung der/des Lehrenden folgen. Es ist zu
hoffen, dass sich das Interesse für die wissenschaftliche Vorgehensweise
und der Spaß, der damit verbunden ist, mit der Praxis entwickeln.
Zu den Notizen:
- Ich habe den Fehler gemacht, den Kindern lose Blätter zu geben, das ist
unbedingt zu vermeiden. Sie verlieren sie oder bringen sie durcheinander. Die
Idee des Notizbuches oder des "Experimentierheftes" ist viel besser.
- Am Anfang haben es die Schüler/innen nicht für notwendig erachtet,
sich Notizen zu machen. Ich habe sie dazu gezwungen, da ich ihnen den
Misserfolg ersparen wollte, dem sie durch die fehlende schriftliche
Dokumentation unweigerlich ausgesetzt gewesen wären; Wir hätten nur
Zeit und Motivation verloren. Dagegen bin ich nicht eingeschritten, wenn sie
vergessen hatten, ihre Beobachtungen zu datieren. Ich habe ihnen diese
Informationen gegeben, sobald sie feststellten, dass sie sie brauchen.
Zum Arbeiten mit Lebewesen:
Sich mit Lebewesen zu befassen, bringt viel Unerwartetes mit sich. Das
führt zu Schwierigkeiten, macht aber auch den Charme aus. Ein weiteres
Problem ist der Zeitfaktor. Man arbeitet oft über einen langen Zeitraum
(mehrere Tage oder länger). Das ist einer der interessanten Aspekte des
Biologieunterrichts. Damit muss man aber umgehen können!
Zur Arbeitsorganisation in der Klasse:
Wie ist die Arbeit in der Klasse zu organisieren? Mit der gesamten Klasse? In
kleinen Gruppen? Einzeln?
Am Anfang hat die gesamte Klasse in kleinen Gruppen gearbeitet, zu festen Zeiten, die für diese Tätigkeit vorgesehen waren. Nur der Erfahrungsaustausch fand mit allen Schüler/inne/n gemeinsam statt. Dann habe ich mich aus Bequemlichkeit dazu entschieden, die Klasse in Mannschaften einzuteilen. Die Untersuchungen, die über einen längeren Zeitraum gingen, habe ich lediglich mit einer Gruppe motivierter Kinder durchgeführt, mit dem Hintergedanken, dass dadurch die Motivation zu einem späteren Zeitpunkt auch auf die anderen überspringen würde. Dieses scheint sich zu bestätigen.
Zu möglichen Erweiterungen:
- Aufgrund der Begeisterung über die "Referate" habe ich den
Schüler/inne/n vorgeschlagen, weitere Referate zu unterschiedlichen
Themen vorzubereiten (über Insekten, den menschlichen Körper,
Erdkunde,...).
- Zwei Kinder begeistern sich für Stabheuschrecken. Sie haben eine Arbeit
zur Untersuchung dieser Tiere begonnen.
- Die traditionelle "Lernzielkontrolle" wurde durch eine Situation mit der
Fragestellung ersetzt: Kann ich etwas hinterfragen und treffende Beobachtungen
anstellen?
- In unserer Klasse wird die traditionelle Aufführung beim Schulfest
durch "Minivorträge" über unsere Arbeiten im Sachunterricht ersetzt.
Zur wissenschaftlichen Herangehensweise:
Der Begriff der "wissenschaftlichen Herangehensweise" darf nicht zu eng
gefasst werden. Das klassische Schema "Beobachtung – Hinterfragung
– Aufstellung von Hypothesen – Versuch –
Überprüfung der Hypothesen – Schlussfolgerung" kann umgeworfen
werden: "Experimente" werden zu einfachen Beobachtungen und die Hypothese kann
auch mal nach dem Versuch formuliert werden.
Die/der Lehrende weist hier auf die "BHEAIZ"-Herangehensweise hin: Beobachtung, Hypothese, Experiment, Argumentation, Interpretation, Zusammenfassung. Diese in der Grundschule oft angewendete Methode sollte jedoch nicht als "das" Modell für eine experimentelle Herangehensweise verstanden werden.